Schon wieder steht im Obbacher Windpark eine Anlage still. Nicht weil kein Wind weht oder die Energieeinspeisung gedrosselt werden muss, sondern aufgrund eines technischen Defektes. Bei Montagearbeiten an einer der fünf Wind-Energie-Anlagen (WEA) in der vergangenen Woche ist ein Schlauch gerissen und Getriebeöl herausgespritzt. Die Anlage wurde daraufhin sofort abgestellt.
"Es ist keine Havarie", versichert Benjamin Geßlein, der zuständige Projektleiter bei der ÜZ Natur Holding, die eine der drei Kommanditisten der Obbacher Windpark-Gesellschaft ist. Das Öl sei zum Großteil in der Ölwanne der Gondel aufgefangen worden und nur ein kleiner Rest ein stückweit am Turm hinabgelaufen. Aus Sicherheitsgründen sei am Fuß des Turms eine ringsum laufende Sicherheitsmanschette angebracht worden, um herabtropfendes Öl aufzufangen.
Das Wasserwirtschaftsamt Bad Kissingen, das bei solchen Störfällen alarmiert werden muss, war vor Ort. "Es ist kein Schaden für die Umwelt entstanden", bestätigt der für den Landkreis Schweinfurt zuständige Abteilungsleiter Andreas Kirchner. Es sei weder Öl ins Erdreich gelangt, noch auf die umliegenden Getreidefelder verteilt worden.
Auch das Umweltamt am Landratsamt Schweinfurt war nach Angaben der ÜZ Lülsfeld pflichtgemäß über den Vorfall informiert worden.
Beim ersten Öl-Unfall im Dezember 2019 waren aufgrund einer defekten Dichtung mehrere hundert Liter Öl in 139 Metern Höhe aus dem Getriebe einer der fünf Windkraftanlagen ausgetreten, den Turm hinabgelaufen und im Boden versickert. Das Erdreich im unmittelbaren Umfeld musste damals bis zu einer Tiefe von 20 bis 30 Zentimetern abgetragen werden. Nur zwei Monate später, im Februar 2020, gab es dann erneut einen Öl-Unfall. Wieder verlor eine Anlage Getriebeöl aufgrund einer nicht richtig montierten Dichtung. Schaden für die Umwelt entstand damals nicht, weil der Druckabfall rechtzeitig bemerkt worden war.
Nun der dritte Vorfall dieser Art. Was ist los im Obbacher Windpark? Seit Dezember 2015 sind die fünf Windkraftanlagen am Netz. Sind sie schon verschlissen? Nein, sagt Projektleiter Geßlein, die Technik aber entwickele sich weiter. So würden heutzutage an einem Getriebe Schläuche verbaut, die flexibler und reißfester seien. Die Obbacher Anlagen seien deshalb sukzessive umgerüstet worden. Just beim Montieren der neuen Schläuche am letzten der fünf Windräder sei dann das passiert, was verhindert werden sollte: ein Schlauch platzte.
Dadurch, dass der Gondelboden als Wanne konstruiert ist, sei das austretende Öl aufgefangen worden. Lediglich ein kleiner Teil sei herausgespritzt und den Turm hinabgelaufen, erklärt Geßlein. Aufgrund der geringen Menge sei das Öl aber nicht bis zum Boden gelangt. Der defekte Schlauch sei inzwischen ausgetauscht, die Anlage auch schon wieder betriebsbereit. Vorab muss sie aber gesäubert werden.
Die ÜZ hat einen Vollwartungsvertrag für alle fünf Anlagen im Windpark mit der Herstellerfirma GE Wind Energy abgeschlossen, die nun vor der Wiederinbetriebnahme die aufwendige Säuberungsaktion durchführen muss. Zur Reinigung des 139 Meter hohen Turms sind Industriekletterer nötig. Sie lassen sich mit einem motorbetriebenen Seilzug bis unter die Gondel fahren und wischen dann per Hand mit einem Spezialreiniger und einem Lappen Stück für Stück den Turm ringsherum ab. Die Putzkolonne soll noch in dieser Woche anrücken.