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Bad Königshofen
Dickleibig im Fitnessstudio: So stören Mobber nicht die Motivation
Scham und Hemmungen begleiten oftmals Menschen mit Adipositas. Die Selbsthilfegruppe Rhön-Grabfeld hat nun ein maßgeschneidertes Angebot entwickelt.
Gezieltes Training und Muskelaufbau ist wichtig für alle, die fit und gesünder sein wollen, Mario Ziesmer, hier neben Grit Reichelt, unterstützt die SHG, ebenso wie Dr. Annette Wons, sie steht neben SHG-Gründerin Marion Marschall.
Foto: Regina Vossenkaul | Gezieltes Training und Muskelaufbau ist wichtig für alle, die fit und gesünder sein wollen, Mario Ziesmer, hier neben Grit Reichelt, unterstützt die SHG, ebenso wie Dr.
Regina Vossenkaul
Regina Vossenkaul
 |  aktualisiert: 08.02.2024 14:20 Uhr

Anfang 2019 hatte Marion Marschall aus Großbardorf die erste Adipositas-Selbsthilfegruppe im Landkreis Rhön-Grabfeld gegründet und konnte bis heute 55 Mitglieder gewinnen. Es gibt zwei Gruppen, die sich einmal im Monat in Großbardorf und Bad Neustadt treffen. Eine Selbsthilfegruppe (SHG) ist nach Marschalls Erfahrung sehr wichtig, wenn es darum geht, aus dem Kreislauf von Übergewicht und Folgeerkrankungen herauszukommen.

Bewegung als Baustein der Gesundheit

Bewegung ist einer der Bausteine, die zur Gewichtsreduktion und damit zu mehr Gesundheit führen. Deshalb traf man sich am vergangenen Sonntag, um dieses Thema in den Mittelpunkt zu rücken, wobei Dr. Annette Wons, Fachärztin für innere Medizin und Nephrologie (Nierenheilkunde) über die Vorteile von gezielter Bewegung informierte. Anlass war die Bereitschaft von Mario Ziesmer, dem Besitzer von Zissi's Fitnesstreff in Bad Königshofen, den stark Übergewichtigen eine besondere Trainingszeit außerhalb der normalen Öffnungszeiten einzuräumen, damit sie unbeobachtet und ohne sich schämen zu müssen ihre Übungen absolvieren können.

Hämische Seitenblicke, Getuschel hinter dem Rücken oder Mobbing sind viele Übergewichtige gewohnt. Die Folge: Sie ziehen sich immer mehr zurück, trauen sich nicht mehr ins Schwimmbad oder in öffentliche Veranstaltungen. Das Selbstwertgefühl rutscht in den Keller. Adipositas führt häufig zu Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck und Diabetes, zu Nierenproblemen, Arthrose und Arthritis, Schlaganfall und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Gut für Diabetes-Patienten

In der Selbsthilfegruppe können die Betroffenen Erfahrungen austauschen, erhalten  Informationen über gesunde Ernährung und treffen Menschen, die ein ähnliches Schicksal haben. Die Ernährungsumstellung ist der größte Faktor, der zur Gewichtsabnahme führt, viel Bewegung im Alltag und gezielte Bewegung zum Muskelaufbau sind fast genauso wichtig, erklärt Dr. Annette Wons. Durch die Bewegung verbraucht der arbeitende Muskel seinen "Treibstoff", die Glukose, dadurch sinkt der Blutzuckerspiegel im Blut. Aktive Menschen mit Diabetes Typ 2 benötigen dadurch in vielen Fällen weniger Insulin oder Tabletten. Ausdauer- und Krafttraining seien gleichermaßen wichtig, erklärt Dr. Wons. Durch das Training werden die Gefäßwände wieder elastisch, der Pulsschlag erhöht sich, die Gefäße werden trainiert. Das Herz und der Stoffwechsel werden angeregt.

"Man muss in den höheren Gewichtsklassen darauf achten, dass die Gelenke nicht zusätzlich belastet werden", sagt Dr. Wons. Die guten Ergebnisse zeigen sich nicht sofort, aber nach einiger Zeit kann man die Fortschritte sehen und messen. Marion Marschall ist ein Paradebeispiel. Vom März 2018 bis Ende 2020 hat sie 90 kg abgenommen.

Übergewicht schadet den Nieren

Allerdings hat sie sich einer Magenoperation unterzogen und muss jetzt ihre Ernährungsgewohnheiten auf ihren Schlauchmagen abstimmen. Diabetes, Bluthochdruck und Lymphprobleme sind für sie jetzt kein Thema mehr, ihre Nierenschädigung ist jedoch nicht mehr rückgängig zu machen. Dr. Wons, die auch in der Dialysestation arbeitet, warnt vor den Auswirkungen von massivem Übergewicht auf die Nieren, das Organ müsse zu viel leisten und altere schneller, erklärte sie.

Die Möglichkeit des Trainings im Bad Königshöfer Fitnessstudios hilft den Übergewichtigen also in vielen Beziehungen, dazu kommt Beratung durch einen Trainer. Nach einem kurzen Gespräch mit Mario Ziesmer erklärte der sich sofort bereit, entsprechende Sonderstunden für Schwergewichtige einzurichten, berichtete Marschall. Einige Geräte lassen eine Belastung bis zu 150 kg zu, wer darüber ist, für den wird ein gesondertes Programm ausgearbeitet.

Hilfe zur Selbsthilfe will die SHG leisten, nach dem Motto "gemeinsam kommt man besser aus Ziel" und das heißt: mehr Gesundheit und mehr Lebensqualität.

Die SHG Adipositas Rhön-Grabfeld trifft sich jeden dritten Mittwoch im Monat ab 18 Uhr im Pfarrer-Schilling-Raum in St. Konrad in Bad Neustadt, jeden zweiten Mittwoch im Monat ab 18 Uhr im Pfarrheim Großbardorf. Kontakt unter 09766 9580983 oder unter shg.adipositas-rhoen-grabfeld@posteo.de

 
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