Die Preise für Gas, Heizöl, Benzin oder Diesel waren schon vor dem Angriff Russlands auf die Ukraine wegen wieder kräftig steigender Nachfrage auf ein Rekordniveau gestiegen. Nach dem Beginn des Krieges in der vergangenen Woche scheint es nun überhaupt kein Halten mehr zu geben: So viel wie im Moment mussten die Verbraucher nur selten in der Vergangenheit oder noch nie für Gas, Heizöl oder fürs Tanken ausgeben. Und ein Ende des Preisanstiegs ist nach der Verhängung drastischer Sanktionen gegen Russland nicht in Sicht, im Gegenteil: Die Preise schnellen quasi stündlich in die Höhe, was auch Bernd Zehner bestätigen kann und mit Sorge beobachtet. "Solche massiven Preisanstiege in so kurzer Zeit hat es noch nie gegeben", so der Chef der Ludwig Zehner Agrarhandel GmbH & Co. KG in Bad Königshofen.
100 Liter Öl kosteten am Donnerstag 150 Euro
Sichtbarer Beweis: Am späten Mittwochvormittag kosteten bei Zehner Energie laut der neuen, am westlichen Stadteingang stehenden Anzeigetafel 100 Liter Heizöl 130 Euro – ein Preisniveau, wie es zuletzt vor zehn Jahren während der Euro-Krise erreicht wurde. Am Donnerstagmittag lag der Preis schon bei 150 Euro für 100 Liter. Ob dieser Preis auch am Samstag noch seine Gültigkeit haben würde, war nach Einschätzung von Bern Zehner mehr als fraglich. "Wir müssen die Preise ja quasi stündlich korrigieren und das in absehbarer Zeit wohl immer nach oben", so der Geschäftsführer der Firma Zehner mit ihren insgesamt rund 60 Mitarbeitern an verschiedenen Standorten. Das gelte auch für Diesel und Benzin. "Treibstoff war in Deutschland noch nie so teuer wie jetzt," so Zehner. Kostete zum Beispiel ein Liter Diesel an seiner Tankstelle am Mittwoch noch 1,77 Euro, waren es einen Tag später schon 1,94 Euro pro Liter. Auch für Super-Benzin musste deutlich mehr bezahlt werden, während der Preis für Autogas oder Adblue gleich blieb. Am Freitag durchbrach der Preis für Super mit 2,08 Euro die Zwei-Euro-Marke, Diesel schnellte auf 1,98 Euro.
Wohl keine Entspannung in Sicht
Auch an den anderen Tankstellen in Bad Königshofen sind seit einigen Tagen solche Preissprünge zu beobachten. Wie das alles weitergeht, wird natürlich in erster Linie davon abhängen, wie sich die Situation in der Ukraine entwickelt. "Momentan sieht es leider nicht nach einer Entspannung aus," so Zehner, der auf Nachfrage bestätigt, dass bei den Verbrauchern bereits eine gewisse Zurückhaltung festzustellen ist, was ihre Tankgewohnheiten betrifft. "Es wird schon mehr gespart beim Tanken als noch vor einigen Wochen oder Monaten." Ob man jetzt angesichts weiterer drohender Preisanstiege Heizöl einkaufen oder darauf spekulieren sollte, dass es im Sommer vielleicht schon wieder billiger sein wird? "Da kann und will ich wirklich keinen Ratschlag geben", so Bernd Zehner. "Niemand kann da im Moment guten Gewissens eine Empfehlung aussprechen."