
Jetzt hat's zum ersten Mal auch in Marktheidenfeld gekracht. In der Luitpoldstraße ist ein Kerl auf einem E-Roller einem anderem Kerl in einem Porsche Cayenne hinten reingefahren. In der echten Welt ist jetzt also das aufeinander getroffen, was seit Wochen und Monaten theoretisch, quasi auf der Diskussionsebene, aufeinander kracht.
Von der einen Seite schreien die, die riesigen Dreckschleudern von der Straße haben wollen. Von der anderen Seite schreien die, für die die Batteriesäure-Roller keinen Deut umweltverträglicher und verkehrssicherer sind. Der Fritz findet, dass die Diskussion eigentlich ziemlich schnell beendet sein sollte. Denn: Beide Seiten haben Recht.
Und weil eine Demokratie von Kompromissen lebt, schlägt der Fritz vor, dass einfach beides verschwinden soll. Das liegt zum einen daran, dass sowohl SUV als auch E-Roller im normalen Straßenverkehr unnötig wie ein Kropf sind. Zum anderen liegt das an einer Erkenntnis, für die der Fritz erst einen unfassbar schlechten jugoslawischen Märchen-Film hat schauen müssen.
Früher lief man flötend durch den Wald - zumindest vielleicht
Der Film aus dem Jahr 1968 heißt "Kekceve ukane", was soviel wie "Kekec's Tricks" bedeutet. Er spielt irgendwo in den Bergen und in einer für Märchen typischen Zeit, irgendwann zwischen Mittelalter und Aufklärung. Der Inhalt des Films ist eigentlich irrelevant, der Fritz versteht ja nicht einmal die Sprache. Wichtig ist, wie sich eine Figur, ein grün gekleideter Gnom mit dicken Brillengläsern und einem Hut aus Kuhfell, im Film fortbewegt (Klicken Sie für ein Video einfach auf den Link auf dem Filmtitel).
Damit wären wir wieder beim Thema, auf welche Art man vom einen zum anderen Punkt gelangt. Der Gnom nämlich hüpft zu Fuß durch den Wald und spielt dabei auf einer Blockflöte. Aus heutiger Sicht sieht das natürlich sehr lustig, weil unvorstellbar, aus. Stelle man sich das heute mal vor: Einer hüpft flötend den Mainkai entlang. Aber damals, zu den Zeiten, in denen der Film spielt, konnte man halt nur so von einem zum anderen Ort gelangen. Wenn man dann dabei noch Musikhören wollte, dann musste man sie halt selbst machen. Heute sitzt man in seinem SUV und hat eine Surround-Anlage.
Was werden unsere Enkel über uns mal sagen?
Das hat den Fritz zum Nachdenken gebracht, wie wohl zukünftige Generationen die Art, in der wir uns fortbewegen, sehen. Dazu würde mich auch die Meinung von Ihnen, meinen Lesern, interessieren, die bis zu dieser Stelle im Text durchgehalten haben. Ich glaube, dass unsere Kindeskindeskinder SUV so sehen werden, wie wir heute heute auf Hochräder schauen.
Mit einem E-Roller zu fahren wiederum, ist das Aquivalent dazu, wenn man ausschließlich auf einem Laufband im Fitnessstudio joggen geht. Kostet unnötig Geld und Strom. Tauscht das Ding doch gegen ein Rad, die Bewegung ist gesund. Man schlägt mit einem Rad viele Fliegen mit einer Klappe gesund.
Leute fahren nur noch und kommen nicht mehr an
Zwangsläufig führt das Nachdenken über das rumfahren beim Fritz zu einer Frage: Warum ist allen so wichtig, wie sie vom einen zum anderen Ort kommen? Große Autos können Statussymbole sein, auch wenn viele inzwischen gleich aussehen. E-Roller machen zugegeben Spaß, viel Spaß. Der Fritz glaubt jedoch an einen anderen Grund. Das Herumfahren ist vielen so wichtig, weil es so wenig gibt, wo man noch ankommen kann.