Der Verfall nagt kräftig und seit Jahren sichtbar am ehemaligen Gutshof Öttershausen. Das soll sich ändern, wenn es nach Silvia Bitrian Sartorra und Reinhard Mast geht. Das Ehepaar möchte das Anwesen denkmalgerecht instand setzen. Ihr Ziel ist es, in den noch stehenden Resten des Hofes und auf dem daneben liegenden Gelände, ein Interpretationszentrum und Museum zu schaffen. Als erster Schritt soll nun ein Verein entstehen, der Motor für das Projekt sein soll.
Einsam auf dem Feld zwischen Gaibach und Kolitzheim liegen die Überreste des einst von Balthasar Neumann umgebauten herrschaftlichen Anlage. Sie befindet sich im Besitz des Wiesentheider Hauses Schönborn. Dort wusste man in der Vergangenheit nicht so recht, was man mit dem historischen Besitz anfangen soll. 2012 ließ die Adelsfamilie Teile der Vier-Flügel-Anlage abreißen. Lediglich die als Getreidespeicher dienenden Flügel blieben stehen.
Nicht nur dieser Gebäudeteil beeindruckt die Bauforscherin Silvia Bitrian Sartorra und ihren Mann Reinhard Mast, der als Jurist im Denkmalrecht beschäftigt ist. Die Idee, die hinter ihrem Vorhaben steckt, erläutert Mast: "Uns geht es darum, eine der letzten Möglichkeiten zu ergreifen, wenn nicht sogar die letzte, dieses Gebäude zu erhalten." Zusammen mit seiner Frau möchte der Denkmalpfleger als ersten Schritt einen Verein gründen.
Dazu werden Mitstreiter gesucht, "die sich für den Erhalt dieses bedeutenden Baudenkmals und die Vermittlung der Baukunst Balthasar Neumanns einsetzen möchten". So steht es auf der eigens gefertigten Homepage.
Dort präsentieren Mast und Bitrian Sartorra ihr entwickeltes Konzept. Demnach würde ein Interpretationszentrum in den historischen Resten untergebracht. Darin ließe sich die Baukunst Balthasar Neumanns, sowie die Geschichte der Familie Schönborn vermitteln. "Nach Bedarf könnten unterstützende Nutzungen in Neubauten unterbracht werden, die den Charakter eines geschlossenen Gutshofes unterstreichen", heißt es in dem Papier.
"Es ist ein besonderes Objekt, deswegen war es für uns schon lange ein Anliegen, ein Nutzungskonzept zu entwickeln. Das haben wir bereits Paul Graf von Schönborn vorgestellt. Er fand es sehr gut", sagte Mast. Natürlich sei das "ein Riesen-Projekt", was sich aus der Leidenschaft der beiden für Balthasar Neumann und dem Hof an der Landkreisgrenze zwischen Kitzingen und Schweinfurt entwickelt habe. Ein Zentrum für den großen Baumeister fehle, gerade in unserer Region wäre so etwas angebracht, meint Mast.
Wie es weiter gehen soll, darüber haben die beiden Initiatoren konkrete Vorstellungen. Nach der Vereinsgründung Anfang Juli soll zunächst ein statisches Gutachten zeigen, wieviel man noch erhalten könne. Vor allem das Dach sei, so Mast, stark einsturzgefährdet. "Kann man es historisch herstellen? Wie sinnvoll ist es? Was würde es kosten?", diese Punkte müssten geklärt werden. Mast selbst hält es jetzt noch für sanierungsfähig.
Finanzierung über Fördergelder und Spenden
Finanziert werden soll das Projekt nach dem Erstellen eines Trägerkonzepts etwa über Fördergelder und Spenden. Am Landesamt für Denkmalpflege habe man bereits erste Gespräche geführt, so Mast. "Sie haben uns ermutigt, aber keine Finanzierung zugesagt."
Später könnte in Öttershausen wieder Leben einziehen etwa durch kulturelle Veranstaltungen. Als potenzielle Besucher kämen Kultur- als auch Genusstouristen, Wanderer, Bewohner, Schüler, Studenten oder auch Wissenschaftler in Frage. Die zentrale Lage Gaibachs in Franken halten Mast und Bitrian Sartorra für günstig, so dass "ein touristischer Leuchtturm" entstehen könnte.
Weitere Infos zum Verein: www.gutshof-oettershausen.de
Gut Öttershausen und seine bewegte Geschichte
- 1069 wurde der Gutshof zum ersten Mal erwähnt
- 1588 erwarben die Echter von Mespelbrunn den Ort und verlegten das Hofgut an die heutige Stelle.
- 1651 kaufte Philipp Erwein von Schönborn das Dorf Gaibach, das Schloss und das Gut Öttershausen
- Von 1745 bis 1747 erfolgte der Umbau unter der Bauleitung von Balthasar Neumann. Das Schönbornsche Gut Öttershausen zählte zu den eindrucksvollsten der Region. Daneben hatte sich um den Hof eine kleine Ansiedlung etabliert.
- 1974 soll die letzte Getreideernte dort 1974 eingefahren worden sein; seit Mitte der 1980er Jahre steht die Anlage leer.
- 2012 erfolgte der vom Landratsamt Kitzingen genehmigter Teilabriss, erhalten geblieben sind lediglich der Schütt- und Winkelbau, die als Baudenkmal eingeordnet sind.
- 2020 im Juni Durch stürzen durch den fortschreitenden Verfall Teile der Decke im zweiten Obergeschoss ein.
da kann man Fördergelder aber sinnvoller investieren.