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Haßfurt
Kuriose Strafe: 20-Jähriger muss wegen Verbreitung von pornografischen Videos einen Aufsatz für den Richter schreiben
Möglich ist ein solches Urteil nur im Jugendstrafrecht - da hier der Erziehungsgedanke im Vordergrund steht. Wie lange der Mann nun Zeit hat, seinen Aufsatz zu schreiben.
Weil er in einer Online-Schulung Videos mit pornografischem Inhalt gezeigt hat, musste sich nun ein 20-Jähriger vor dem Amtsgericht Haßfurt verantworten.
Foto: René Ruprecht | Weil er in einer Online-Schulung Videos mit pornografischem Inhalt gezeigt hat, musste sich nun ein 20-Jähriger vor dem Amtsgericht Haßfurt verantworten.
Manfred Wagner
 |  aktualisiert: 09.02.2024 14:56 Uhr

Vielleicht hat er es aus Langeweile gemacht, vielleicht auch aus Übermut oder um sich aufzuspielen: In einer Online-Schulung mit Jugendlichen veröffentlichte ein junger Mann (20) zwei Videos mit pornografischem und tierpornografischem Inhalt. Da er zum Tatzeitpunkt im Februar vor einem Jahr noch 18 Jahre alt war, wurde der Metallbauer aus dem Maintal nach Jugendstrafrecht verurteilt.

Er muss ein Monatsgehalt in Höhe von 1200 Euro bezahlen und für den Richter einen zweiseitigen Aufsatz schreiben zum Thema: "Wie geht es den Menschen und Tieren, an denen sexuelle Handlungen vorgenommen werden, um sie dann in Videos zu zeigen?"

Der Angeklagte zeigte Reue

Möglich ist ein solches Urteil nur im Jugendstrafrecht. Hier steht nämlich im Gegensatz zum Erwachsenenstrafrecht der Erziehungsgedanke im Vordergrund. Mit der Weisung, einen Aufsatz zu schreiben, will Amtsgerichtsdirektor Christoph Gillot, der als Richter fungierte, den Handwerker dazu bringen, über seine Dummheit nachzudenken – und von derartigem Unsinn künftig die Finger zu lassen.

Der Angeklagte, neben dem seine Mutter saß, zeigte sich vor Gericht voll geständig und zeigte echte Reue. Das jedem Angeschuldigten zustehende "letzte Wort" nutzte er, um zu betonen, dass ihm sein Verhalten leid tue und dass er sich "abgrundtief" schäme. Auch seine Mutter erklärte, dass ihr Sohn für seinen Fehler geradestehen müsse.

Tat sei jugendtypische Verfehlung

Nach deutschem Recht macht sich derjenige strafbar, der einen pornografischen Inhalt Personen unter achtzehn Jahren anbietet, überlässt oder zugänglich macht. Und die Verbreitung von gewalt- oder tierpornografischen Inhalten durch Schriften, Foto- oder Filmmaterial wird in Deutschland als schwere Straftat geahndet.

Im vorliegenden Fall beklagte Franz Heinrich von der Jugendgerichtshilfe vor allem eine "mangelnde Sensibilität im Umgang mit pornografischen Inhalten." Er stufte die Tat als jugendtypische Verfehlung ein und plädierte dafür, das mildere Jugendstrafrecht anzuwenden. Insgesamt befinde sich der Angeklagte aber auf einem guten Weg. Er habe eine feste Arbeitsstelle und Ende letzten Jahres sei er mit seiner Freundin in eine eigene Wohnung gezogen.

Auch der Richter zeigte sich zuversichtlich, den jungen Mann kein zweites Mal im Gericht begrüßen zu müssen. Den geforderten Aufsatz muss dieser innerhalb von sechs Wochen abliefern. Dabei komme es überhaupt nicht auf die Form oder auf Rechtschreibfehler an. Vielmehr soll der Schriftsatz – den nur der Vorsitzende zu lesen bekommt – diesen davon überzeugen, dass der Verurteilte sich mit der Thematik persönlich auseinandergesetzt hat. Da sowohl die Staatsanwältin als auch der Metallbauer das Urteil annahmen, wurde es sofort rechtskräftig.

 
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  • R. A.
    So sieht „Strafe“ aus! Manche Taten haben wir deswegen nicht angedacht, um beim erwischt werden nicht am Pranger zu hängen. Die Abschreckung ist heutzutage in der Anonymität schlicht weg. In unserem Kaff wolltest du nie das Kirchgespräch sein😁
    Durch gleichgültige Dummheit aller ist das heute leider kein Argument mehr..,
    Der Richter hat sehr klug „gerichtet“
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  • M. S.
    Zitat: "Der Angeklagte, neben dem seine Mutter saß..."

    Das ist schon Strafe genug zuzüglich der Tatsache, dass sicher Leute davon wissen vor denen man das besser verheimlicht hätte.
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