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Eltmann: Warum für Corinna Hartwich-Beck Zivilcourage so wichtig ist
Die mit dem Zivilcourage-Preis ausgezeichnete Lehrerin spricht im Interview über ihr Projekt an der Wallburg-Realschule und die Arbeit mit den Jugendlichen.
Lehrerin Corinna Hartwich-Beck von der Wallburg-Realschule in Eltmann erreichte den 3. Platz beim Zivilcourage-Preis der bayerischen Inner Wheelerinnen.
Foto: Günther Geiling | Lehrerin Corinna Hartwich-Beck von der Wallburg-Realschule in Eltmann erreichte den 3. Platz beim Zivilcourage-Preis der bayerischen Inner Wheelerinnen.
Günther Geiling
 |  aktualisiert: 10.05.2023 10:24 Uhr

"Zivilcourage – vernetzt", das ist nicht nur ein Projekt. Der Begriff steht für eine Vielfalt an nahezu alljährlich stattfindenden Aktionen an der Wallburg-Realschule Eltmann. Corinna Hartwich-Beck unterrichtet dort die Fächer Deutsch und Evangelische Religion. Außerdem übt sie seit vielen Jahren auch die Funktion der Verbindungslehrerin und der Leiterin des Sozialen Arbeitskreises aus.

Mit diesem Engagement erreichte die Lehrerin jetzt den 3. Platz beim „Zivilcourage-Preis 2020“ der sechs Münchner Inner Wheel Clubs. Bei einer „Live-Schaltung“ nach München nahm sie die Auszeichnung  entgegen. Wir fragten die Lehrerin, wieso ihr das Thema "Zivilcourage“ so wichtig ist, und was den Erfolg dieser besonderen Preisverleihung bewirkt hat.

Frage: Sie haben im Gegensatz zu anderen Gruppen für den Wettbewerb nicht ein Projekt in den Vordergrund gerückt, sondern ein ganzes Netz von Aktivitäten an ihrer Schule. Gibt es dafür auch ein Leitziel für Sie?

Corinna Hartwich-Beck: Gewisse Dinge wie Werte lassen sich nur durch wiederholte Auseinandersetzung mit diesen und durch dauerhaftes Vorleben manifestieren. Ich möchte die Jugendlichen fit für ihr späteres Leben machen gemäß dem Motto: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr! Unsere Gesellschaft braucht weltoffene, hilfsbereite und engagierte junge Leute. In der Schule haben wir die Gelegenheit, die Heranwachsenden mit sozialem Engagement zu konfrontieren und sie anschließend selbstgestaltend tätig werden zu lassen.

Was heißt für Sie persönlich "Zivilcourage"?

Hartwich-Beck: Zivilcourage heißt für mich, Mut und Bereitschaft zu haben, sich für andere, aber auch gegen Ungerechtigkeit und Mobbing einzusetzen. Dies ist nicht nur gesellschaftlich wichtig, sondern auch für die eigene Persönlichkeitsbildung. Deswegen lebe ich diese Beherztheit unseren Schülern an der Wallburg-Realschule vor, indem ich ihnen Begegnungen und Situationen ermögliche, wo sie unmittelbar mit grundlegenden Werten wie Hilfsbereitschaft, Toleranz oder Gerechtigkeit, Respekt und Empathie in Berührung kommen. Entsprechend dem Leitspruch der Musketiere: „Einer für alle – alle für einen!“

Worum geht es in ihrem Projekt?

Hartwich-Beck: Die von mir betreuten Schülergruppen wie Schülermitverwaltung, der soziale Arbeitskreis, das Courage- oder das Werteteam kooperieren mit anderen Einrichtungen wie der Tafel, den Werkstätten der Lebenshilfe oder auch einer örtlichen Pflegeeinrichtung. Wir bieten auch Workshops, um sich mit Rassismus, Homophobie, Cybermobbing und vielem mehr auseinanderzusetzen und als Schulfamilie gemeinsame Werte zu leben.

Wie gelingt es Ihnen, Schüler mit dem Thema „Umgang mit Vorbehalten“ zu konfrontieren und dabei vertrauensvoll über Tabuthemen zu sprechen?

Hartwich-Beck: Zusätzlich zu unseren innerschulischen Projekten und Workshops organisiere ich in Absprache mit unseren Courage-Coachs auch externe Referenten: zum Beispiel die Kolping-Roadshow aus Köln, die Spiel- und Mitmachaktionen sowie Methoden zur Aneignung von Hintergrundwissen über Flucht, Migration und Integration anbietet. Wir hatten auch die schwullesbische Jugendgruppe "DejaWü" aus Würzburg zum Thema „Homosexualität“, welches in der Schule oftmals ein Tabu darstellt. Schließlich bereicherte „Klick & Kill“ von Bühnengold aus Berlin unseren "Wertetag 2019" und stellte Cybermobbing und negative Erfahrungen im Umgang mit sozialen Netzwerken in den Mittelpunkt.

Wie muss man sich die Zusammenarbeit von Gruppen wie Schülermitverwaltung und sozialer Arbeitskreis mit Einrichtungen vor Ort vorstellen?

Hartwich-Beck: An Weihnachten und Ostern organisieren die Schüler Spendenaktionen für die Tafel. In unserer Schulküche führen wir Kochprojekt mit der Lebenshilfe durch. Fast monatlich planen wir auch eine Veranstaltung mit den Senioren von St. Stephanus. Dabei gehen sogar die Jungs völlig locker mit älteren Damen spazieren, halten charmant mit ihnen ein Pläuschchen oder es wird bei Kaffee und Kuchen gerätselt und gebastelt.

Was fasziniert oder überrascht Sie bei dieser außergewöhnlichen Arbeit mit den Schülern besonders?

Hartwich-Beck: Dass sich Schüler auch außerhalb des Unterrichts sozial engagieren. Da wachsen sogar sonst schüchterne oder introvertierte Schüler über sich hinaus, indem sie souverän Fünftklässer zu Rollenspielen motivieren oder junge Erwachsene der Lebenshilfe in der Schulküche beim Pizzabacken oder Obstsalatzubereitung unterstützen. Es macht mich richtig stolz, zu beobachten, wie sie sich zu ganz tollen, empathischen jungen Erwachsenen entwickeln. Manche ergreifen später sogar einen Beruf im sozialen Bereich.

Wie empfinden Sie persönlich die Auszeichnung mit diesem Preis?

Hartwich-Beck: Ich freue mich natürlich riesig, aber allein kann man solche berührenden und wichtigen Aktionen nicht stemmen. Deswegen auch ein riesengroßes Dankeschön allen Schülern, die sich leidenschaftlich und mit großer Ausdauer in den verschiedenen Gruppen auf vielfältige Art und Weise einbringen. Mein Dank gilt ebenso unserer Schulleiterin Manuela Küfner für ihre Offenheit gegenüber solchen Projektideen. Großartig haben mich dabei auch meine Kolleginnen Maria Brasch (SMV und Courage-Team), Kirsten Christiansen (Produktion des Videos) und mein Kollege Werner Steger (Sozialere Arbeitskreis) unterstützt.

 
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