Immer mehr Bürgerinnen und Bürger stimmen per Briefwahl ab. Das hatte sich schon im Vorfeld der Bundestagswahl am 26. September angekündigt. Auch im Landkreis Bad Kissingen haben mehr Menschen als je zuvor ihre Wahlscheine über den Postweg eingereicht. Welche Folgen hatte das in den Wahllokalen im Bäderlandkreis? Wir haben beispielhaft in den vier Städten nachgefragt.
Aus den vier Stadtverwaltungen im Kreis gleichen sich die Antworten: Sowohl in Bad Kissingen als auch Hammelburg, Bad Brückenau und Münnerstadt war die Anzahl an Briefwählerinnen und -wählern deutlich höher als in den vergangenen Wahljahren. In der Kreisstadt haben nach Angaben des Wahlleiters Björn Denner rund 51,5 Prozent der Wählerinnen und Wähler die Briefwahl genutzt.
Von 17 540 Wahlberechtigten in Bad Kissingen haben 9040 Briefwahl beantragt. Zum Vergleich: Bei der Kommunalwahl 2020 hatten laut Denner etwa 7800 Menschen die Briefwahlunterlagen angefordert.
Auch in Hammelburg, so der Leiter des Ordnungsamtes Stefan Stöth, habe mehr als Hälfte der Wahlberechtigten per Briefwahl abgestimmt. Genau betiteln könne er die Ziffer zwar noch nicht, doch sei der Anstieg "sehr stark".
Einen Mehraufwand habe der enorme Zuwachs vor allem in Vorfeld der Wahl bedeutet. "Für uns bringt das schon mehr Arbeit. Schon alleine, weil die Unterlagen ja alle versenden werden müssen", bestätigt Marina Morber, Leiterin des Münnerstädter Bürgerbüros. Im Lauerstädtchen haben knapp 49 Prozent der Stimmberechtigten die Briefwahl genutzt. In Bad Brückenau lag der Anteil laut Stadtverwaltung etwas niedriger bei rund 43 Prozent der Wahlberechtigten.
Landen genug Stimmzettel auf klassischem Weg in der Urne?
Etwas besorgt sei man im Vorfeld vielerorts gewesen, da entsprechend der immer größeren Beliebtheit der Briefwahl die Anzahl an klassischen Einwürfen in die Wahlurne zurückgeht. Werden in einem Wahllokal weniger als 50 Stimmzettel eingeworfen, darf die jeweilige Urne nicht einzeln ausgezählt werden. Wahllokale müssten dann zusammengefasst werden, um die Anonymität der Wählerinnen und Wähler zu gewährleisten.
Ist ein Wahllokal erst einmal aufgelöst, wird es bei der nächsten Wahl auch nicht wieder ins Leben gerufen. Laut Anja Vorndran, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit des Kreises, ist es dazu landkreisweit allerdings nicht gekommen. Überall habe man die 50-Stimmen-Hürde geschafft, wenn teilweise auch knapp. "In manchen Orten kamen überhaupt nur noch um die 100 Menschen in Frage, die an die Urne hätten gehen können", so der Hammelburger Ordnungsamtsleiter Stöth.