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Standpunkt: Impfen ja – aber ohne Zwang
Bernhard Junginger
 |  aktualisiert: 10.08.2019 02:11 Uhr

Das Ziel, die Masern auch in Deutschland endgültig auszurotten, ist richtig. Es handelt sich eben nicht um eine harmlose Kinderkrankheit. Eine Infektion führt zu heftigen Beschwerden und kann sehr schwere Folgeerkrankungen wie die chronische und tödliche Masern-Gehirnentzündung nach sich ziehen. Mit der Impfpflicht hat der ehrgeizige Bundesgesundheitsminister Jens Spahn nun zwar den radikalsten Weg gewählt, um gegen die Masern vorzugehen. Es ist aber nicht unbedingt der Weg, der am meisten Erfolg verspricht.

Impfen als staatliche Zwangsmaßnahme, das ist ein schwerwiegender Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht. Überzeugte Impfgegner werden durch eine Pflicht zur Spritze in ihren Vorbehalten eher noch bestärkt. Es wird Klagen und Prozesse geben, diese nähren die Unsicherheit in Teilen der Öffentlichkeit weiter. Die Auseinandersetzungen werden letztlich auf dem Rücken der betroffenen Kinder ausgetragen. Auch die Befürchtungen, dass nun weiteren Impfpflichten Tür und Tor geöffnet sind, werden zunehmen.

Daran, dass die Impfquoten in Deutschland im internationalen Vergleich so niedrig sind, haben die radikalen Impfgegner indes nur einen geringen Anteil. Lediglich ein Prozent der Eltern weigert sich strikt, ihre Kinder impfen zu lassen. Viel häufiger liegt entweder eine diffuse Skepsis vor, die durch konsequente Aufklärung überwunden werden könnte. Oder aber, und das sind nach Studien des Helmholtz-Zentrums für Spitzenforschungen die meisten Fälle, Säumigkeit ist die Ursache, wenn Kinder nicht geimpft sind. Das heißt, viele Eltern verbummeln es schlichtweg, ihren Kindern die Masern-Impfung geben zu lassen. Für andere wichtige Impfungen gilt das übrigens auch.

Das Impfen ist ein Stück weit Opfer seines eigenen Erfolges. Weil es zum Verschwinden vieler schlimmer Krankheiten wie der Pocken geführt hat, halten es viele für nicht mehr so wichtig. Durch eine deutliche Verbesserung der Erinnerungsverfahren und einen massiven Ausbau der Informationsangebote hätte sich die Masern-Impfquote auch steigern lassen. Die Möglichkeiten für solche sanften Eingriffe ins Gesundheitswesen waren noch längst nicht ausgeschöpft. Des scharfen Schwerts der Impfpflicht hätte es jedenfalls noch nicht bedurft.

 
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