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Frauengesundheit
Schilddrüsenüber- und Unterfunktion: Frauen sind besonders betroffen
Jeder Dritte leidet an einer Schilddrüsenerkrankung. Doch warum sind vor allem Frauen häufiger betroffen, und welche Symptome und Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
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Foto: Nitcharee, stock.adobe.com (Symbolbild) | Frauen sind fünfmal häufiger von Schilddrüsenerkrankungen betroffen als Männer - doch was sind die Ursachen hierfür?
Nina Feger
 |  aktualisiert: 02.04.2025 11:25 Uhr

Die Schilddrüse ist ein zentrales Organ für die Regulation des Stoffwechsels. Produziert sie zu viele Hormone, wird der Stoffwechsel übermäßig angeregt, was zu einer Schilddrüsenüberfunktion führen kann. Im Gegensatz dazu kann eine Schilddrüsenunterfunktion entstehen, wenn die Schilddrüse nicht ausreichend Hormone produziert. Dieser Artikel bietet einen Überblick über die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von Schilddrüsenerkrankungen und beleuchtet, warum Frauen häufiger von diesen betroffen sein könnten.

Die Schilddrüse und ihre Funktion

Schilddrüsenerkrankungen sind in Deutschland weitverbreitet. Nach Angaben des Deutschen Schilddrüsenzentrums entwickelt etwa ein Drittel der Erwachsenen im Laufe des Lebens eine Schilddrüsenerkrankung. Je älter man wird, desto häufiger kann eine Veränderung auftreten. Doch wie kommt es überhaupt zu einer Funktionsstörung?

Die Schilddrüse befindet sich in unserem vorderen Halsbereich, unterhalb des Kehlkopfes. Laut des Deutschen Schilddrüsenzentrums produziert sie die Hormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3). Diese Hormone regulieren den Stoffwechsel, beeinflussen die Herzaktivität, den Muskel- und Energiestoffwechsel, den Blutdruck, den Cholesterinspiegel sowie das Wachstum und die Reifung des Körpers. Ein Ungleichgewicht der beiden Hormone kann zu verschiedenen Funktionsstörungen der Schilddrüse führen, die sich auf den gesamten Organismus auswirken können:

  1. Überfunktion (Hyperthyreose): Eine übermäßige Produktion von T3 und T4 kann Symptome wie erhöhte Herzfrequenz, Gewichtsverlust und Nervosität verursachen

  2. Unterfunktion (Hypothyreose): Eine unzureichende Hormonproduktion kann zur Müdigkeit, Gewichtszunahme und Kälteempfindlichkeit führen.

Schilddrüsenüberfunktion - Ursachen, Symptome und Behandlung

Ursachen einer Schilddrüsenüberfunktion:

Die Ursachen einer Schilddrüsenüberfunktion können vielfältig sein und hängen oft von der zugrunde liegenden Erkrankung ab. Eine der häufigsten Ursachen ist laut des Deutschen Schilddrüsenzentrums der Morbus Basedow. Dies ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem Antikörper produziert, die die Schilddrüse zur übermäßigen Hormonproduktion anregen. Diese Erkrankung betrifft laut MedMedia Verlag Frauen rund zehnmal häufiger als Männer.

Typische Symptome:

  • Übermäßiges Schwitzen

  • Herzrhythmusstörungen

  • Hoher Blutdruck

  • Durchfall und Gewichtsverlust

  • Schlafstörungen

  • Nervosität

  • Störungen im Zyklus der Frau

  • Stimmungsschwankungen

  • Erschöpfung und Konzentrationsschwächen

  • Haarausfall

Laut dem Deutschen Schilddrüsenzentrum müssen nicht bedingt alle Symptome gleichzeitig auftreten. Die Schwere und die Anzahl der Symptomatik ist oft verschieden. Eins steht jedoch fest: Je länger die Schilddrüsenüberfunktion unbehandelt besteht desto schlimmer können die Symptome werden.

Mögliche Behandlungen einer Schilddrüsenüberfunktion:

  • Reduzierte Jodaufnahme: In erster Linie sollte in der Ernährung für eine reduzierte Jodaufnahme gesorgt werden. Jod ist ein essenzieller Baustein für die Produktion der Schilddrüsenhormone. Wenn die Schilddrüse bereits überaktiv ist, kann eine zusätzliche Jodzufuhr die Hormonproduktion noch weiter ankurbeln und die Symptome verschlimmern. Besonders bei einer Schilddrüsenautonomie, bei der einzelne Areale der Schilddrüse unkontrolliert Hormone produzieren, kann laut Deutschem Schilddrüsenzentrum eine Reduktion der Jodzufuhr helfen, die Überfunktion nicht weiter zu verstärken. „Verbotene“, jodreiche Lebensmittel: Meeresfrüchte, Algen, Seefisch

  • Medikamente: Eine der häufigsten Behandlungsmethoden ist die medikamentöse Therapie mit sogenannten Thyreostatika wie Thiamazol, Carbimazol oder Propylthiouracil. Laut des Deutschen Schilddrüsenzentrums hemmen diese gezielt die Produktion von Schilddrüsenhormonen, indem sie ein wichtiges Enzym blockieren, das für die Hormonbildung verantwortlich ist.

  • Radiojodtherapie: Hierbei wird eine Kapsel mit radioaktivem Jod eingenommen, das sich gezielt in der überaktiven Schilddrüse anreichert und das überschüssige Gewebe zerstört. Laut Deutschem Schilddrüsenzentrum profitieren besonders Patienten mit Morbus Basedow oder einer Schilddrüsenautonomie davon.

  • Was hilft noch? Entspannungsmethoden, wie Yoga, Meditation und Atemtechniken, können helfen, die Schilddrüsenüberfunktion zu verbessern. Kommt es zu Herz-Kreislauf-Problemen, können laut Deutschem Schilddrüsenzentrum Beta-Blocker helfen, das Herzrasen und Zittern zu verringern.

Schilddrüsenunterfunktion - Ursachen, Symptome und Behandlung

Ursachen einer Schilddrüsenunterfunktion:

Bei den Ursachen einer Unterfunktion der Schilddrüse unterscheidet man zwischen den angeborenen und erworbenen: Vererbt werden kann eine Schilddrüsenunterfunktion durch genetische Defekte, die die normale Funktionsweise der Drüse beeinträchtigen. In den meisten Fällen liegt die Ursache laut des Deutschen Schilddrüsenzentrums jedoch in der Schilddrüse selbst. Eine der häufigsten Ursachen ist die Hashimoto-Thyreoiditis, eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Schilddrüse angreift. Auch Jodmangel kann die Hormonproduktion beeinträchtigen und eine Unterfunktion verursachen, besonders in Regionen mit niedriger Jodzufuhr.

Typische Symptome:

  • Haarausfall

  • Heiserkeit

  • Kälteempfindlichkeit

  • Starke Müdigkeit und Depressionen

  • Konzentrationsstörungen

  • Verstopfung und Gewichtszunahme

  • Schwellungen im Gesichtsbereich

Behandlungsmöglichkeiten einer Schilddrüsenunterfunktion:

  • Reichhaltige Jodaufnahme: Entgegengesetzt zur jodarmen Ernährung bei einer Schilddrüsenüberfunktion sollten laut Deutschem Schilddrüsenzentrum bei einer Unterfunktion besonders jodreiche Lebensmittel zu sich genommen werden. Eine ausreichende Zufuhr von Jod kann die Schilddrüse dabei unterstützen, die Hormone in ausreichender Menge zu produzieren und ihre Funktion zu normalisieren.

    • Empfohlene, jodreiche Lebensmittel: Meeresfrüchte, Algen, Seefisch

  • Medikamente: Die Standardbehandlung einer Schilddrüsenunterfunktion besteht in der Einnahme von synthetischem Schilddrüsenhormon, hauptsächlich Levothyroxin (T4). Dieses Hormon ersetzt das fehlende natürliche Hormon, das die Schilddrüse nicht mehr ausreichend produzieren kann. Laut des Deutschen Schilddrüsenzentrums gibt es i. d. R. keinerlei Nebenwirkungen, die bei einer richtigen, medikamentösen Behandlung einhergehen.

3 Gründe warum Frauen häufiger Schilddrüsenerkrankungen haben als Männer

Insbesondere Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer. Laut einer Auswertung der Barmer Krankenkasse sind in Hamburg 11,7  Prozent der Frauen wegen einer Schilddrüsenunterfunktion in ärztlicher Behandlung, während es bei Männern nur 2,9  Prozent sind. Auch eine Schilddrüsenüberfunktion tritt bei Frauen mit 2,6 Prozent deutlich häufiger auf als bei Männern, die unter 1  Prozent liegen. Doch woran kann das liegen?

  1. Hormonelle Unterschiede: Der wichtigste Grund für die höhere Häufigkeit von Schilddrüsenerkrankungen bei Frauen scheint in den hormonellen Unterschieden zwischen Männern und Frauen zu liegen. Frauen haben während ihres Lebens verschiedene Phasen, in denen der Hormonhaushalt schwankt – während der Menstruation, der Schwangerschaft und den Wechseljahren. Diese hormonellen Schwankungen können laut Barmer Krankenkasse das Immunsystem beeinflussen und das Risiko für Autoimmunerkrankungen, wie die Hashimoto-Thyreoiditis, erhöhen.

  2. Autoimmunerkrankungen: Laut Prof. Dr. Roland Gärtner, Facharzt für Endokrinologie, sind Frauen generell häufiger von Autoimmunerkrankungen betroffen, bei denen das Immunsystem körpereigenes Gewebe angreift. Die Ursache dafür ist laut der aktuellen Forschung bisher nicht eindeutig, jedoch wird vermutet, dass genetische Faktoren zusammen mit hormonellen Einflüssen eine Rolle spielen.

  3. Erhöhtes Risiko während der Schwangerschaft: Während der Schwangerschaft durchläuft der Körper hormonelle Anpassungen, die die Schilddrüse beeinflussen können. Eine prospektive Studie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf hat ergeben, dass von den 349 Frauen, die während einer Sterilitätsbehandlung schwanger wurden, etwa 26 Prozent eine Schilddrüsenfunktionsstörung entwickelten.

 
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