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Motorsport: Warum Alexander Hin raus aus der Komfortzone will
Das Abersfelder Rennsport-Team von Uwe Lang setzt in der Corona-Saison verstärkt auf kontinentale Rennen. Warum sich der Rennstall und sein Spitzenfahrer perfekt ergänzen.
Die einzigen deutschen Vertreter bim European Hillclimb-Masters im portugiesischen Braga waren (von links) Georg Lang, Alexander Hin und Erwin Buck.
Foto: Joachim Oswald | Die einzigen deutschen Vertreter bim European Hillclimb-Masters im portugiesischen Braga waren (von links) Georg Lang, Alexander Hin und Erwin Buck.
Hartmut Hess
 |  aktualisiert: 25.12.2021 02:24 Uhr

Der Schweinfurter Uwe Lang war als vierfacher Deutscher Bergmeister ein Meister seines Fachs, jetzt fungiert er als Teamchef seines Motorsportteams Lang und dirigiert seinen Sohn Georg sowie den Elzacher Alexander Hin in die Erfolgsspur. "Der Uwe ist unser Teamchef, Renningenieur und Strategiechef", sagt Georg Lang schmunzelnd über seinen Vater, der sich mit einer Firmenhalle im Schonunger Ortsteil Abersfeld beste Voraussetzungen für sein Nebenerwerbs-Engagement geschaffen hat.

Obwohl es in diesem Jahr in Osnabrück nur ein einziges Rennen zur Deutschen Automobil-Bergrennmeisterschaft auf deutschem Boden gab, bestritt das Team Lang dieses Jahr zumindest sechs Rennen – und das mit Erfolg. Alexander Hin gewann das zweithöchste Championat in Deutschland, den DMSB-Automobil-Berg-Cup für Sportwagen. Direkt hinter ihm holte sich Georg Lang die Vizemeisterschaft.

Alexander Hin holte sich in seinem Osella PA 30 den nationalen Sportwagen-Cup und war beim European Hillclimb-Masters in Braga bester Fahrer aus dem deutschsprachigen Raum.
Foto: Joachim Oswald | Alexander Hin holte sich in seinem Osella PA 30 den nationalen Sportwagen-Cup und war beim European Hillclimb-Masters in Braga bester Fahrer aus dem deutschsprachigen Raum.

Das war für den Breisgauer Hin freilich nur eine Pflichtaufgabe, pilotiert er doch mit dem Osella PA 30, der nur 580 Kilogramm wiegt und 520 PS aus einem Zytek-V8-Aggregat schöpft, den mit Abstand besten Boliden eines deutschen Fahrers. "Uns fehlt wegen den Corona-Beschränkungen die Fahrpraxis," begründet Uwe Lang die Strategie, heuer fünf Rennen in Nachbarländern bestritten zu haben.

"Das österreichische Rennen in St. Agatha war für mich das wichtigste und schönste Rennen in diesem Jahr", resümiert Alexander Hin. Der 52-Jährige fuhr in St. Agatha Gesamtrang zwei heraus – und das pro Lauf nur 1,5 Sekunden hinter dem italienischen Europameister Christian Merli. Nicht nur deshalb will der Hausbau-Profi im kommenden Jahr nicht nur im deutschen Rennkalender, sondern auch bei mehreren Läufen zur Europa-Bergmeisterschaft mitmischen.

"Wenn ich nur in Deutschland fahre, habe ich keine Gegner, das bringt mich nicht weiter."
Alexander Hin, Automobilrennfahrer

"Wenn ich nur in Deutschland fahre, habe ich keine Gegner, das bringt mich nicht weiter", sagt Hin und richtet deswegen seinen Blick auf das kontinentale Championat. In zwei bis drei Jahren will er voll bei der EM angreifen, bis dahin beruflich die Weichen stellen, dank der Kompetenz von Uwe Lang mit dem Fahrwerk und Aerodynamik sowie mit Erfahrungen auf neuen Strecken auf dem Kontinent Fortschritte machen. "Ich muss dann raus aus der Komfortzone, mich noch mehr mit Fliehkräften auseinandersetzen und an die Grenzen gehen", weiß Hin um seine Aufgabe.

Noch mehr Geschmack auf höhere Sphären machte ihm das FIA Hill Climb Masters 2021 im portugiesischen Braga vor geschätzten 100 000 Rennsportfans. Dort faszinierte ihn der heiße Kampf um Zehntelsekunden auf höchstem Niveau. "Alex muss noch mehr Konstanz gewinnen", lautet die Hausaufgabe von Teamchef Uwe Lang. Die Konstellation des Teams mit Vollservice und der begabte Pilot Alexander Hin ergänzten sich wunderbar, "das ergibt für alle eine Win-Win-Situation", konstatiert Georg Lang.

Noch ein paar PS rauskitzeln

Im Sog von Alexander Hin zeigte auch Georg Lang ansprechende Leistungen. Der 30-jährige Sennfelder war in Osnabrück und St. Agatha jeweils Zweitschnellster. In Agatha verbesserte er seine persönliche Bestzeit in seinem Formel Renault Evo um drei Sekunden und hofft, dass der Motorentuner RPM aus Hesselbach noch einige Pferdestärken aus dem Zwei-Liter-Motor herauskitzeln kann, um die Leistung von aktuell 240 PS noch zu steigern. Denn er möchte kommendes Jahr mehrere Rennen zum FIA-Hill-Climb-Cup fahren und damit noch mehr internationale Luft schnuppern.

"Da wäre es natürlich hilfreich, wenn sich ein Hauptsponsor für mich finden würde", bemerkt Georg Lang. Derweil juckt es seinen Vater wieder. Wenn es möglich ist, will er seinen Osella PA 20S wieder einmal aus der Garage in Abersfeld holen und beim Hauensteinrennen in der Rhön nach vier Jahren ein partielles Comeback feiern.

Georg Lang überzeugte heuer in seinem Formel 3-Renner mit konstant guten Leistungen.
Foto: Joachim Oswald | Georg Lang überzeugte heuer in seinem Formel 3-Renner mit konstant guten Leistungen.

Aber dafür gilt es, personell alles unter einen Hut zu bringen, "denn um vier Autos und Fahrer zu betreuen, brauchst du zehn Mechaniker, das sprengt eigentlich die Kapazitäten unseres Teams", gibt Uwe Lang zu bedenken. Zudem hat er noch Fahrwerksarbeit am Norma F 20 des Dillenburgers Bernd Simon und am Osella PA 20 des Pinnebergers Bernd Eiermann zu verrichten.

Ist sein eigenes Comeback noch nicht fix, so ist aber davon auszugehen, dass Alexander Hins Sohn Benjamin Noll fleißig die Berge hochjagen wird. "Das macht Freude, den Junior seine erste Schritte im Automobilrennsport machen zu sehen", verrät Hin. Der 18-jährige Noll fuhr bislang nur im Kartslalom, ehe er in St. Agatha seine Premiere in einem Formel Renault in der gleichen Klasse wie Georg Lang feiern durfte. "Uwe Lang und sein Team sind mit ihrer Erfahrung die Richtigen, um Benjamin an den Bergrennsport heranzuführen", findet Alexander Hin.

 
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