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Glosse
Kuriose Panne beim Handball: Wer hat an der Uhr gedreht?
In Eisenach zeigt die Uhr plötzlich eine andere Zeit an. Das ärgert den Verlierer aus Leipzig, der noch ein Tor erzielt hätte. Dass sechs Sekunden fehlen, wirft noch ganz andere Fragen auf.
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Foto: Sebastian Kahnert, dpa | An der Uhr zu drehen, kann angebracht sein - beispielsweise bei der Zeitumstellung.
Johannes Graf
 |  aktualisiert: 11.03.2024 09:42 Uhr

Ticktack. Ticktack. Kennen die Profisportlerin und der -sportler. Den unnachgiebigen Kampf gegen die Uhr. Im Sport geht es um höher und weiter, oft aber auch um schneller. In einem Zeitraum das Maximum herauszuholen, darauf basiert ihr Berufsmodell. Alternativ sollte der Zeiger möglichst wenige Kreise drehen, ehe das Ziel erreicht ist. Wobei Zeit nicht gleich Zeit ist. Wer sich mit 130 Sachen auf zwei Brettern vereiste Pisten hinabstürzt, für den sind Hundertstel eine Ewigkeit. Der Marathonläufer orientiert sich an Stunden, während der 100-Meter-Sprinter seine Arbeit innerhalb von zehn Sekunden verrichtet. 

Auch in einem mittlerweile fast hundertminütigen Fußballspiel lässt sich in Sekundenschnelle etwas bewegen. Vor drei Jahren hat der Portugiese Rafael Leao sechs Sekunden nach Anpfiff einen Treffer für den AC Milan erzielt. Schneller war in der Serie A bislang niemand. Wobei die Fußballer sich sonst reichlich Zeit lassen. 55 Minuten beträgt die Nettospielzeit einer Bundesligapartie im Schnitt, der Rest wird mit Herumliegen, Debattieren, Ballblockieren, Stutzen hochziehen oder Zeitlupenstudium des Schiedsrichters verbracht. Weitaus ehrlicher wirkt da der Handball, der vollbringt, was sich der Mensch mitunter wünscht: Im Spiel steht die Zeit manchmal still. Oder auch nicht, wie ein Bundesligaspiel jüngst bewies. 

Ticken in Eisenach die Uhren anders?

In Eisenach nahmen die Leipziger nach 58:49 Minuten eine Auszeit, bei der Fortsetzung des Spiels stand die Uhr aber offenbar plötzlich bei 58:55 Minuten. Leipzig gelang mit dem letzten Angriff noch der Ausgleich zum vermeintlichen 25:25. Doch weil dieser ganz kurz nach der Schlusssirene fiel, zählte er nicht mehr. Leipzigs Manager Karsten Günther drehte wegen zu weniger Umdrehungen zwar nicht durch, tickte aber dann doch ein wenig aus. "Ein Handballspiel geht 60 Minuten. Nettospielzeit. Das Spiel am Freitag hat nur 59:54 Minuten angedauert. Es haben sechs Sekunden gefehlt", so Günther. Die Partie jedenfalls hat ein Nachspiel und geht in die Verlängerung. Leipzig hat Protest eingelegt.

Nicht nur pink-panthersche Fragen drängen sich auf (Wer hat an der Uhr gedreht? Ist es wirklich schon so spät?), sondern auch weitere: Gehen in Eisenach die Uhren anders? Ist das die Perfektion des Zeitspiels? Verordnet die Handballliga den Eisenachern jetzt Zeitmanagement-Seminare? Oder stecken gar die mysteriösen grauen Männer dahinter, die schon Momo die Zeit stehlen wollten?

Antworten darauf sind letztlich nur eine Frage der Zeit. 

 
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