
"Eine Städtepartnerschaft wie unsere ist heute wichtiger als jemals zuvor, vor allem in Zeiten wie diesen", war die Kernaussage von Bürgermeister Erigo Pecci aus Höchbergs Partnerstadt Bastia Umbra. Anlass war die erneute Teilnahme der Werbegemeinschaft Höchberg an der größten Landwirtschaftsmesse Norditaliens, der Agri Umbria. Hier vertraten die Gewerbetreibenden bereits zum 26. Mal die Höchberger Farben.
"Über die vielen Jahre sind echte Freundschaften entstanden, die weit über die Gewerbetätigkeit hinausgehen", argumentierte Tina Wiesen, die Vorsitzende der Werbegemeinschaft Höchberg, beim gemeinschaftlichen Abschlussessen, zu dem die Werbegemeinschaft Vertreter der Stadtverwaltung, des dortigen Partnerschaftsvereins "Bastia Gemmelaggi" mit ihrer umtriebigen Vorsitzenden Monia Minciarelli und ihre Kollegen und Kolleginnen der Confcommercio Bastia Umbra, dem Gegenstück der Höchberger Gewerbetreibenden, eingeladen hatte.
Vorausgegangen waren fünf intensive Tage mit Messedienst und dem Austausch der Menschen untereinander. Auf diesen Punkt wird immer wieder Wert gelegt, denn viele Probleme, die die Geschäftsleute in Höchberg beziehungsweise in Deutschland allgemein haben, haben auch die italienischen Partner und Freunde. So bespricht man, wie man dem veränderten Einkaufsverhalten der Kunden und Kundinnen standhalten kann oder ob auch neue gemeinsame Strategien zum Erfolg führen können.

Ein weiterer Fokus liegt von Anbeginn der Fahrten der Höchberger und Höchbergerinnen auf dem Messestand auf der Landwirtschaftsmesse. Hier bietet man fränkische Spezialitäten an und will so die Menschen in Italien zu einem Besuch in Höchberg animieren. Einige Menschen kommen extra wegen des fränkischen Brotes, das jedes Jahr angeboten wird, an den Stand. Das schmeckt würzig im Gegensatz zu den örtlichen Produkten, die überwiegend ohne Salz hergestellt werden – ein Relikt aus dem Salzkrieg des Papstes im Mittelalter. Auch fränkisches Bier ist sehr beliebt, kennen doch viele Italiener und Italienerinnen das Oktoberfest in München und den dortigen Gerstensaft.
Schnell kommt man mit den Menschen auf der Messe ins Gespräch. Das gelingt besonders gut, wenn man die Sprache des jeweils anderen spricht, wobei hier natürlich Italienisch im Vordergrund steht. Zum Glück haben einige Mitglieder der Werbegemeinschaft ihre Italienischkenntnisse über die Jahre verbessert, wie die beiden Hauptorganisatoren Tina Wiesen und Michael Müller. So fällt das Kommunizieren leichter. Wobei man bei den jüngeren Menschen merkt, dass Englisch die gemeinsame Verbindungssprache ist.
Der Austausch setzt sich auch am Abend fort, wenn die Höchberger und Höchbergerinnen mit den verschiedenen Gruppen in den "Centri Sociali" gemeinsam essen und sich unterhalten. Egal, ob die "Gruppo Giovanile di Costano", die erst an Fasching mit einer Abordnung in Höchberg war, oder die Menschen im Stadtteil Campiglione, überall wird man freundlich aufgenommen und fühlt sich gleich integriert. Da werden Geschichten aus der Anfangszeit der Partnerschaft vor mittlerweile 35 Jahren erzählt, meist von Zeitzeugen, wie den ehemaligen Bürgermeistern Francesco Lombardi, Vannio Brozzi oder Stefano Ansideri, der derzeit bei der Messegesellschaft den Vorsitz hat. Aber auch die Höchberger können da mithalten. Viele der Geschäftsleute sind seit vielen Jahren in der Städtepartnerschaft engagiert und fahren auch außerhalb der offiziellen Treffen zu ihren Freunden nach Italien.
Bürgermeister Pecci und auch der Vorsitzende der Confcommercio Bastia Umbra, Marco Montecucco, hoffen weiterhin auf einen guten Austausch, selbst wenn sich die Rahmenbedingungen verändern sollten. Denn die Menschen an der Basis sind das wahre Bild Europas und nicht die Politiker und Politikerinnen, das wurde auch dieses Jahr wieder sichtbar.
