Viel Fachjargon und Paragrafen flatterten dem Gemeinderat auf den Tisch, als es darum ging, dass die Deutsche Bahn in einem Planfeststellungsverfahren die Eisenbahnüberführung in Prosselsheim "auflässt".
Zunächst musste der Begriff "Auflassung" den neuen Räten verdeutlicht werden. Damit sei nicht das Auflassen, wie beispielsweise einer Tür gemeint. Vielmehr sei mit "Auflassen" im Amtsdeutsch das Wegfallen einer Sache gemeint. Das sorgte im Rat für leichte Irritationen.
In diesem Verfahren werde das Bauwerk bis 1,70 Meter unter der Schienenoberkante zurückgebaut. Der Feldweg, der unter der Eisenbahnüberführung durchführt, ende in einer Art Sackgasse, es komme zu einem vollständigen Lückenschluss im Bahndamm.
Nachdem der Rat schon mehrfach über dieses Thema negativ entschieden hatte, machte Bürgermeisterin Birgit Börger in Anlehnung an das geplante Vorhaben den Räten einen Beschlussvorschlag, der der Deutschen Bahn mitgeteilt werden solle: "Die Gemeinde Prosselsheim lehnt das Vorhaben der Deutschen Bahn zur Auflassung der Eisenbahnüberführung in der Gemeinde Prosselsheim bei Kilometer 82,180 Strecke 5102, Bamberg – Rottendorf ab."
Zudem planen die Gemeinden Oberpleichfeld und Prosselsheim den Ausbau eines gemeinsamen Fuß- und Radweges von Oberpleichfeld zum Bahnhof Seligenstadt. Der Ausbau soll das Ziel haben, dass Pendler, die die Bahnverbindungen ab Anschluss Seligenstadt nutzen möchten, diesen Anschlusspunkt mit dem Fahrrad oder zu Fuß ohne Gefahr erreichen können.
Die bereits bestehenden Flurwege, die teils mit wassergebundener Decke, teils in Gründecke ausgebaut sind, werden nach den Erkenntnissen der Gemeinden bereits jetzt gut genutzt.
Soweit die Deutsche Bahn die Bahnüberführung schließen würde, müssten die Fußgänger und Radfahrer auf die Kreisstraße Wü5 und die Staatsstraße 2260 ausweichen, was ein erhöhtes Unfallrisiko bedeute.
In diesen Bereichen seien keine durchgehenden Möglichkeiten für einen gemeinsamen Fuß- und Radweg von Oberpleichfeld zum Bahnhof nach Seligenstadt gegeben. In jeder alternativen Ausbauvariante müsse die Staatstraße 2260 gekreuzt werden.
Die Bundesrepublik als Anteilseigner der Deutschen Bahn möchte Bahnfahren attraktiver machen, der Bahnverkehr solle ausgebaut werden. Das bedeute aber auch, dass die Nutzung der Bahninfrastruktur für die Kunden attraktiv sei. Diese Transformation der Verkehrsstrukturen könne nur gelingen, wenn alle Beteiligten in eine Richtung agieren. Hierbei seien Bund, Länder und Kommunen ebenso gefordert wie die Akteure der Wirtschaft, insbesondere die Deutsche Bahn selbst, hieß es im Rat.
Bei einer Schließung der Überführung müssten auch Landwirte weitere Wege zum Anfahren der Äcker in Kauf zu nehmen. Das erhöhe die Kosten und belaste durch höhere Emissionen der Maschinen die Umwelt.
Es bliebe festzustellen, hieß es weiter im Rat, dass das Schließen der Bahnunterführung für alle Beteiligten ein Verlust wäre und eigenen kommunalen Belangen der Planfeststellung der Bahn entgegenstünde.
Der Gemeinderat zeigte sich etwas entnervt, dass bisher die Bahn in keiner Weise auf dessen Beschlüsse und die interkommunalen Ausbaupläne reagiert habe. Der Rat stimmte dem Beschlussvorschlag der Bürgermeisterin einstimmig zu.