Es war im Januar 2004, als die alteingesessene Bäckerei Götz Margetshöchheim verließ und in die neuen Produktionshallen im Waldbüttelbrunner Gewerbegebiet einzog. Mit Abschluss dieses Kapitels der Firmengeschichte im Maintal fielen das Gelände und die Gebäude dort in einen zwölfjährigen Dornröschenschlaf im Schatten der Eisenbahnbrücke. Nun erst schaffen Bagger und Raupen vollendete Tatsachen. Sie machen das Areal fast vollständig dem Erdboden gleich.
Die Geschichte der Bäckerei Götz beginnt 1891 in der Margetshöchheimer Hauptstraße. Dort, wo heute die Metzgerei Holz steht, gründete „Stammvater“ Michel Vitus Götz seine Bäckerei – wie seinerzeit üblich mit Gaststätte. Bereits zehn Jahre später errichtete er auf dem Nachbargrundstück eine neue Bäckerei mit einem Lebensmittelgeschäft und verkaufte die Wirtschaft „Zur Rose“ an Georg Victor Lutz.
Sohn Emil (1998 – 1975) lernte das Bäckerhandwerk im Familienbetrieb, den er mit seiner Frau Margarete 1924 von den Eltern pachtete. Aufgrund steigender Nachfrage nach seinen Produkten wurde die Backstube offensichtlich bald zu klein. Die Kapazität eines sogenannten „Doppelauszugsofens“ betrug seinerzeit 160 Drei-Pfund-Brote pro Stunde.
Mehr zum Thema : Abrissbagger auf dem Götz-Gelände
Der junge Unternehmer wagte 1931 einen großen Schritt und errichtete „in der Prärie“ zwischen Zell und Margetshöchheim einen modernen Betrieb. Zusätzlich musste eine eigene Strom- und Wasserversorgung gebaut werden. Heute ist von der einst offenen Landschaft nicht mehr viel zu sehen. Die beiden Gemeinden sind längst zusammengewachsen. Lediglich die Ortsschilder verraten die Gemeindegrenzen.
Während des Krieges und danach gab es Licht und Schatten für das Unternehmen. Soldaten, Arbeitsdienst und Gefangene mussten mit Brot versorgt werden. Nach der Zerstörung Würzburgs war Götz für viele die einzige Bäckerei weit und breit. 1946 beschlagnahmten die Siegermächte den Betrieb als Heeresbäckerei.
1948 musste Emil Götz deshalb von vorne beginnen; viele seiner Kunden hatten sich neue Lieferanten gesucht. Mit einem Opel P 4 gelang ihm das in relativ kurzer Zeit. Nachfrage und Fuhrpark wuchsen wieder. 1957 verfügte die Großbäckerei über zeitgemäße Backöfen mit einer Stundenleistung von 800 Broten und 18 000 Brötchen. 1970 wurde ein Siloturm errichtet, der rund 100 Tonnen Mehl aufnehmen konnte.
1971 war ein wichtiges Jahr für den Fortbestand des Familienunternehmens. Emil Götz wandelte seinen Betrieb in eine Kommanditgesellschaft um. Die Götz-Brüder Karlheinz, Emil und Jürgen traten als Gesellschafter ein. Karlheinz Götz übernahm als Geschäftsführer und Kommanditist die Leitung. Im gleichen Jahr wurde die Konsum-Bäckerei in Würzburg erworben und die Produktpalette auf Kuchen, Torten und Feingebäck erweitert.
Nach umfangreichen Erweiterungen im Stammhaus wurde die Würzburger Produktion 1975/76 nach Margetshöchheim verlegt. 1981 eröffnete Götz-Brot seine erste Filiale in Würzburg. Fünf Jahre später trat Wolfgang Götz in die KG ein. Er leitet das Unternehmen in der vierten Generation.
Die Firma wuchs beständig. 1992 hatte Götz-Brot einen Fuhrpark von 31 Verkaufsfahrzeugen, mit denen die Kundschaft im Umkreis von 100 Kilometern beliefert wurde. Die Götz-Brot KG mit Sitz im Gewerbegebiet Waldbüttelbrunn an der Hettstadter Steige verfügt laut Internet jetzt über 40 Kiliansbäck-Cafés und Back-Shops in Unterfranken und dem benachbarten Baden-Württemberg.
Die Informationen sind einer Chronik von 1983 entnommen: „Margetshöchheim am Main – In Bildern und Geschichten von gestern“ von Günter Stock und dem Orts-Chronisten Werner Lennemann, der übrigens ein Enkel des Firmengründers Michael Vitus Götz ist. Auszüge aus einer Broschüre mit einem Beitrag „100 Jahre Götz-Brot“ stammen teilweise ebenfalls aus Lennemanns Feder, der auch die Fotos aus seinem privaten Archiv zur Verfügung stellte.