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Herrnberchtheim
Untersuchungen zeigen: Ippsi ist kein Ippesheimer
Professor Wolfram Schier brachte Ippsi zurück nach Ippesheim. Das Bild zeigt (von links) Leonhard Reizlein, Wolfram Schier, Karl Schmidt sowie Christina Alt und Tommy Neumeister (beide Arbeitskreis 1200 Jahre Ippesheim).
Foto: Gerhard Krämer | Professor Wolfram Schier brachte Ippsi zurück nach Ippesheim. Das Bild zeigt (von links) Leonhard Reizlein, Wolfram Schier, Karl Schmidt sowie Christina Alt und Tommy Neumeister (beide Arbeitskreis 1200 Jahre Ippesheim).
Gerhard Krämer
 |  aktualisiert: 29.03.2025 02:34 Uhr

Als es gerüchteweise geheißen hatte, Ippsi kommt nicht wieder, kam leichte Unruhe auf. Doch Professor Wolfram Schier hatte den Schädel, gut verpackt, zu seinem Vortrag über die Kreisgrabenanlage samt neuen Erkenntnissen dabei.

Das große Interesse am Vortrag zum Thema "Arena, Kultplatz oder Kalenderbau?" bewies ein voller Saal des Dorfgemeinschaftshauses in Herrnberchtheim. Schier gab viele Informationen aus 25 Jahren Forschung, die mittlerweile in einem 530 Seiten starken Buch publiziert wurden. Es sei selten, dass man mit einem archäologischen Thema so auf das Interesse der Bevölkerung stoße, sagte Schier.

Untersuchungen zeigen: Ippsi war doch keine Frau

Im Uffenheimer Heimatmuseum, das einen eigenen Raum für das Neolithikum geschaffen hat und das bereits eine Replik beherbergt, soll nach den Worten von Christina Alt vom Arbeitskreis 1200 Jahre Ippesheim auch das Original seinen Platz finden.

Hatte zwischenzeitlich Ippsi als Frau gegolten, sind Wissenschaftler nach neueren Untersuchungen zu der Ansicht gelangt, dass es sich um einen Mann handelt. Allerdings sei es mit der DNA-Auswertung schwierig, weil zu viel Fremdmaterial dabei ist.

Ippsi sei eines der ältesten Individuen aus Franken. Es gebe in Nordbayern nicht so wahnsinnig viele Menschen aus dieser Zeit, insofern sei es ein wichtiges Stück kulturelles Erbe. Schier übergab mit diesen Worten den Karton mit dem bedeutenden Inhalt an Bürgermeister Karl Schmidt. Der fand vor allem Dankesworte für Leonhard Reizlein, auf dessen Acker der Fund gemacht wurde und der mit dazu beigetragen hatte, dass Ippsi in der Region bleibt.

Der Schädel – hier ein Foto, das bei der Freilegung im Labor des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, Außenstelle Würzburg, im Jahr 2002 entstand – ist mittlerweile mit modernsten Methoden untersucht worden.
Foto: Rita Beigel | Der Schädel – hier ein Foto, das bei der Freilegung im Labor des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, Außenstelle Würzburg, im Jahr 2002 entstand – ist mittlerweile mit modernsten Methoden untersucht worden.

Ippsi ist kopfüber, völlig untypisch, aber würdig bestattet worden, wahrscheinlich in der Zeit 4711 bis 4652 vor Christus, einer Zeit also, in der die Kreisgrabenanlage nicht mehr in Gebrauch war. Strontium-Untersuchungen der Zähne belegen, dass Ippsi nicht in Ippesheim, im Lössgebiet, geboren wurde. Er könnte aber aus der umgebenden Keuper-Landschaft stammen, möglicherweise sei er ein später Wildbeuter gewesen. "Ippsi ist ein Zugereister." Auch hatte er laut Schier keine bäuerliche Kindheit, die Ernährung könnte aus Fisch bestanden haben. Das erkläre auch, dass Ippsi älter datiert werde als die in der Grube liegenden Schweineknochen und das Gefäß. Das sei bei Ernährung mit Fischen bekannt.

Kreisgrabenanlagen seien ein mitteleuropäisches Phänomen. Im Maindreieck liegt das Zentrum des Mittelneolithikums, die erste Hälfte des fünften Jahrtausends vor Christus, im Bereich um Dettelbach im Landkreis Kitzingen, Ippesheim liege an der westlichen Peripherie. Vier Grabungskampagnen – 1998, 2000, 2002 und 2004 – habe es gegeben, nachdem ein Luftbild und insbesondere eine Magnetprospektion Hinweise auf die Kreisgrabenanlage gegeben hatten.

Was die Sonne mit der Ausrichtung der Anlage zu tun hat

Die Auswertungen hätten ergeben, dass es Umbaumaßnahmen an der Anlage gegeben habe. Toren seien verengt beziehungsweise erweitert worden. Es gebe Ausrichtungen, die sich auffällig auf die Sonnenaufgangspunkte zur Sommer- und zur Wintersonnenwende, ebenso auf den Sonnenuntergang zu den Tag- und Nachtgleichen beziehen. Ebenfalls gebe es Bezüge zu Landmarken wie dem Bullenheimer Berg.

Dokumentiert seien auch kleine Stücke von verbranntem Lehm, die in Gräben oder einem Grubenkomplex gefunden worden seien. Die Stücke enthalten Abdrücke von den Hölzern, auf denen sie einst aufgebracht waren. Es handele sich um Rutenabdrücke und nicht die von der Palisade. Deswegen vermutet Schier, dass im Inneren der Anlage doch irgendwelche Gebäude gegeben haben müsse.

Die Gedanken über die Astronomie hätten dazu geführt, dass man vielleicht in die Anlage hineinschauen müsse. Die hineinscheinende Sonne verursache ein kurzes, aber gewaltiges Lichtspektakel im Inneren. Mit der Konstruktion, bei der das Nord-West-Tor wesentlich aufwändiger gestaltet war, hätten die Leute eine Art Naturtheater gebaut. Eine Anlage, in der an diesen bestimmten Tagen etwas stattfinde. Allerdings gebe es auch zu Sternen Bezüge, wie den Gürtelsternen des Orions. So habe das Süd-West-Tor eine astronomische Bedeutung, ist sich Schier nach Vergleichen mit anderen Anlagen sicher.

War die Anlage eine Ritualarena?

Auch mit dem Alter der Anlage habe man sich intensiv beschäftigt. Dabei seien Tierknochen untersucht worden. Die ältesten Grabenfüllungen finden sich rechts und links vom Nordwesttor, die am gegenüberliegenden Tor sind jünger. Zudem: Der Grubenkomplex ist jünger als die gesamte Kreisgrabenanlage. Zwischen 4841 bis 4805 vor Christus habe wahrscheinlich die Verfüllung begonnen, der Grubenkomplex wohl erst zwischen 4711 bis 4685. Auch wurde später das Nordosttor das Haupttor.

Nach derzeitigen Erkenntnissen diente die Anlage weder als Fluchtburg, Kalenderbau oder Sonnenobservatorium. Viel wahrscheinlicher ist laut Schier eine Ritualarena. Die Ausrichtung der Tore diente wahrscheinlich dazu, Beleuchtungseffekte zu inszenieren. Die Anlage sei über mehrere Generationen in Gebrauch gewesen, es habe Phasen der Instandsetzung ebenso Phasen der Vernachlässigung gegeben.

 
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