
Alles, was es für die Handlung von "Sherlock Holmes und der Tod des Bayernkönigs" im Theater Sommerhaus in Winterhausen braucht, sind zwei große Koffer, vier schwungvolle Schauspieler (plus eine Komparsin), die während der knapp zweistündigen Vorstellung hindurch das hohe sprachliche Tempo halten können. Ein Premierenbesuch.
Den brillanten, unverkennbar mit Pfeife, Trenchcoat und Hut ausgestatteten Detektiv mimt Heiko Schnierer, Thomas Mangold seinen Stock schwingenden Partner Dr. Watson. Brigitte Obermeier und Raoul Miglosi wiederum sind die zwei, die behände Kostüme wechseln und in diverse Rollen schlüpfen. Wer mitzählt, kommt wohl auf über zwei Dutzend.
Was nun haben das englische Superhirn und sein Freund mit dem Tod des Bayernkönigs zu tun? In der Baker Street taucht – wie von Sherlock Homes vorhergesehen – eine Dame auf und bittet um Hilfe für ihren Verwandten, König Ludwig II. Die Auslöser dafür: unerklärliche Todesfälle beim Transport von in Ägypten gefundenen, nun verschwundenen Artefakten und eine Mumie. Die ist zwar bis in Ludwigs Märchenschloss gelangt, flüstert ihm nun aber jede Nacht auf Bayerisch Dinge zu und droht ihn um Leben und Verstand zu bringen.

Fasziniert von diesem Fall macht sich das Baker-Street-Gespann auf die Reise nach Bayern, schaukelt in Zügen, über die stürmische See, in Kutschen und trifft überall auf die sonderbarsten Gestalten: Schaffner, Mitreisende, Brezelverkäufer, Kutscher, Diener, Gärtner, Apotheker, Ordensbrüder, Abgeordnete, Fischer, Leibarzt – und auf den "Kini".
Eine kuriose Szene reiht sich an die nächste voller Anspielungen und ironischer Brechungen. Sprachspiele, Dialektwechsel, die wasserspeiende Amor-Statue, der Knochenmorast, der Auftritt des königlich gewandeten Ludwig: Sie rufen viele Lacher und Szenenapplaus hervor, bevor sich unvermutet eine ernste Note in die Handlung einschiebt.
Das Stück "Sherlock Holmes und der Tod des Bayernkönigs" steht bis 13. April auf dem Spielplan des Theater Sommerhaus. Karten: Tel. (09333) 9049867 oder www.theater-sommerhaus.de