
Fast 20.000 Kilometer, fast 2000 Tage, mehr als 200 Termine war Vanessa Nüßlein als Weinprinzessin für Theilheim unterwegs gewesen. Die Krone legte sie jetzt ab und krönte Robin Henig zu ihrem Nachfolger, indem sie ihm eine Schärpe mit dem Schriftzug "Theilheimer Weinprinz" umlegte.
Eine "Zeitenwende in Theilheim und einen Doppel-Wumms" hatte Christian Deppisch als Vorsitzender des Weinbauvereins launig angekündigt. Nicht nur, dass es für Vanessa Nüßlein, die hier am längsten amtierende Weinprinzessin nach fünf Jahren und fünf Monaten tatsächlich der letzte Abend als Weinprinzessin sein würde, auch für den Weinbauverein Theilheim soll es die wahrscheinlich letzte Veranstaltung gewesen sein. Es steht die Fusion mit dem Obst- und Gartenbauverein an.
Keine Frage: Auch künftig soll es eine Weinhoheit geben
Außer Frage stand, dass der Weinort Theilheim weiter durch eine Weinhoheit repräsentiert werden soll. Mit Robin Henig katapultiert sich der kleine Weinort personell in die Avantgarde, indem er einen der noch seltenen Weinprinzen für das Fränkische Weinland stellt. Die Herausforderung war, bei dem mit Fränkisch wenig vertrauten Google Treffer zu landen. Gebraucht wird nämlich statt der Krone eine "Scherbe" als Insignie. Mit der Autokorrektur sei wenigstens noch ein "Schäufele" vorgeschlagen worden. Mit "Schärpe" habe es geklappt, erzählte Deppisch launig.
Das Selbstbewusstsein und das breite Grinsen, das für Aufmerksamkeit sorgt, hat Robin Henig, der sich vielversprechend als jemand präsentierte, der anpackt und überall dort zu finden sei, wo was los ist – sowie als eines der Gesichter der Katholischen jungen Gemeinde (KJG). Den Wein wolle der 23-Jährige "cooler und moderner" machen. Der Krönungswein war folglich: "Mach’mers grob: ein junger Knabe aus dem Winzerhof Lang, ein Müller-Thurgau, frisch, spritzig, einfach ein geiler Typ".
Dem mit Johlen und Anfeuerungsrufen begrüßten Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik legte Weinkönigin Lisa Lehritter als Antrittsgeschenk das Fachwissen zum Wein als Buch in die Hand. Karoline Ruf zeigte sich nach seiner Antrittsrede in Anspielung auf die anstehende Bürgermeisterwahl "froh, dass du nicht in zwei Wochen kandidierst". Zweite Bürgermeisterin Ruf traute ihm zu, "dass du jemand bist, über den die Fachwelt noch lange sprechen wird".
Über fünf Jahre für Theilheim und den Wein engagiert
Vielmehr dankte sie aber Vanessa Nüßlein für "fünf wahnsinnig engagierte Jahre", in denen sie für den Wein und Theilheim von Schwerin bis Traunstein unterwegs gewesen war. "Was uns sehr stolz macht", spannte sie den Bogen Richtung Wahl der 67. Fränkischen Weinkönigin und Vanessas Bewerbung. 15 Jahre zuvor war sie selbst angetreten. Antonia Kraiß, Mitkonkurrentin und Ehrengast aus dem Kreis der lieb gewordenen Wegbegleiterinnen von Vanessa I., sprach sie deshalb mitfühlenden Trost zu. Dass auch etwas aus einem werden könne, wenn man nur Zweite wird, erklärte sie patriotisch für Theilheim, weil ihr Vanessa "mit einer 50 zu 50 Chance den Rang ablaufen wird".
Auf die Neustarts mit Vanessa als Weinkönigin beziehungsweise den Weinbau in der neuen Formation "Natürlich Theilheim" setzt auch stellvertretender Landrat Alois Fischer mit einen ganz einfachen Argument: "Die Schoppen auf dem Tisch, die schmecken gut!"

Den eher genüsslichen Part der locker-fröhlichen Krönungsfeier hatte Vanessa I. mit ihrer fotografischen Rückschau präsentiert. Viele sportliche Momente stachen heraus: Tanzkurs, Büttenlauf, Bergsteigen, Weinbergswanderungen, Sprint zum Bahnhof und nicht selten die Anreise mit dem Fahrrad. Von ihrem Krönchen verabschiedete sich Vanessa I. voller Dankbarkeit für die "sehr schöne Zeit" mit einem Küsschen, aber ohne große Wehmut. Sie durfte Standing Ovations genießen, als ganz besonders herzlicher und offener Mensch, wie sie ihre Kolleginnen schätzen.
