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Würzburg
Skandalöse Lebensgeschichte einer verführerischen Frau
Drei Frauen, zwölf Rollen: Lena Lerchfeld, Christina Strobel und Alexandra Hofner.
Foto: Markus Rakowsky | Drei Frauen, zwölf Rollen: Lena Lerchfeld, Christina Strobel und Alexandra Hofner.
Sabine Dähn-Siegel
Sabine Dähn-Siegel
 |  aktualisiert: 03.04.2025 02:38 Uhr

Frauen und Sexualität, Macht, Moral, Abhängigkeiten, Gesellschaftskritik – das sind die großen Schlagworte im Leben des Frank Wedekind (1864-1918). Das sind die seinerzeit ungewöhnlichen Themen, um die die Werke des "Bürgerschrecks" und meistgespielten Dramatikers seiner Epoche kreisen. Als anstößig, die Gerichte beschäftigend galt auch die ursprünglich aus den Dramen "Erdgeist" und "Die Büchse der Pandora" bestehende Tragödie "Lulu". Dieses Stück in einer Bearbeitung von Bastian Kraft ist nun in der Theater Werkstatt zu sehen. Unter der Regie von Catharina Hamann und Julia Remy agieren in allen der zwölf Rollen Alexandra Hofner, Christina Strobel, Lena Lerchfeld.

Auf eine Besonderheit gegenüber der "Lulu", wie sie viele Bühnenproduktionen zeigen, verweist der Infoflyer: Er nennt den Namen der Hauptfigur gleich dreifach, entsprechend der Aufteilung der Rolle auf drei gleich gekleidete Lulus. Wie eine Conférencière kündet auch jede der Mitwirkenden dem vermeintlich sensationslüsternen Publikum "Herausforderungen" an: Wer wegen der Aussicht auf unverhüllte Ansicht, auf erotische Darstellungen, grausige Mord- und Schauerepisoden gekommen sei, wird enttäuscht.

Allerdings: Frustrierte Gesichter sind nach dem Premierenabend nicht zu sehen.

Auch in dieser Inszenierung fesselt die nicht naturalistisch erzählte Geschichte der schönen, sexuell enorm anziehenden Frau. Ihre Vita in Kurzform: Aus ärmlichen Verhältnissen stammend, vom Ziehvater zur jungen Dame erzogen, der auch zwei ihrer unglücklichen Ehen einfädelt (Nr. ein mit deutlich älterem Mann, den seine begründete Eifersucht ins Grab bringt; Nr. zwei mit jungem, naivem Maler, der Suizid begeht), bevor Lulu ihn selbst zur Heirat presst und versehentlich erschießt; Flucht, weiterhin wechselnde Liebschaften, Gefängnis, Flucht, … Wer ist dieses Wesen tatsächlich? Kindliche Verführerin oder Opfer von Pädophilie? Femme fatale? Triebhaft Agierende? Monster oder Überlebenskünstlerin? Ständig und bis zur Selbstaufgabe auf der Suche nach Liebe? Ein im Grunde unschuldiges, ausgenutztes Wesen oder kaltblütige Manipulierende? Immer wieder fasst sie ihre Zweifel an sich selbst in Worte: "Ich weiß nicht, ob ich wirklich so bin, wie ich bin, oder ob ich nur so bin, weil Sie mich so sehen wollen", fragt sich "Was verdanke ich eigenem Geschick?", "Was bin ich wert?"

Unbestritten eine tragische Geschichte. Zu Tränen rührt sie nicht. Dafür sorgen skurril komische Kontrasthandlungen, "eingefrorene" Szenen und schnelle, durch wenige Requisiten (Stock, Pinsel, Hut, …) gekennzeichnete Rollenwechsel und die drei Mitwirkenden, die sich den Applaus redlich verdienen.

Auf dem Programm bis 10. Mai. Karten: Tel.: (0931) 59400, www.theater-werkstatt.com

 
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