
Es war ein Abend im Sinne der Stadtbildpflege: Auf der einen Seite die alte, sanierungsbedürftige Pfaffsmühle; auf der anderen Seite ein neuer Entwurf für eine Erhaltungssatzung, die das Gesicht des historischen Ortskerns für kommende Generationen bewahren soll. Und mittendrin: ein engagierter Gemeinderat, zwei Architekten, vier interessierte Gäste – und viele offene Fragen.
"Altbau, Aufbruch, Ausgaben" – die kostspielige Sanierung der Pfaffsmühle
Als erstes dominierte ein altbekanntes Sorgenkind die Tagesordnung: die Sanierung der denkmalgeschützten Pfaffsmühle. Architekt Marcus Nebauer präsentierte einmal mehr die komplexe Gemengelage aus Denkmalschutz, Energieeffizienz, technischen Anforderungen – und die damit verbundenen Kosten. Bereits in der Sitzung vom 25. Februar hatte er verschiedene Sanierungsvarianten vorgestellt. Nun ging es ans Eingemachte: Welche Maßnahmen sind zwingend notwendig und welche optional? Und wie viel Zukunft kann sich die Gemeinde leisten?
Dachstuhl, Fassade, Fenster, Heizung – das ist das Minimum. Geschätzte Kosten: über 700.000 Euro. Wer nachhaltiger denkt, landet schnell bei modernen Energiesystemen: Wärmepumpen statt Gas, Photovoltaik-Anlagen und so weiter. Doch das Komplettpaket (mit PV-Anlage, Wärmepumpen für alle Wohnungen und so weiter) hat seinen Preis: nach Abzug möglicher Förderungen wäre immer noch ein Betrag von mehr als 1 Million Euro selbst zu stemmen.
Wärmepumpe als Schritt in die richtige Richtung
Die Diskussion im Gremium war entsprechend kontrovers. Dirk Wegmann (SPD/Junge Liste Zell) äußerte sich kritisch gegenüber der Wärmepumpe: zu teuer in der Anschaffung, zu hohe Betriebskosten für die Nutzer. Anders sahen das Jessica Hecht (Bündnis 90 / Die Grünen) und Thomas Hetterich (CSU/Freie Zeller Bürger), die Wärmepumpen als wichtigen Schritt in Richtung Klimaneutralität befürworteten. Hetterich brachte es auf den Punkt: "Wir sollten den Weg gehen, der angedacht ist". Am Ende beschloss der Gemeinderat mit zwölf Ja-Stimmen und einer Gegenstimme die Umsetzung des Grundsanierungspakets plus Errichtung einer Wärmepumpe und der Möglichkeit, in ferner Zukunft auch Photovoltaik auf der Pfaffsmühle anbringen zu können.
Historischer Ortskern unter Schutz: Die Erhaltungssatzung kommt
Danach ging es um Zell selbst – genauer: Um das, was Zell architektonisch ausmacht. Yvonne Slanz, Architektin und Stadtplanerin vom Planungsbüro transform, stellte ihren Entwurf für eine Erhaltungssatzung für den historischen Ortskern vor. Diese zeigt das Selbstverständnis der Gemeinde: Zell soll wachsen und sich verändern dürfen – aber mit Respekt vor dem, was war. Dabei geht es um mehr als nur um schöne Fassaden – es geht um das "Gedächtnis des Ortes": um gewachsene Strukturen, Raumfolgen und ähnliches.
Die Satzung soll nicht das Bauen verhindern, sondern lenken. Änderungen an Gebäuden, Rückbauten oder Nutzungsänderungen sind künftig genehmigungspflichtig. Unbedeutende innere Umbauten würden außen vor bleiben. Andreas Feuerbach (CSU/Freie Zeller Bürger) wollte wissen, ob auch Photovoltaikanlagen unter die Satzung fallen. Slanz daraufhin: "Nein, das regelt die Gestaltungssatzung". Diese legt konkrete Vorgaben für die äußere Gestaltung von Gebäuden fest.
Und was ist mit Oberzell?
Offen blieb die Frage nach dem Geltungsbereich der Satzung. Ursprünglich ist dieser auf Mittel- und Unterzell beschränkt. Ratsmitglied Hetterich fragte daher mit Nachdruck, wieso zum Beispiel das Kloster Oberzell außen vor bleibt. Auch der Wunsch, das Wasserwerk, den Eingang des Norbertusheim-Stollens sowie die Hettstadter Steige in den Bereich einzubeziehen, wurde laut. Die Erhaltungssatzung wurde schließlich vom Gemeinderat zwar einstimmig angenommen, jedoch mit der Forderung, besagte Erweiterungen vorzunehmen. Slanz entgegnete hierzu: "Wir nehmen das mit und prüfen, ob es Sinn macht."