
448 Tage zu spät, aber dafür in einem würdigen Ambiente, wurden nun die Höchberger Gemeinderätinnen und Gemeinderäte verabschiedet und ausgezeichnet, die bei der Kommunalwahl 2020 nicht mehr ins Gremium hineingewählt worden waren beziehungsweise nicht mehr angetreten waren. "Gerne hätte ich die Ehrungen in einem größeren Rahmen stattfinden lassen, aber das Infektionsgeschehen lässt es einfach nicht zu. Doch so heimlich und still - frei nach Hape Kerkelings 'ich bin dann mal weg' - wollen wir nicht, dass man verabschiedet wird", wandte sich Bürgermeister Alexander Knahn an die rund 30 Gäste, die in die Kulturscheune gekommen waren.
"Kommunalpolitik, das ist nicht nur Politik im Kleinen, sie hat großes Gewicht - sie ist gewichtig", beschrieb Knahn die ehrenamtliche und freiwillige Arbeit der Gemeinderatsmitglieder. Schließlich stelle man bei der Ausführung dieses Amtes oft private Interessen hinten an und habe das Allgemeinwohl im Blick - auch wenn man dafür nicht immer den Lohn ernte, den man sich wünsche. Während "in Berlin und München etwas medienwirksam beschlossen wird, können wir oftmals vor Ort die Suppe auslöffeln." Doch er hoffe, so Knahn, dass die Arbeit am Ratstisch auch immer etwas gebracht habe und bringen werde.

Diese Hoffnung wurde von Günter Klopf bestätigt: "Es war nicht immer lustig, aber lehrreich." Insgesamt 29 Jahre lang hatte er für die CSU im Gemeinderat debattiert und gestritten. Das wussten auch seine Wähler, denn obwohl er dreimal nicht mehr antreten wollte, wurde er immer wieder ins Gremium zurück "beordert". Für diesen Einsatz bekam er nun den Ehrenring der Gemeinde Höchberg überreicht. Freudestrahlend meinte er: "Das ist ja wunderbar. Jetzt hat meine Frau endlich wieder einen Ehering." Diesen hatte sie, wie Gabriele Klopf lachend erklärte, offenbar beim heimischen Gärtnern verloren.
Goldene Plakette und Urkunde der Bayerischen Staatsregierung
"Ich habe viel gelernt und bedanke mich bei allen Höchbergerinnen und Höchbergern für ihr Vertrauen," sagte Jutta Schulz, die sich ebenfalls für die CSU von 2002 bis 2020 - seit 2012 auch als zweite Bürgermeisterin - im Gremium engagiert hat. Dafür erhielt sie nun die Goldene Plakette und eine Urkunde für besondere Verdienste um die kommunale Selbstverwaltung des Bayerischen Staatsministeriums. Dazu gab es ein kleine Radierung der mittlerweile verstorbenen Höchberger Künstlerin Rosemarie Rüttinger. Ebenso wurde Frank Rothbächer für sein 18-jähriges Engagement (2002-2020) als SPD-Fraktionsmitglied geehrt.

Ganze 24 Jahre - mit Unterbrechung von 1996 bis 2002 -, hat sich auch Magdalena Roßbach für das Wohl der Höchberger Bevölkerung eingesetzt. Die SPDlerin kam aber nicht umhin, den Bürgermeister zu korrigieren, denn nicht erst 1996, nein, schon 1990 war sie in den Gemeinderat gewählt worden, "was mich seinerzeit umso mehr gewundert hat, da ich eine Zugereiste war." Für sie sei es stets ein gutes Auseinandersetzen und Zusammensetzen gewesen, "was ich auch dem neuen Gemeinderat wünsche."
22 Jahre lang war auch Doris Strauch Dienstag für Dienstag zu den Gemeinderatssitzungen gekommen, um gemeinsam mit ihrer Fraktion Stellung zu beziehen, bevor die "Grande Dame der CSU Höchberg" 2018 um ihren Rücktritt bat.
Bernhard Hupp seit 2002 im Gemeinderat
Als Nachrücker brachten es Berthold Friedrich und Markus Linsenmeyer zwar nicht auf eine solch lange Amtszeit, erhielten aber zum Dank für ihr zwei-beziehungsweise einjähriges Engagement die blaue Weinbox der Gemeinde. Ein Weinpräsent des Landkreises sowie die Urkunde der Bayerischen Staatsregierung erhielt Bernhard Hupp, der seit Mai 2002 für die SPD im Gemeinderat sitzt und seit Mai 2008 zudem das Amt des dritten Bürgermeisters ausführt. Wann der leidenschaftliche Musikant "bye, bye happiness" singt, ist nicht bekannt, mit diesem Song aber leitete das Trio der "Boogie Pilots" gekonnt zum gemütlichen Teil des Abends über, an dem die eine oder andere Anekdote ausgetauscht wurde.
