Die friedliche Revolution in der DDR und die Wiedervereinigung beider deutscher Staaten sind über 30 Jahre her, und dennoch hält die Debatte über den untergangenen Staat und die politische Entwicklung in den ostdeutschen Ländern an. Was sind die Ursachen für rechtsradikale Tendenzen? Woher rührt bei einem Teil der Bevölkerung der Hass auf den Staat und seine Strukturen? Um diese Fragen ging es am Montagabend bei einer Veranstaltung des Literaturfestivals MainLit im Gut Wöllried in Rottendorf, wo die Autorin Ines Geipel aus ihrem Buch "Umkämpfte Zone. Mein Bruder, der Osten und der Hass" las.
In dem Buch beschreibt Geipel auch anhand biografischer Elemente, wie die Verstrickung von Menschen in zwei aufeinanderfolgende Diktaturen nie wirklich aufgearbeitet wurde und warum das Schweigen darüber der Nährboden für eine krisenhafte politische Entwicklung ist. In der von Main-Post-Redakteur Torsten Schleicher moderierten Veranstaltung kamen auch die Besucher zu Wort, die sich mit der Autorin einig waren, dass die Beschäftigung mit diesem Teil der jüngeren deutschen Geschichte eine bleibende Aufgabe ist.
Ines Geipel (61), die in der DDR aufwuchs, war in den 80er Jahren Spitzensportlerin und geriet als Opfer ins Doping-System des DDR Leistungssports. Nach der Wende engagierte sie sich vehement für die Aufklärung von Doping-Fällen und für das Zustandekommen zweier Dopingopfer-Hilfegesetze. Die Autorin, die Professorin für Deutsche Verssprache an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" in Berlin ist, veröffentlichte Bücher zur Entwicklung in Ostdeutschland, zur Doping-Problematik und über unterdrückte Literatur in der DDR.