
Der Saal des Kürnacher Pfarramtes ist voll mit Menschen, in den Minuten vor Veranstaltungsbeginn werden noch die letzten Angelegenheiten organisiert und besprochen. Um 19 Uhr geht es los. Nach einem Liedbeitrag des Landfrauenchors begrüßt der Kürnacher Bürgermeister René Wohlfart das Publikum. Mit "Liebe Feldgeschworene rechts des Mains, links des Mains, und aus dem Verband Ochsenfurt" spricht er die Mitglieder der drei Verbände aus der Region an, die nach Kürnach geladen wurden, um für ihr Engagement gewürdigt zu werden.
Nach der in Franken entsprungenen Tradition sind die Feldgeschworenen, auch als "Siebener" bezeichnet, für die Sicherung klarer Eigentumsverhältnisse zuständig. Dazu gehören Grenzbegehungen, das Setzen von Grenzsteinen sowie die Dokumentation von Grundstücksgrenzen. Als Vermittler zwischen Behörden und Bürgern haben die Feldgeschworenen eine wichtige Rolle in der Gemeinde inne, so Wohlfart. Man hoffe auf die Fortführung dieser wertvollen Tradition, die für Werte wie Kontinuität, Identität und Heimatverbundenheit stehe.
Siebener sind Autoritätspersonen
Dies betonte auch der Würzburger Landrat Thomas Eberth: "In dieser schnell wandelnden Zeit ist es wichtig, sich auf Grundwerte zu besinnen". Man habe den Feldgeschworenen viel zu verdanken, auch was geschichtliche Forschung angeht: Auch dafür, dass Kürnach 779 erstmals schriftlich erwähnt wurde, seien die Siebener mitverantwortlich. Einiges habe sich seitdem geändert, aber die Tradition sei geblieben. Für ihre Gemeinden sind die Siebener noch immer anerkannte Autoritätspersonen. In Zeiten, in denen die Gesellschaft weniger über Landwirtschaft und örtliche Verhältnisse weiß, wahren sie nicht nur Grenzen, sondern auch Wissen. Der Landrat schlug auch den Bogen zur Globalpolitik: "Wir haben verlernt, Grenzen zu sichern. Die Siebener wissen: Grenzen sind auch etwas Beschützendes, nicht nur etwas Trennendes."
Oliver Treptau, Leiter des Amts für Digitalisierung, stellte die besondere Rolle der Feldgeschworenen heraus: "Wir vom Vermessungsamt können prima vermessen, aber die Siebener haben das jahrhundertealte Wissen". Feldgeschworene arbeiten ohne Computer oder GPS-Empfänger. Ihr Wissen und ihre Tradition bestehen nur in den Köpfen und werden mündlich weitergegeben, trotz des technischen Fortschrittes bleibt ihr Amt unersetzlich. Treptau schloss sich mit seinem Appell seinen Vorrednern an: Man müsse dafür sorgen, dass die Feldgeschworenen ihr Wissen und ihre Tradition auch in Zukunft weitergeben können, denn ihr Wissen dürfe nicht verloren gehen. Die Kontinuität und Stabilität, die für das Amt des Siebeners so maßgeblich sind, seien heutzutage rar. Mittlerweile sind auch Frauen im Amt der Feldgeschworenen tätig. Die anfänglichen Sorgen, dass Frauen durch ihre Wesensart das Siebenergeheimnis nicht wahren würden, hätten sich bisher nicht bestätigt.
Keine Frage des Alters
Als Vorsitzender der Feldgeschworenen betont Norbert Jesberger: "Ehre, wem Ehre gebührt", für die Verdienste, die die Siebener ehrenamtlich für die Gemeinde leisten, gebühre ihnen Anerkennung und Dank. Dass ein Ehrenamt keine Frage des Alters sei, wurde im Anschluss deutlich, als die Siebener auf die Bühne gerufen wurden, um vom Landrat für 25, 40, 50 und in zwei Fällen sogar 60 Jahre Amt geehrt zu werden. Ein kleines Präsent und ein kräftiger Handschlag, anschließender gemeinschaftlicher Austausch beim Essen, so wolle man den Feldgeschworenen danken, für ihre Arbeit im "einzigen Ehrenamt auf Lebenszeit".