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Waldmannshofen
Eingekerkert bei Wasser und Brot
'Da sitzt einer drin' Im Turm des Feuerwehrmuseums im Schloss in Waldmannshofen bekommt der 'Brandstifter' Besuch von Josef und
Hans Schneider
Foto: Hannelore Grimm | "Da sitzt einer drin" Im Turm des Feuerwehrmuseums im Schloss in Waldmannshofen bekommt der "Brandstifter" Besuch von Josef und Hans Schneider
Hannelore Grimm
 |  aktualisiert: 29.03.2025 02:34 Uhr

Wenn das Feuerwehrmuseum in dem Creglinger Ortsteil demnächst aus dem Winterschlaf erwacht, geht auch für den "Gefangenen" der im Gefängnisturm hinter den mächtigen Mauern des jahrhundertealten Schlosses einsitzt, die Zeit der Ruhe zu Ende. Passend zu unzähligen Feuerwehrexponaten, die hier untergebracht sind, sitzt ein Brandstifter seine Strafe in acht Metern Tiefe ab. Der Übeltäter, bei dem es sich um eine Schaufensterpuppe in Uniform handelt, hat ein unten angebrachtes Licht, durch das er von oben durch das Gitter zu sehen ist.

Hans Schneider, der seit einigen Jahren für den Einlass und die Sauberkeit im Museum zuständig ist, stieg mit dem siebenjährigen Josef hinauf auf das Turmzimmerchen, in dem ein kleines Fenster für Helligkeit sorgt. Ebenso, wie für den Eingekerkerten, interessiert sich der kleine Besucher für den an der Decke angebrachten Flaschenzug, mit dem vermutlich früher die Verurteilten in das Verlies hinunter befördert worden sind.

Mit dem Flaschenzug der an der Decke im Turm hängt wurden früher die
Verurteilten in das acht Meter tiefe Verlies hinunter befördert
Foto: Hannelore Grimm | Mit dem Flaschenzug der an der Decke im Turm hängt wurden früher die Verurteilten in das acht Meter tiefe Verlies hinunter befördert

Dass der kleine Raum in dem dicken Turm aber einstmals Verurteilte beherbergt hat, fand der Creglinger Heimatforscher Albert Krämer (1928-2020) heraus. In Aufzeichnungen aus dem 16. Jahrhundert stieß er auf einen umfangreichen Schriftverkehr, in dem es um das Schicksal von einem Einwohner mit Namen Georg Schmidt geht: Der Waldmannshöfer hatte sich des Verbrechens schuldig gemacht, einen "Markstein" zwischen seinem Acker und dem des Schulheißens herauszureißen.

Das besonders Verwerfliche an der Tat war, dass Schmidt den Stein so tief ausgegraben hat, dass er "ihn seines Geheimnis und Beleg ganz entblößt hat." Die "Steinsetzer" (Schieder) haben sich, laut den Aufzeichnungen, sehr erschrocken und waren entsetzt, als sie ihr Wahrzeichen öffentlich vor Augen liegen gesehen haben.

Junker Rosenberg, der damalige Herr über Waldmannshofen, verurteilte den Übertäter zu einer Strafe im Gefängnisturm. Nachdem die Tochter des Übertäters ihrem Unmut über das Urteil allzu freien Lauf gelassen hatte, bekam auch sie eine Kerkerstrafe aufgebrummt. Während die Tochter den unfreiwilligen Aufenthalt im Schloss wohl bald wieder beenden konnte, saß Georg Schmidt über einen längeren Zeitraum, wie er meinte, "unschuldig" in dem kleinen Verlies tief unten im Turm.

Und das, wie festgehalten ist, "bei Wasser und Brot" und dazu dadurch gestraft, dass, so wörtlich "zu diesem Hund kein einziger Mensch von ihren Freunden, ja auch ihre eigene Hausfrau, Mutter und Kind und Geschwister zu ihnen nicht kommen."

Ein Besuch bei dem künstlichen Übeltäter ist monatlich jeweils am 1. und 3. Sonntag möglich.

Informationen über Öffnungszeiten: Hans Schneider, Telefon 09848-712 oder Touristinformation Creglingen, Tel. 07933/631 sowie unter www.feuerwehrmuseum-schloss-waldmannshofen.de

 
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