
Der Vater Zirkusakrobat, die Mutter Straßensängerin. Als Edith Giovanna Gassions im Dezember 1915 in ärmliche Verhältnisse hinein geboren wird, ahnt niemand, dass sie zu Weltruhm gelangen und nur 48 Jahre später von Tausenden von Menschen zu ihrem Grab auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise begleitet wird. Edith Piaf, dem "Spatz von Paris", widmet das Mainfranken Theater einen Chanson-Abend mit Sängerin, Pianist und Erzähler, die Hommage "Hymne a L'Amour".
Ein Flügel, ein roter Vorhang, ein rotes Sofa und Mezzosopranistin Barbara Schöller: Mehr braucht es nicht, um die Erinnerung an die kleine Frau zu wecken, die einst sagte: "Um zu leben, muss ich singen." Schöller tritt ins Scheinwerferlicht, schickt ein paar Küsschen in die Luft und beginnt ihre gesungenen Geschichten. Sie erzählt vom Verliebtsein. Vom Glück in den Armen des Geliebten. Füllt schon mit dem ersten Song die Theaterfabrik Blaue Halle mit ihrer unvergleichlichen Stimme, die der der legendären Piaf so nahe kommt. Große Gestik, unnötiger Aufwand sind nicht nötig. Später wird sie Zynismus in ihre Interpretationen legen, Verzweiflung, Melancholie oder Trotz ("Je ne regnete rien").
Zu Beginn also "La vie en rose", eines der unsterblichen Chansons, mit denen sich die Piaf in die Herzen ihrer Zuhörer gesungen hat, das bis heute zu ihren größten Erfolgen zählt.
Kleine Spielszenen zwischen den Liedern
Begleitet wird sie von dem exzellenten und feinfühligen Klavierspiel des Jeremy Atkin, der den ganzen Abend über einen musikalischen Boden legt, auf dem sich die Sängerin ausbreiten kann. Sie singt vom sommerlichen, niemals lange grausamen Himmel über Paris ("Sous le ciel de Paris"), vom Freudenmädchen und dem Soldaten, der Akkordeon spielen kann ("L'Accordéoniste") und fleht in einem Gebet um das Leben des Geliebten ("Mon Dieu").
Zwischen den einzelnen Chansons liest Schauspieler Tom Klenk einzelne Kapitel aus der gebrochenen Biografie Piafs. Erzählt von ihrem atemlosen Leben, ihren unzähligen Liebhabern und immer wieder von ihrer unbändigen Kraft. Zeitweise tritt Schöller in Dialog mit ihm. Kleine Spielszenen entstehen, beispielsweise der Streit Edith Piaf mit Georges Moustaki.
Barbara Schöller gelingt es vom ersten Moment an, das Leben der Künstlerin zwischen dunklen Dämonen und glühender Leidenschaft mit grandiosem Gesang und akzentuierter Körpersprache zu erzählen. Jubelnder Applaus.
Hymne à l'amour - Chanson-Abend und Hommage an Edith Piaf mit Barbara Schöller, Tom Klenk und Pianist Jeremy Atkin. 10. und 13. April, Blaue Halle.
Karten: Tel. (0931) 375-375, www.mainfrankentheater.de