
Es muss nicht immer eine Passion sein. Passend für diese Zeit, in der Christen bangen und auf Erlösung hoffen, in der sich Trauer und Freude aufs Paradies mischen, sind Kompositionen erstanden, die mit Spiritualität und melodischer Ausdruckskraft berühren.
So zu erleben in der gut besuchten St. Johanniskirche. Der Bachchor unter der engagierten Leitung von Hae-Kyung Jung hatte zu einem Passionskonzert unter der Überschrift "Stabat Mater" eingeladen. Die Gefühle einer Mutter, die voller Schmerz um ihren gekreuzigten Sohn trauert, haben im Lauf der Jahrhunderte immer wieder Komponisten beschäftigt, sie in ein musikalisches Gebet umgesetzt und den Text – ein wunderbares lateinisches Gedicht aus dem Mittelalter – mit Tönen unterlegt.
Auf dem Programm des Bachchores stehen das "Stabat Mater" von Giovanni Battista Pergolesi aus dem 18. Jahrhundert und das von Knut Nystedt aus dem 20. Jahrhundert. Durch die Gegenüberstellung der beiden Werke mit völlig gegensätzlichem musikalischem Ansatz ergibt sich ein Spannungsbogen, der eine Palette an Emotionen erwarten lässt.
Sängerinnen und Instrumente übermitteln Emotionen gemeinsam
Die Besetzung bei Pergolesi – Frauenchor, Sopran, Alt und das mitreißend aufspielende Streichorchester La Strada Armónica – passen gut zusammen. In vollständiger Harmonie übermitteln Sängerinnen und Instrumente gemeinsam Wehmut, Zärtlichkeit, Intimität. Ergreifend Chorsätze wie "O quam tristis…" oder "Quis est homo..". Sie kommen akzeptiert herausgearbeitet, klagend, trauernd, bisweilen auch flott. Stilsicher und immer wieder anrührend die sensationell geführte Stimme der Sopranistin Silke Evers, überzeugend auch der in seiner Sinnlichkeit anrührende Part der Altistin Barbara Buffy. Beide Sängerinnen berühren sowohl solistisch oder auch im Duett ("Inflammatus et accensus..."), pathetisch und expressiv das Chorduo "Sancta mater, istud agas...".
Voller Dramatik ist die Komposition das "Stabat Mater" aus der Feder des Norwegers Knut Nystedt. Den großen musikalischen Bogen zwischen leisestem Piano und exzessivem Forte meistert der Chor, dem nun auch Männer angehören, souverän. Lediglich begleitet von Deanna Talens, die den hoch anspruchsvollen Cellopart leidenschaftlich zu interpretieren weiß, entsteht ein Hörerlebnis, das tief berührt und nachhaltig nachklingt.
Zwischen diesen beiden Hauptwerken singt der Bachchor vier a-cappella-Motetten über Gregorianische Themen von Maurice Duruflé. Außerdem fasziniert Cellistin Deanna Talens mit zwei Solostücken der Solo Suite Nr. 1 von Benjamin Britten und Giuseppe Marie Clemens Dall’Abacos "Capricci".