„Würzburg lebt“ steht über dem diesjährigen Gedenkkonzert zum 16. März, das Oratorienchor und Orchester Würzburg unter dem gewohnt gestenreichen Dirigat von Matthias Göttemann in der bis auf den letzten Platz besetzten Franziskanerkirche darbieten.
„Dona nobis pacem“ ist ein gewaltiges Werk - für die relativ kleine Kirche fast zu groß -, das Ralph Vaughan Williams 18 Jahre nach dem ersten Weltkrieg komponiert hat. Von der Sopranistin immer wieder intoniert, zieht sich die beinahe schüchterne Bitte durch die gesamte Kantate. Anke Endres singt dieses Flehen in zarter Eindringlichkeit, in klarer, müheloser Höhe und zu Herzen gehender Wahrhaftigkeit.
Der Wunsch nach Versöhnung wird spürbar
Der Komponist hat seine sinfonische Dichtung in sechs Abschnitte unterteilt. Er akzentuiert darin die Sehnsucht nach Frieden, setzt alttestamentarische Bibeltexte, eine politische Rede, Gedichte von Walt Whitman und lateinische Messtexte in berührende Töne um. Die circa siebzig Stimmen des überwiegend präzise klingenden, englisch singenden Chores und das große, mit Wucht aufspielende Orchester schaffen eine Atmosphäre, in der Entsetzen, Qual, Leid, aber auch Hoffnung und der Wunsch nach Versöhnung spürbar werden. Paukenschläge, Trommeln, Streicher und das gesamte Blech schaffen Gänsehautmomente, Holzbläser mischen exakt und warm im Klangbild mit.
Der Chor malt das Bild von Kriegschaos und Entsetzen in farbigen Sequenzen. Zwar hätte man sich manches Mal mehr Mezzo gewünscht, das sich langsamer ins Fortissimo steigern kann. Trotzdem beschwören Sängerinnen, Sänger sowie Joachim Goetz, dessen getragene, von Streichern begleitete Baritonstimme dem Gesamtwerk gut tut, abwechselnd Trauer und Abschied.
Eine eindrückliche Ansprache des Bürgermeisters
Dem immer wieder anschwellenden Chorgesang, einem Aufschrei gleich, den Instrumentenwirbeln und dem Choral zum Ausklang, erhaben und hoffnungsvoll, kann sich kein Zuhörer entziehen, bis die Singstimmen in einem „Glory to God“ und der inständigen Bitte nach Frieden verhauchen.
Nach einer eindrücklich formulierten Ansprache des Oberbürgermeisters erklingt das „Adagio for strings“ von Samuel Barber. Die Streicher des Orchesters interpretieren die von den Hörern der BBC zum „traurigsten klassischen Stück“ gewählte Komposition wunderschön. Innig und unter die Haut gehend, bevor das Gedenkkonzert - gemäß dem Motto „Würzburg lebt!“ mit „Freude schöner Götterfunken“, einem kurzen Auszug aus Beethovens „Ode an die Freude“, endet.