
Rund um den Bahnhof Geroldshausen scheint die Zeit still zu stehen. Eine Sanierung des von zwei beschrankten Bahnübergängen eingefassten Bahnhofs ist überfällig. Auch ist der südliche Bahnübergang mit einer unübersichtlichen Kreuzung gekoppelt und stellt für Fußgänger eine gefährliche Herausforderung dar.
Nun könnte jedoch Bewegung in die Situation kommen: Die Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg und die Bayerische Eisenbahngesellschaft haben ein Gutachten zur weiteren Entwicklung und Modernisierung der Frankenbahn Heilbronn-Würzburg beauftragt. Auch der Umbau des Bahnhofs Geroldshausen soll dabei, so ein Schreiben der bayerischen Staatsministerin Kerstin Schreyer, ein Thema sein.
Vorsichtiger Optimismus
Von einem "Lichtblick am Horizont" spricht Geroldshausens Bürgermeister Gunther Ehrhardt vorsichtig optimistisch. Die Gemeinde drängt gemeinsam mit dem Kommunalen Arbeitskreis Frankenbahn seit langem darauf, dass sich rund um den Bahnhof etwas ändert: Der Bahnhof teilt die Gemeinde in zwei Teile. Fußgänger, die aus dem östlichen Neubaugebiet etwa zum Dorfladen ins Ortszentrum wollen, müssen am Bahnübergang auf die Straße ausweichen.
Doch auch die Aufmerksamkeit der Autofahrer ist hier besonders gefordert. Die vorfahrtberechtigte Staatsstraße knickt unmittelbar hinter der Schranke im rechten Winkel ab. Gleichzeitig müssen die Autofahrer die Hauptstraße, die geradeaus weiterführt, im Blick behalten. "Nicht nur für Erwachsene, sondern erst recht für Schulkinder ist dies ein sehr gefährliches Unterfangen", stellt Ehrhardt fest.
Mehr Güterverkehr geplant
Eine denkbare Lösung wäre, so Ehrhardt, die Verlegung des dritten Schienenstrangs im Bahnhof. Dieser ist als Ausweichschiene für Züge, die überholt werden, vorgesehen. Er könnte aber an einer beliebigen Stelle der Bahnstrecke neu gebaut werden. Auch plane die Bahn, den Güterverkehr auf der Strecke intensiv auszubauen. Dabei sollen auch längere Güterzüge zum Einsatz kommen. Mit dem begrenzten Raum zwischen den beiden nur wenige Meter voneinander liegenden Bahnübergängen dürfte dies kaum umzusetzen sein. Auch habe die Deutsche Bahn, die für die Bahngleise zuständig ist, ein großes Interesse daran, den Bahnhof mit einer modernen, selbsttätigen Signaltechnik auszustatten. Sie hat derzeit noch einen Teil des privat genutzten Bahnhofs angemietet.
Vom Tisch ist dagegen die Wunschlösung von Gemeinde und Kommunalem Arbeitskreis, eine Verlängerung der neuen Trasse der Wü 33, die als Staatsstraße und Umgehung fortgeführt werden könnte und im Norden die Bahngleise mit einer Brücke überwindet. Dies sei "in der absehbaren Zukunft nicht finanzierbar", heißt es dazu im Schreiben von Kerstin Schreyer. Dafür sei das Verkehrsaufkommen mit zirka 1000 Fahrzeugen am Tag zu gering. Sie zeigt sich jedoch zuversichtlich, dass "auf Basis der Überlegungen des Gutachters" weitere Schritte für eine Verbesserung der Situation am Bahnhof Geroldshausen möglich sind.
Wachsende Bedeutung
Bei dem geplanten Gutachten soll die gesamte Strecke zwischen Heilbronn, Lauda und Würzburg einbezogen werden. Dies hat auch Dr. Uwe Lahl, Ministerialdirektor im baden-württembergischen Verkehrsministerium, vor kurzem nochmals klargestellt. Er betont, dass "diese Eisenbahnstrecke gesamthaft mittels einer umfassenden Fahrplan- und Beschleunigungsstudie" betrachtet werden solle. Das Ziel sei, zu "substanziellen Verbesserungen" zu kommen. Dies sei "aufgrund der wachsenden Bedeutung der Strecke" als einem Teil des Transeuropäischen Eisenbahnnetzes (TEN) gerechtfertigt.