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Ahmadiyya: Erst feiern, dann kehren
WÜRZBURG "Auch wir feiern Silvester - mit Krachern, aber ohne Alkohol," sagt der 18-jährige Mohammad Asif Malik. Malik ist einer von rund 35 freiwilligen Helfern der Jugendgemeinschaft der muslimischen Ahmadiyya-Gemeinde, die in den frühen Morgenstunden des 1.
Helfer der Ahmadiyya-Gemeinschaft werden dieses       -  Helfer der Ahmadiyya-Gemeinschaft werden dieses Jahr bereits zum
7. Mal beim Saubermachen in der Silvesternacht dabei sein. ARCHIVBILD
| Helfer der Ahmadiyya-Gemeinschaft werden dieses Jahr bereits zum 7. Mal beim Saubermachen in der Silvesternacht dabei sein. ARCHIVBILD
Von unserem Redaktionsmitglied REGINA URBON
 |  aktualisiert: 15.12.2020 11:56 Uhr
Letztes Jahr sei etwas weniger Neujahrs-Müll angefallen als in den Jahren zuvor, sagt Asifs Kollege Iyas: wegen des Tsunami hatten die Menschen wohl weniger gefeiert und weniger Abfall produziert als sonst. Und Asif verdeutlicht, dass die Muslime mit ihrer Aktion niemandem den Arbeitsplatz streitig machen. "Wir beschleunigen nur das Aufräumen", sagt Mohammad Asif Malik. Es geht um Bürger-Engagement, um die gute Tat.

Eigentlich findet das islamische Neujahr, abhängig vom Mondkalender, erst am 31. Januar statt. Aber die Ahmadiyya-Bewegung des Islam richte sich nach dem Land, in dem sie lebt, erklärt Asif. Also feiert der junge Mann, der in Deutschland geboren wurde, dessen Familie aber aus Pakistan stammt, auch mit deutschen Freunden am 1. Januar, bevor er beim Aufräumen hilft, und man wünscht sich ein frohes neues Jahr. Am 31. Januar indes werde die Ahmadiyya-Bewegung hierzulande kein eigenes Fest mehr begehen.

"Khuddam-ul-Ahmadiyya": "Khuddam" bedeutet Jugend oder Jugendgemeinschaft. Es sind diejenigen, die in der Gemeinschaft die groben handwerklichen und somit körperlich belastenden Arbeiten übernehmen. Es sind die 15- bis 40-Jährigen, also auch diejenigen, die in den Morgenstunden des 1. Januar die Straßen rund um die Alte Mainbrücke und den Marktplatz kehren.

Die hiesige Ahmadiyya-Bewegung hat laut Malik inzwischen alle Familien inklusive etwa 180 Mitglieder. Wie bei der Kehr-Aktion an Neujahr wurde mit viel freiwilliger Arbeit auch die neue Moschee im Gewerbegebiet Heuchelhof gebaut. Noch ist sie nicht ganz fertig. Es laufen noch die Innenarbeiten. Jeden Werktag werde hier gearbeitet, so Malik. Jeder, der Interesse hat, sei auf der Baustelle willkommen. Die Arbeiter freuten sich über Kontakt und Fragen, versichert Malik.

Im Frühjahr werde die Moschee voraussichtlich fertig sein. Dann soll es auch eine "Frage-Antwort-Sitzung" geben, um den Dialog mit den Menschen der Umgebung zu stärken.

Die Ahmadiyya-Gemeinschaft versteht sich als Reformbewegung innerhalb des Islam. Sie ist streng hierarchisch gegliedert, woraus teils Schlussfolgerungen gezogen wurden, die Ahmadiyya "sei eine mafiose Gemeinschaft - aber sie ist eine friedliche Organisation", versichert Asif Malik.

Von Teilen der Islamischen Welt wird die Lehre der Ahmadiyya-Bewegung als ketzerisch erachtet, denn die Ahmadiyya versteht sich als Reformbewegung innerhalb des Islam und strebt eine Rückbesinnung auf den Kern der islamischen Glaubenslehre an. "Das ist für mich etwas Plausibles, " sagt Asif, weil der Islam in der Welt gespalten sei: "So kann keine Religion funktionieren. Es muss eine Reformation kommen." Wissenschaftler streiten um die Frage, ob die Ahmadiyya Muslim Jamaat (Jamaat = Gemeinschaft) als gefährlich oder harmlos einzustufen sei. In Asif Maliks Heimatland Pakistan, dem eigentlichen Kerngebiet der Ahmadiyya, wurde die Bewegung vom Parlament als nicht-islamische Gruppierung eingestuft und offiziell verboten.

 
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