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Werneck
Werneck im Nationalsozialismus: Als Hitler zum Ehrenbürger von Werneck ernannt wurde
Die Frauen mussten im RAD-Lager verschiedene Arbeiten verrichten, unter anderem Strohsäcke stopfen.
Foto: Privatarchiv Manfred Fuchs | Die Frauen mussten im RAD-Lager verschiedene Arbeiten verrichten, unter anderem Strohsäcke stopfen.
Silvia Eidel
 |  aktualisiert: 04.04.2025 15:17 Uhr

Jahrestage haben es zuweilen in sich. Dann nämlich, wenn sie die Erinnerung an Ereignisse hervorrufen, die gerne verdrängt werden oder vergessen sind. Am 8. April jährt sich zum 80. Mal der Einmarsch der Amerikaner in Werneck und damit das Ende der Herrschaft des Nationalsozialismus in der Region. Ein Bild dieser Zeit zwischen 1933 und 1945 zeichnet erstmals eine umfangreiche Dokumentation des Historischen Vereins Markt Werneck, noch dazu mit vielen Fotografien.

Vorsitzender Bernd Göbel hat in jahrelanger Quellenarbeit und Befragung von Zeitzeugen die Fakten in einem 108 Seiten starken Din-A4-Heft zusammengetragen. Erfahren hat der Hobbyhistoriker dabei auch, dass etliche Quellen bewusst vernichtet wurden, etwa Protokolle des Wernecker Gemeinderats.

Aber er fand auch viele Detailbeschreibungen, etwa von Flugzeugabstürzen oder von Egenhausen während des Zweiten Weltkriegs. Sie würden aber den Umfang seines Buches sprengen, meint er. Weshalb er weitere 125 Seiten auf der Homepage des Historischen Vereins veröffentlicht (www.historischerverein.de) und im Heft unter entsprechenden QR-Codes verlinkt. Um auch später auftauchende Informationen zugänglich zu machen, stellt sie der Verein ebenfalls auf seine Website.

Nach dem Angriff auf Schweinfurt im Februar 1944 brannte auch die Scheune des Wernecker Hotels Krone-Post aus.
Foto: Historischer Verein | Nach dem Angriff auf Schweinfurt im Februar 1944 brannte auch die Scheune des Wernecker Hotels Krone-Post aus.

Schon vor der sogenannten Machtergreifung Hitlers am 30. Januar 1933 kam es in Werneck zu einem Aufmarsch der NSDAP. Mitte Februar, so hat Bernd Göbel herausgefunden, waren Lastwagen mit "Hitlerleuten" in den Ort gekommen, einer hielt vor dem Amtsgericht eine Ansprache. Drei SA-Männer aus Eßleben und zwei Wernecker waren wohl dabei, und die Musikkapelle Eßleben spielte auf.

Die verschiedenen Ergebnisse zu den Reichstagswahlen zwischen 1930 und 1933 liefern für Werneck und die umliegenden Dörfer ein unterschiedliches Bild. Während beispielsweise in Werneck selbst am 5. März 1933 die NSDAP "nur" 26,5 Prozent der Stimmen errang, waren es in Eßleben 46 Prozent, in Vasbühl lediglich 4,8 Prozent.

Hitler und Hindenburg wurden zu Ehrenbürgern ernannt

Schon im April und dann im Juni 1933 legten sieben Gemeinderäte ihr Amt nieder. Hitler und Hindenburg wurden zu Ehrenbürgern ernannt, die Hauptstraße, die heutige Schönbornstraße, zur Adolf-Hitler-Straße umbenannt.

Eine Postkarte zeigt das Lager des Reichsarbeitsdienstes, in dem zuerst Männer, später junge Frauen zur Arbeit in der Umgebung untergebracht waren.
Foto: Historischer Verein | Eine Postkarte zeigt das Lager des Reichsarbeitsdienstes, in dem zuerst Männer, später junge Frauen zur Arbeit in der Umgebung untergebracht waren.

Bereits 2019 hatte Bernd Göbel bei Ortsrundgängen verschiedene Themen erläutert. Etwa das ehemalige Lager des Reichsarbeitsdienstes an der heutigen Bergsiedlung, das ab 1936 zuerst Männer, später junge Frauen beherbergte. Unter anderem wurden sie bei der Wern-Regulierung eingesetzt. Nach Kriegsende kamen Flüchtlinge in den Baracken unter.

Auch das Schloss wird thematisiert, zunächst als psychiatrische Heil- und Pflegeanstalt, die 1940 geräumt wurde und aus der mindestens 381 Patienten ermordet und 227 zwangssterilisiert wurden. Dann diente das Gebäude Aussiedlern aus dem Baltikum als Unterkunft, schließlich zog die Unteroffiziersschule der Luftwaffe dort ein.

Weitere Kapitel widmet Göbel der Haltung der Kirche oder dem Schicksal der Kriegsgefangenen. Der Luftkrieg samt Ettlebener Flak-Stellungen sowie Schutzbunker werden ebenso beschrieben wie das Kriegsende mit dem Kampf um Ettleben, mit letzten Verteidigungsversuchen in Werneck sowie dem Einmarsch der Amerikaner. Die Schilderung der Nachkriegszeit mit der wirtschaftlichen Not und der Entnazifizierung runden die NS-Phase ab.

Das reichlich bebilderte Heft erweist sich als lesens- und sehenswerten Publikation, die eine Lücke in der Aufarbeitung der Geschichte Wernecks schließt.

Vortrag zur NS-Zeit in Werneck

Zum Nationalsozialismus in Werneck hält Bernd Göbel am Dienstag, 8. April, einen Vortrag. Bei freiem Eintritt skizziert er in der Aula der Balthasar-Neumann-Mittelschule ab 18.30 Uhr diese Zeit. Bereits ab 18 Uhr gibt es Imbiss und Getränke.
Die 108 Seiten starke Dokumentation "1933-1945. Nationalsozialismus in Werneck" wird an diesem Abend für 19,95 Euro verkauft. Danach ist sie in der Buchhandlung Lesezeichen oder über den Historischen Verein erhältlich.
Quelle: Historischer Verein
Aufmarsch am Schloss Werneck am 20. April 1944, Hitlers Geburtstag. Auf dem Dach ist ein Rotes Kreuz angebracht.
Foto: Historischer Verein | Aufmarsch am Schloss Werneck am 20. April 1944, Hitlers Geburtstag. Auf dem Dach ist ein Rotes Kreuz angebracht.
Einweihung der Adolf-Hitler-Straße in Werneck, der heutigen Schönbornstraße, mit einem Aufmarsch am 30. April 1933.
Foto: Historischer Verein | Einweihung der Adolf-Hitler-Straße in Werneck, der heutigen Schönbornstraße, mit einem Aufmarsch am 30. April 1933.
Durch das historische Oegg-Tor zogen die NS-Aufmärsche vom Ortskern in das Schlossgelände.
Foto: Historischer Verein | Durch das historische Oegg-Tor zogen die NS-Aufmärsche vom Ortskern in das Schlossgelände.
Kontakte zum französischen Widerstand hatte der damalige Wernecker Pfarrer Paul Anders, hier mit seinem Bruder Georg (in Uniform).
Foto: Historischer Verein | Kontakte zum französischen Widerstand hatte der damalige Wernecker Pfarrer Paul Anders, hier mit seinem Bruder Georg (in Uniform).
Für Lautsprecherdurchsagen ließ die Gemeinde Leitungen im Ort verlegen. Hier sind russische Kriegsgefangene an der Brauereigaststätte Wurm zugange.
Foto: Historischer Verein | Für Lautsprecherdurchsagen ließ die Gemeinde Leitungen im Ort verlegen. Hier sind russische Kriegsgefangene an der Brauereigaststätte Wurm zugange.
Belgische Kriegsgefangene, wie hier rechts Louis Dony und ein weiterer Gefangener, arbeiteten unter anderem an der Wern-Mauer vor dem Schloss.
Foto: Privatarchiv Manfred Fuchs | Belgische Kriegsgefangene, wie hier rechts Louis Dony und ein weiterer Gefangener, arbeiteten unter anderem an der Wern-Mauer vor dem Schloss.
Ein Schutzbunker für die Zivilbevölkerung wurde von der Meininger Straße bis zur Schönbornstraße gebaut. Hier verlassen Wernecker nach einem Fliegeralarm den Bunker.
Foto: Historischer Verein | Ein Schutzbunker für die Zivilbevölkerung wurde von der Meininger Straße bis zur Schönbornstraße gebaut. Hier verlassen Wernecker nach einem Fliegeralarm den Bunker.
 
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