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Grettstadt
Von der Vision zur Realität: Der lange Weg zum Kraftort Grettstadt
Halbrunde Sitzbänke wurden durch private Spenden ermöglicht und gefördert über das Regionalbudget Schweinfurter Mainbogen. Von links die Bankspender Ewald Vögler, Nicole Hofmann, Anne Verne und Ruth Volz mit den Informationstafeln, die in Kürze montiert werden.
Foto: Peter Volz | Halbrunde Sitzbänke wurden durch private Spenden ermöglicht und gefördert über das Regionalbudget Schweinfurter Mainbogen.
Ruth Volz
 |  aktualisiert: 02.04.2025 02:38 Uhr

Was Ende 2019 begann, fand nun seinen Abschluss mit der offiziellen Vorstellung des Kraftortes: initiiert von Nicole und Dieter Hofmann, künstlerisch umgesetzt als imposantes Flurdenkmal von Steinbildhauer Andreas Böhm. Die moderne Skulptur soll nicht nur ein Ort zum Auftanken und Innehalten sein, sondern auch auf die geologischen und hydrologischen Besonderheiten des Aufstellungsortes hinweisen. Es soll ein Begegnungsort und Treffpunkt für Spaziergänger und Radfahrer werden.

Der Historische Arbeitskreis und die Kulturfreunde Grettstadt luden zum Vortragsnachmittag "Das neue Flurdenkmal erzählt von sich". Rund 80 Interessierte folgten der Einladung.

Ruth Volz stellte mit Kreisheimatpfleger Stefan Menz aus Heidenfeld den ersten Referenten dieses Nachmittags vor. Menz erklärte, was unter einem Denkmal verstanden werden kann. Auch Boden- und Naturdenkmäler erwähnte er und zeigte aussagekräftige Beispiele anhand von Fotos. Bewusst ging er von historischen auf moderne Denkmäler über: den Schwebheimer Schöpfungsbildstock, die Gochsheimer Mach-Mut-Stele und den Weyerer Flurbildstock mit Jesus auf dem See.

Spenden lieferten den finanziellen Grundstock

Steinbildhauer Andreas Böhm wurde von Ewald Vögler vorgestellt. In Grettstadt aufgewachsen, durchlief er wie sein Großvater und Vater eine Steinmetzlehre, die er 1999 mit dem Meisterbrief und Auszeichnung abschloss. Seit vielen Jahren ist er als Hüttenbaumeister am Ulmer Münster tätig. Dort traf er auch 2019 Nicole und Dieter Hofmann, die ihn wegen der möglichen Gestaltung eines Steinmonuments ansprachen. Böhm ließ sich ein, zeichnete verschiedene Entwürfe und fertigte dann zum ausgewählten Monument Detailpläne.

Fest in Böhm’scher Hand: der Aufbau der Spirale des Lebens im 1. Bauabschnitt im April 2023 mit Joachim, Helmut und Andreas Böhm und tonnenschweren Einzelteilen.
Foto: Ruth Volz | Fest in Böhm’scher Hand: der Aufbau der Spirale des Lebens im 1. Bauabschnitt im April 2023 mit Joachim, Helmut und Andreas Böhm und tonnenschweren Einzelteilen.

Das von Nicole Hofmann in den Vorjahren gesammelte Spendengeld war ein finanzieller Grundstock. Das Trio stellte dem Gemeinderat seine Idee vor, und dieser beschloss 2022 einstimmig die Umsetzung. Viele Firmen und Privatleute unterstützten das Werk mit Spenden. Die erste Bauphase, die Spirale des Lebens, wurde zudem durch Zuwendungen aus Mitteln des Regionalbudgets Schweinfurter Mainbogen ermöglicht.

Symbol für Leben und Tod

Böhm wählte besonders haltbaren Steigerwald-Sandstein für sein 3,30 Meter hohes Bauwerk aus. Böhms Vater Helmut und sein Onkel Joachim setzten gemeinsam mit ihm die tonnenschweren Treppenelemente millimetergenau. Danach ruhte die Baustelle, bis sich der Gemeinderat Ende 2023 entschloss, das Kunstobjekt fertigstellen zu lassen. Eine Spezialfirma fertigte mit Computer- und Robotereinsatz die aufwendig gestalteten drei weiteren Teile. Erst im Juni/Juli 2024 folgte der Aufbau des Oberteils, zwei gewendelten Säulen, hier Symbol für Leben und Tod, und das Auflegen des verbindenden Baldachins, das menschliche Leben.

Im Sommer 2024 erfolgte der zweite Bauabschnitt mit den gewendelten Säulen, als Symbol für Geburt und Tod, und dem verbindenden Baldachin, der für das menschliche Leben steht.
Foto: Ruth Volz | Im Sommer 2024 erfolgte der zweite Bauabschnitt mit den gewendelten Säulen, als Symbol für Geburt und Tod, und dem verbindenden Baldachin, der für das menschliche Leben steht.

Böhm ging auf die geologischen Gegebenheiten der Region ein und erklärte, warum 15 Millionen Jahre alte Basaltausläufer der Rhön bis nach Grettstadt führten. Darüber schichteten sich Sandstein, Kalksandstein und Gips mit erheblichen Verwerfungen. All diese Gesteine wurden früher auch am benachbarten Steinbruch Steinlöhlein abgebaut. Noch heute finden sich zahlreiche Gebäude im Altort, die mit diesen Steinen erbaut wurden.

Das Monument aus Sandstein ruht auf Basaltpflaster, daneben liegt ein Gipsfelsbrocken, auf dem die Infotafel "Gedanken zum Kraftort" angebracht wird. Über die geologischen und hydrologischen Besonderheiten am Standort informieren zwei Infotafeln.

Viele Bürger engagierten sich ehrenamtlich, um das Denkmal zu errichten, spendeten Geld oder brachten ihre Fähigkeiten und Ideen ein, betonte Volz. Diese kollektive Anstrengung habe nicht nur das Denkmal zum Leben erweckt, sondern auch das Gemeinschaftsgefühl in Grettstadt gestärkt. Der Kraftort könne zu einem lebendigen Zeugnis für die Gemeinschaft, die Geschichte und die geologischen Besonderheiten der Region werden.

Das eigens gestaltete Roll-Up eingerahmt von den Beteiligten (von links) Ruth Volz, Dieter und Nicole Hofmann, Andreas Böhm, Kreisheimatpfleger Stefan Menz und Bürgermeister Jens Machnow.
Foto: Peter Volz | Das eigens gestaltete Roll-Up eingerahmt von den Beteiligten (von links) Ruth Volz, Dieter und Nicole Hofmann, Andreas Böhm, Kreisheimatpfleger Stefan Menz und Bürgermeister Jens Machnow.

Wegbeschreibung

Weg 1: Am Friedhof Grettstadt vorbei dem Radweg in Richtung Dürrfeld folgen, nach 800 Metern die erste Abfahrt nach rechts über die Kreisstraße auf den Flurweg in Richtung Kraftort/Pferde-Ranch abbiegen, ca. 500 Meter weiterfahren oder zu Fuß gehen.
Weg 2: Am Abzweig der Kreisstraße Hauptstraße/Sulzheimer Straße/Am Friedhof ca. 300 Meter über Friedenstraße nach links in die Löhleinstraße abbiegen und auf der direkten Verlängerung des Flurweg ca. 800 Meter weiterfahren oder zu Fuß gehen.
Georeferenz: Google Koordinaten 49,9828336; 10,3252229, Plus Code: X8MG+43 Grettstadt
Quelle: rv
 
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