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Schonungen
Vom Maschinenbau zum Gemeindehaus: Ludwig Roßkopf über seinen unkonventionellen Weg in die Kirchenverwaltung
Ludwig Roßkopf vor der Mauer des Atriums, die ein Relief des Heiligen Georgs, des Kirchenpatrons, ziert.
Foto: Roland Frühwacht | Ludwig Roßkopf vor der Mauer des Atriums, die ein Relief des Heiligen Georgs, des Kirchenpatrons, ziert.
Roland Frühwacht
 |  aktualisiert: 30.03.2025 03:29 Uhr

"Zu dieser Aufgabe bin ich durch meine Frau gekommen" erzählt Ludwig Roßkopf schmunzelnd. Heidemarie Roßkopf, von Beruf Bankkauffrau, hatte Anfang der 1970er Jahre ehrenamtlich die Buchführung für den Wirtschaftsbetrieb des damals errichteten Pfarrheims übernommen. Als der damalige Kirchenpfleger sein Amt aufgab, übernahm dies ihr Ehemann. "Könnt net Ihr Mo des mach", habe damals ein Mitglied der Kirchenverwaltung sie gebeten, erzählt Heidemarie Roßkopf. "Dann habe ich halt ausgeholfen", so sei er in dieses Amt "gerutscht", ergänzt er.

Ludwig Roßkopf, geboren 1943, wuchs in einem katholisch geprägten Elternhaus in Schweinfurt auf. 1956 errichteten die Eltern ein Haus in Schonungen. Nach der Schulzeit in Schweinfurt absolvierte er ein Studium in Maschinenbau, Betriebswirtschaft und Industrial Engineering am Polytechnikum. Sein beruflicher Weg führte ihn in verschiedene Industriebetriebe der Region, ehe er 2007 als Leiter des Aufbereitungs- und Entsorgungsbetriebs der Firma ZF Sachs in Schweinfurt in den Ruhestand ging.

Anfang der 1980er Jahre stand der Kauf des heutigen Pfarrhauses an. "Ich habe drauf spekuliert", so Ludwig Roßkopf. Dadurch ergab sich wieder das Ensemble Kirche, Pfarrheim und Pfarrhaus an der Schonunger Hauptstraße. Denn die ehemalige Kirche und das bisherige Pfarrhaus lagen etwa 700 Meter von der neuen Kirche entfernt im Altort. Für den Kirchenpfleger war es klar, den alten Pfarrhof aus dem Jahr 1858 zu veräußern. "Es war ein Glücksfall, dass die Gemeinde es für die Erweiterung des daneben liegenden Rathauses benötigte", erinnert sich Ludwig Roßkopf.

Häufige Renovierungen der kirchlichen Immobilien waren in diesen fünf Jahrzehnten erforderlich. So mussten einige Monate bei Regenwetter Eimer in der neuen Kirche aufgestellt werden, ehe eine Dachsanierung vorgenommen wurde. Immer wieder standen weitere Sanierungsarbeiten an der Kirche, aber auch am Pfarrhaus und Pfarrheim an. Die Außenrenovierung der alten Kirche war notwendig und für deren Innenrenovierung wurde eine "Aktionsgemeinschaft Alte Kirche" gegründet. Dann wurde das Gebäude als Kulturraum genutzt. "Das waren immer gleich Hunderttausende", so seine Ehefrau, die die Rechnungen überwies. "Mich hat das schon auch in der Freizeit beschäftigt", fügt Ludwig Roßkopf an. In der neuen Kirche wurde 2010 eine neue Orgel eingebaut, die gebraucht in Norwegen gekauft wurde.

Der Kindergarten im ehemaligen Schwesternhaus am Schrotberg konnte Ende der 1980er Jahre nicht mehr alle Kinder aufnehmen und entsprach auch in vielerlei Hinsicht nicht mehr dem gesetzlichen Standard. "Geh in den Gemeinderat, da kannst du mitbestimmen", so lautete der Ratschlag von einigen in der Pfarrei. Deshalb konnte er den Neubau dieser Einrichtung auf dem Schonunger Kreuzberg in den Jahren 1990 bis 1996 als Gemeinderat begleiten. Sein letztes Bauprojekt war der Anbau von Kinderkrippenräumen am bestehenden Kindergarten mit einem Budget von 2,8 Millionen Euro. "Dabei hat mich mein Sohn Stefan unterstützt. Er ist Bauingenieur und Vorsitzender des Kindergartenträgervereins", merkt Ludwig Roßkopf an.

Als vor rund 40 Jahren die Caritas-Sozialstation Liborius-Wagner durch die Kirchenstiftungen verschiedener Pfarreien im Schweinfurter Oberland gegründet wurde, übernahm er das Amt des Revisors.

Diese Projekte in seinem Ehrenamt waren oft von großer finanzieller Tragweite. "Aber da ich auch im Beruf Verantwortung hatte, war es für mich keine Schwierigkeit,", betont Ludwig Roßkopf. "Die Diözese hat mich immer unterstützt", das sei ihm sehr wichtig gewesen. Zudem habe die Kirchenverwaltung und der Pfarrgemeinderat immer hinter ihm gestanden, auch wenn es manchmal nötig gewesen sei, Überzeugungsarbeit zu leisten. Und er fügt an: "Man ist da auch hineingewachsen".

Stets stand ihm seine Frau zur Seite. Um sich um ihre drei Söhne zu kümmern, hat sie ihre Arbeit in der Bank aufgegeben, aber weiterhin ehrenamtlich die Buchführung für die Kirchenstiftung Schonungen übernommen. "Ich habe die einfacheren Arbeiten, wie Klingelbeutelgeld einzahlen, Rechnungen überweisen oder Kontoauszüge holen gemacht", so Heidemarie Roßkopf. Ihr beider Engagement wurde von der Diözese durch das Überreichen der Ehrennadel gewürdigt.

Sehr oft ging Ludwig Roßkopf als Kirchenpfleger die Treppe hoch zum Pfarrheim.
Foto: Roland Frühwacht | Sehr oft ging Ludwig Roßkopf als Kirchenpfleger die Treppe hoch zum Pfarrheim.
 
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