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Gerolzhofen
Verkaufsverbot für Feuerwerk trifft Pyrotechniker hart
Zu Silvester brummt bei Alexander Vollmann aus Gerolzhofen der Feuerwerksverkauf. Normalerweise. Was ihn überleben lässt und warum er der Branche dennoch eine Zukunft gibt.
Silvesterfeuerwerk über Gerolzhofen: Ein in der Steigerwaldstadt ansässiger Pyrotechniker hat nach dem zweiten Verkaufsverbot für Feuerwerkartikeln in Folge sein Ladengeschäft schließen müssen.
Foto: Waldemar Wiederer | Silvesterfeuerwerk über Gerolzhofen: Ein in der Steigerwaldstadt ansässiger Pyrotechniker hat nach dem zweiten Verkaufsverbot für Feuerwerkartikeln in Folge sein Ladengeschäft schließen müssen.
Michael Mößlein
 |  aktualisiert: 15.07.2024 09:59 Uhr

Das bundesweit geltende Verkaufsverbot für Silvesterfeuerwerkmag viele Menschen nicht freuen. Für Alexander Vollmann dagegen ist die wie im vergangenen Jahr mit der Corona-Pandemie begründete  Maßnahme ein heftiger Schlag ins Kontor. Der Inhaber der Gerolzhöfer Firma Pyrotechnix macht mit dem Silvesterfeuerwerk eigenen Angaben nach 90 Prozent seines Jahresumsatzes. Zum Jahreswechsel 2021/22 steht ihm in den Kassenbüchern erneut eine Nullnummer ins Haus – das zweite Jahr in Folge.

Eine Insolvenz drohe ihm zwar nicht, sagt der 33-Jährige. Doch die Reserven, die er in den Jahren vor Corona erwirtschaftet hat, seien zwischenzeitlich verpufft wie eine der Feuerwerksraketen, die er nicht nur verkauft, sondern als ausgebildeter Pyrotechniker auch selbst gerne in den Himmel schießt. Dabei ist sein Lager, das er in einem extra dafür zugelassenen früheren Armee-Bunker unterhält, gut gefüllt.

Das Lagern tut den Böllern gut

Die Bestände dort stammen noch aus einem Großeinkauf vom Februar 2020, kurz vor Ausbruch der Corona-Pandemie. So zeitig im Jahr musste er in China containerweise die Ware bestellen, die zu einem Gutteil für das Geschäft bestimmt ist, das er erst kurz vorm kommenden Jahreswechsel macht. In diesem Jahr hat Vollmann aber nur kleine Posten in Fernost bestellt, wohl wissend, dass er noch ausreichend Feuerwerksartikel vorrätig hat.

Anders als beispielsweise große Discounterketten, die Böller und Raketen bei den Herstellern in der Regel auf Kommission kaufen, hat das vergleichsweise kleine Unternehmen von Vollmann keine Möglichkeit, einmal bestellte Ware zurückzugeben. Vorausgesetzt, man hat einen geeigneten Lagerraum für den explosiven Stoff, stellt es kein Problem dar, Raketen und Böller notfalls auch mehrere Jahre liegen zu lassen. "Das Feuerwerk wird mit der Lagerung eher besser. Es knallt lauter und heller", sagt Vollmann. Grund hierfür sei, dass frische Ware vom Schiffstransport aus Übersee her noch zu viel Feuchtigkeit enthalte, die erst beim Lagern entweiche.

Kleinfeuerwerk darf verkauft werden

Für Vollmann bleibt allerdings das Problem, dass er das eingelagerte Feuerwerk einerseits natürlich längst bezahlt hat, ihm andererseits aber ein Großteil der kalkulierten Einnahmen fehlt. Zwar hatte er Ende 2020 das – wie auch dieses Jahr – weiter erlaubte Tischfeuerwerk für Kinder- und Jugendliche verkauft. Doch obwohl die Nachfrage groß war, war es für ihn "am Ende eher ein Draufleggeschäft", sagt Vollmann. Deshalb verzichtet er dieses Jahr auch auf diesen Verkauf.

Alexander Vollmann, ist Pyrotechniker und Inhaber der Firma Pyrotechnix in Gerolzhofen.
Foto: Archivfoto Norbert Vollmann | Alexander Vollmann, ist Pyrotechniker und Inhaber der Firma Pyrotechnix in Gerolzhofen.

Zwischenzeitlich hat Vollmann sogar sein Ladengeschäft in Gerolzhofen dichtgemacht. Auch seine eigene Versicherungsagentur, die er noch unterhalten hat, schließt. Ab Januar 2022 arbeitet er Vollzeit als angestellter Versicherungsfachmann. Seine im Jahr 2015 gegründete Pyrotechnik-Firma wird er dann nur noch nebenbei betreiben. Denn Vollmann will weiterhin nebenberuflich das ganze Jahr über professionelle Feuerwerke etwa bei Hochzeiten, Festen oder Firmenfeiern organisieren und durchführen. Dafür ist er zusammen mit drei freiberuflichen Pyrotechnikern deutschlandweit unterwegs und fast jedes Wochenende im Einsatz, wie er sagt. Zu Silvester möchte er allerdings auch künftig weiter Feuerwerk verkaufen. Eine Verkaufsstelle hierfür hat er bereits.

"Manche sparen das ganze Jahr dafür"

Wie groß der Anteil des Silvester-Verkaufs an seinem Jahresumsatz war, wird deutlich, wenn er schildert, dass es Kunden gibt, die bei ihm für sich alleine jeweils mehrere Tausend Euro allein für die Neujahrsnacht ausgeben. "Das ist für die ein Hobby, für das sie das ganze Jahr über sparen", sagt Vollmann.

Er erkennt einen Trend, der ihm zugute kommt. In den Jahren vor der Corona-Flaute hat der Pyrotechniker festgestellt: "Es gehen immer mehr Menschen zum Fachhändler, wenn sie Feuerwerk kaufen." Die Nachfrage nach "etwas Besonderem", nach Verbundfeuerwerken mit besonderen Effekten, steige. Deshalb sieht Vollmann auch nicht schwarz für die Zukunft seiner Branche und für sein Geschäft. "Feuerwerk ist für viele eine liebgewordene Tradition. Ohne Feuerwerk fehlt vielen etwas", ist er überzeugt. Deshalb glaubt der 33-Jährige auch nicht, dass es in absehbarer Zeit zu einem generellen Feuerwerksverbot in Deutschland kommen wird.

Verbot würde illegales Feuerwerk befeuern

Dies sei auch aus Sicherheitsgründen nicht wünschenswert, meint er. Denn die allermeisten Unfälle im Zusammenhang mit Feuerwerk passierten mit illegalen Böllern und Raketen, mit Einkäufen im Ausland, die nicht die hierzulande geltenden Sicherheitsstandards erfüllen. Viele Anrufer fragten zuletzt bei ihm an, ob er nicht doch Feuerwerk besorgen könnte, trotz Verkaufsverbots. Oder Anrufer fragten ihn ganz direkt, ob er ihnen nicht eine Quelle im Ausland nennen könne, wo sie online bestellen oder hinfahren könnten, um sich mit Böllern und Raketen einzudecken. Sollte Feuerwerk in Deutschland verboten werden, dann würde nur der Anteil dubioser Sprengkörper zunehmen, fürchtet Vollmann deshalb.

 
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  • R. H.
    Ja es stimmt, ein völliger Widerspruch in der Gesetzgebung zum böllern! Deshalb muss ab sofort das Feuerwerken zu Silvester durch Laien im öffentlichen Raum gänzlich verboten werden! Die Umweltbelastungen, der Frevel an der Tierwelt und die Folgekosten durch Unfälle und Brände die die Allgemeinheit tragen müssen, rechtfertigen ein solches Verbot. Wer auf ein solches schädliches Geschäftsmodel setzt ist selbst schuld, dafür habe ich kein Mitleid.
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  • P. M.
    Deutschland rettet die Welt! Millionen von qualifizierten Weltverbesseren geben ihren unqualifizierten Quark ab. Die Deutschen sind nicht umsonst im Ausland als Spaßbremsen und Depressionsweltmeister verschrien. Für manche mag es ja nur Lärm sein. Für Millionen ist es Ausdruck von Lebensfreude. Feinstaub? Dass ich nicht lache. Wir alle wissen, dass die so geliebten Holzkamine in Deutschland genausoviel Feunstaub produzieren, wie der gesammte Straßenverkehr. Also, sofort alle Kamine stillegen. Nein? Warum? Was den globalen Feinstaub betrifft, findet Deutschland mit 2% Anteil weltweit eigentlich gar nicht statt. Obwohl wir eine der führenden Industrienationen sind (waren). In China allein gibt es ca. 450 Kohlekraftwerke. Weitere 850 sind in den nächsten Jahren geplant. Feuerwerke generell verbieten trauen sich die Grünen aus machtpolitischen Erwägungen nicht. Also nimmt man Corona mit fadenscheinigen Begründungen um den Herstellern von Pyrotechnik so den Garaus zu machen.
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  • M. S.
    Immerhin hat dieser Mann noch ein zweite Standbein d.h. einen ordentlichen Beruf mit dem er seinen Lebensunterhalt in Vollzeit verdienen kann - dazu noch einen Nebenjob der gleichzeitig sein Hobby ist! Und immerhin hat er für seine Investitionen auch einen Gegenwert in Form von Feuerwerkskörpern die er allerdings momentan nicht zu Geld machen kann.
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  • O. S.
    Das menschliche Schicksal der Betroffenen in dieser Branche mag bedauernswert sein. Mich allerdings stört es überhaupt nicht, dass auch in diesem Jahr diese sinnlose Knallerei unterbleibt. Viele Haustiere und auch die Umwelt (Stichwort Feinstaub) sehen das genau so zwinkern
    Was einigen Menschen Spaß macht, bedeutet für viele Tiere Todesangst!
    Man kann auch das neue Jahr ohne sinnlose Ballerei begrüßen!
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  • M. S.
    @Soldier25: da geb ich ihnen Recht, die Pandemie war sicher eine Überraschung aber auch sonst stehen die Fahnen bzgl. von Feuerwerken schon länger auf Halmast - ich sag nur Feinstaub, Lärmbelästigung, Verletzungsgefahr, Brandgefahr.

    Schon vor der Pandemie haben viele Kommunen entsprechende Richtlinien verschärft etc.

    Scheint also eh nicht so zu sein als würden den Feuerwerkern ein blühende Zukunft beschwert sein.
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