Vor kurzem wurde ein rund drei Hektar großes angesätes Weizenfeld im Bereich der Hörnau umgebrochen. Der Acker dient künftig als eine der ökologischen Ausgleichsflächen, die das Landratsamt Schweinfurt im Zuge des Neubaus des Norma-Logistikzentrum verlangt hat. Dies empört den CSU-Stadtrat Burkhard Wächter. In der jüngsten Stadtratssitzung machte er seinem Ärger Luft.
Der russische Überfall auf die Ukraine, eine der Kornkammern Europas, und die damit einhergehenden Ernteausfälle werden laut Medienberichten mutmaßlich zu einer Hungersnot in den ärmeren Ländern der Welt führen. Jetzt habe die Ampelkoalition in Berlin auch noch eine Frist der Europäischen Union verstreichen lassen und somit bewusst darauf verzichtet, ökologische Vorrangflächen angesichts der neuen Situation ausnahmsweise für die Nahrungsmittelproduktion zur Verfügung zu stellen, kritisierte Wächter, der selbst Landwirt ist.
In Berlin gelte offensichtlich das Motto "Wir sind ein reiches Land und können uns das leisten, ungeachtet dessen, dass sich in den armen Ländern Hungersnöte ausdehnen", sagte Wächter. Viele andere Länder hingegen hätten derartige Bewirtschaftungsverbote aufgehoben und ermöglichten es so ihren Landwirten, mehr dringend benötigte Nahrungsmittel zu produzieren.
Weizenfeld bei den "Bullenäckern"
In Gerolzhofen gibt es nun aber sogar das genau Gegenteil: Statt ökologische Vorrangflächen vorübergehend für den Anbau von Nahrungsmitteln freizugeben, wurde ein angesätes und bereits keimendes Weizenfeld gegrubbert, um es aus der landwirtschaftlichen Produktion zu nehmen und dann für den Naturschutz zur Verfügung zu stellen. Das Feld – laut Wächter ist es drei Hektar groß – liegt im Bereich der "Bullenäcker" nördlich des Volkachbachs im Bereich der Hörnauer Seen, ist im städtischen Eigentum und war bis jetzt an einen Landwirt verpachtet. "Alle pflanzenbaulichen Maßnahmen für eine gute Ernte" seien vom Pächter der Fläche bereits erledigt worden.
- Hier zum Nachlesen: Die bisherige Berichterstattung zum Norma-Logistikzentrum
"Weshalb bricht man einen Weizenbestand drei Monate vor der Ernte ohne Not um? Haben wir jegliches Gespür für natürliche Abläufe und die Not armer Länder verloren?", echauffierte sich Wächter während der Stadtratssitzung. Und er rechnete vor: Drei Hektar erbringe einen Ertrag von 25.500 Kilo Weizen. Der Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland liege bei 83,6 Kilo. In ärmeren Ländern liege der Verbrauch bei maximal 70 Kilogramm Weizen pro Person und Jahr. "Mit dieser Fläche wäre also die Versorgung von 364 Personen mit dem Grundnahrungsmittel Weizen gewährleistet gewesen."
Während Bürgermeister Thorsten Wozniak – zumindest im öffentlichen Teil der Stadtratssitzung – auf die Vorwürfe Wächters nicht reagierte, erklärte er nun Mitte der Woche die aktuelle Sachlage auf Nachfrage dieser Redaktion: Die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt Schweinfurt habe für den Bau des Norma-Logistikzentrums an der Alitzheimer Straße ökologische Ausgleichsflächen gefordert. Diese Flächen werden mit einer speziellen Saatmischung eingesät und sollen Schutz bieten für Tierarten, die zuvor gutachterlich auf den Äckern festgestellt worden waren, auf denen jetzt das Logistikzentrum gebaut wird. Konkret handelt es sich dabei um die Feldlerche und um das Rebhuhn.
Stadt stellt Flächen zur Verfügung
Die Stadt Gerolzhofen war dem Norma-Konzern bei der durchaus schwierigen Suche nach solchen Ausgleichsflächen insofern behilflich, als dass sie Norma eigene, städtische Flächen anbot. Also eine Art von Wirtschaftsförderung. Norma nahm das Angebot an. Für das Bereitstellen der städtischen Äcker, die stillgelegt werden, zahlt Norma eine Gebühr und übernimmt auch die Kosten für die Landschaftspflege auf diesen Flächen, die von einer externen Spezialfirma ausgeführt wird. Zu diesen Flächen gehört auch der Acker, der mit Weizen angesägt war. Das Feld im Bereich der "Bullenäcker" habe sogar den großen Vorteil, dass es laut Umwelt-Experten gleichzeitig sowohl für die Lerche als auch für das Rebhuhn als Ausgleichsfläche zählt, so der Bürgermeister.
Das Ganze ist dann etwas unglücklich gelaufen. Eine der Vorgaben des Landratsamts Schweinfurt sei es nämlich gewesen, dass die neuen Ausgleichsflächen bereits schon angelegt sind, so Wozniak, bevor an der Norma-Baustelle die ersten Flächen versiegelt werden. Man habe aber längere Zeit auf der geplanten Ausgleichsfläche bei den "Bullenäckern" nichts machen können, weil es erstens zu feucht war und man zweitens keine freie Firma für das Einsäen mit der Spezialmischung gefunden habe. Gleichzeitig habe es auf der Baustelle des Logistikzentrum aber so große Baufortschritte gegeben, dass nun tatsächlich bei Norma die Zeit gedrängt habe, die ökologische Ausgleichsfläche endlich anzulegen. In der Zwischenzeit hatte der Pächter den städtischen Acker allerdings schon mit Weizen angesät.
Pachtvertrag wurde gekündigt
Im Pachtvertrag mit dem Landwirt sei festgelegt gewesen, dass der Vertrag jederzeit kündbar ist, erklärt der Bürgermeister. Weil die Zeit wegen des schnellen Baufortschritts drängte, habe man nun die Kündigung ausgesprochen und das Weizenfeld umgebrochen. Eine Teilfläche des Ackers sei bereits als Öko-Fläche neu eingesät. Für den Pächter habe das Ganze keine Nachteile, betont Wozniak. Im Vertrag sei festgeschrieben, dass der Landwirte für seine aufgewendeten Kosten eine Entschädigung erhält.
Auf der Baustelle des Logistikzentrums geht es unterdessen gut voran. In dieser Woche wurden bereits die ersten Betonstützen für die große Halle aufgestellt. Mit großen Schritten werden auch die ökologischen Maßnahmen umgesetzt. Westlich der geplanten Halle ist bereits ein schon gut gefüllter kleiner See entstanden, der künftig das auf den Dachflächen und den Straßen anfallende Regenwasser aufnehmen wird. In Absprache mit der Naturschutzbehörde soll das Wasser aus diesem Rückhaltebecken später auch dazu verwendet werden, um im Rahmen eines Pilotprojekts die Grünanlagen auf dem riesigen Norma-Areal zu bewässern, teilt der Gerolzhöfer Architekt Martin Giedl mit, der für die Planung des Logistikzentrums verantwortlich ist.
Wasser wird verdunsten
Neben dem See auf der Westseite des Geländes werde es noch mehrere Gräben und Wasserstellen geben, sagte Giedl. Im Bereich der Baustelle gebe es von Natur aus ein recht dichtes Erdreich, wo das Regenwasser nur sehr langsam versickern kann. Man habe sich in Absprache mit den Fachbehörden deshalb entschlossen, für das Oberflächenwasser möglichst große Flächen anzulegen, damit es auch verdunsten kann. Die Experten, so Giedl, gehen davon aus, dass wohl mehr Wasser verdunsten wird als in den Boden einsickern kann.
Wir haben einen Bürokratismus in den Ämtern und keine Menschen mit gesunden Menschenverstand. Da wird der Weizen welcher benötigt wird einfach umgepflügt statt dies im nächsten Jahr oder nach der Ernte zu machen . Dafür exportieren wir noch mehr
Weizen vom Ausland und lassen noch mehr ärmere Menschen verhungern .
Hauptsache eine Reform wird umgesetzt , egal ob sinnvoll oder völliger Quatsch .
Deutschland war einmal eine Land der " Dichter und Denker " und jetzt sind wir
zum Verwalter aller möglichen Reformen geworden .
Ist das nicht erschreckend ? ? ?