Sie zehrt, die Ausnahmesituation, die längst keine mehr ist, sondern eine Art Dauerzustand. Was Erwachsenen zu schaffen macht, ist für Kinder und Jugendliche mindestens genauso hart, wenn nicht härter, sagt Maria Albert-Wirsching. Die Leiterin des Jugendamts der Stadt Schweinfurt und ihr Team spüren deutlich, was die Krise mit Kindern und Jugendlichen macht. Und mit ihren Familien. Seit März 2020, dem Beginn der Corona-Krise, ist nichts mehr wie es vorher war. Mal Schule, mal Distanzunterricht, der mal besser, mal schlechter funktioniert, Phasen, in denen einiges möglich ist und solche, in denen Kontakte auf das Minimum beschränkt werden. Doch gerade persönliche Begegnungen sind für Kinder und Jugendliche wichtig – egal in welcher Altersgruppe.
Die Kleinen lernen von den Größeren, von anderen in der Kita. Größere Kinder brauchen Gleichaltrige, um sich selbst zu finden, Jugendliche den Kontakt zu anderen Teenagern, damit sie sich abkoppeln können von den Eltern. Gemeinsam lästern, chillen, sich mit anderen auseinandersetzen, auch wenn das nicht immer angenehm ist – für die Entwicklung ist das ein wichtiger Schritt, sagt Albert-Wirsching. Dass sich Begegnungen seit Monaten nun wieder fast nur noch digital abspielen, sieht sie zwiegespalten. Denn neue Medien ersetzen nicht den echten Kontakt, im Gegenteil. Manchmal lässt die digitale Welt Kinder und Jugendliche auch vereinsamen, Ängste bauen sich auf, Kontakte brechen ab. Und nicht zuletzt bleibt auch die Gefahr, dass die Kinder abdriften in die digitale Welt. Stichwort Computersucht.
Der Ausnahmezustand fordert alle Familien, betont die Jugendamtsleitern. Homeschooling, dass Eltern zu Aushilfslehrern werden müssen, die fehlende Möglichkeit von Freiräumen – all das fördert Konflikte. Und dort, wo Familien ohnehin belastet waren, schlage dies noch härter durch. Sozial und materiell schwachen Familien macht die Krise noch mehr zu schaffen als anderen. Manche können ihre Kinder nicht so fördern, wie sie es brauchen, viele werden abgehängt. Probleme wie psychische Belastungen bei den Eltern verschärfen sich, oft kommen Zukunftsängste dazu, wird es zum Beispiel durch Kurzarbeit auch finanziell knapp, ist die Vereinbarkeit von Beruf und Kind für Alleinerziehende noch schwieriger.
In vielen Familien liegen die "Nerven blank", weiß Albert-Wirsching. Gleichzeitig fehlen viele Teile des sozialen Netzes, das sonst manche auffängt und auch merkt, wenn etwas nicht stimmt. Nicht nur die Kinderbetreuung in Kita oder Schule, auch andere Gruppenangebote, über die Familien, Eltern und Kinder Hilfe finden, wenn es Probleme gibt. Diesen Schritt zu gehen, ist im normalen Alltag weit leichter, weiß die Leiterin des Jugendamts. Auch wenn man dort den Kontakt zu den betreuten Familien und Kinder hält. Die ganze Zeit der Pandemie über. Schon im April 2020 hatte das Jugendamt wieder für den Besucherverkehr geöffnet. Weil es ohne die persönliche Betreuung eben nicht geht, sagt Albert-Wirsching. Natürlich gibt es ein Hygienekonzept, wurden Plexiglasscheiben eingebaut, macht man vieles am Telefon oder als Videokonferenz. Aber manchmal muss es eben das persönliche Gespräch sein – oder die Hilfe direkt in den Familien durch sozialpädagogische Fachkräfte. Die Nachfrage bei Beratung und Unterstützung hat sich erhöht, das kann die Jugendamtsleitern schon jetzt feststellen.
Wenn der Kontakt zur Schule abbricht
Auch die Jugendsozialarbeiter an den Schulen sind weiter aktiv. Denn nicht in allen Familien funktioniert der Unterricht auf Distanz. Manchmal bricht sogar der Kontakt zwischen Schule und Kind ganz ab. In Absprache mit den Lehrern versuchen die Jugendsozialarbeiter die Kinder aufzufangen, die Probleme haben. Im Einsatz sind auch die pädagogischen Hilfskräfte. Und manchmal bleibe nur die Notbetreuung. In Schweinfurts Schulen, so Sozialreferent Jürgen Montag vor einer Woche, sind über 200 Schulkinder in dieser Notbetreuung.
Manchmal, sagt Albert-Wirsching schickt das Jugendamt die Kinder selbst in die Notbetreuung. Im Lockdown im Frühjahr 2020 waren es über 50. Der Grund: Kindeswohlgefährdung. Und jetzt? Der Ausnahmezustand seit November scheint für viele "noch schwieriger zu sein". Die Menschen sind erschöpft, sagt Albert-Wirsching. Dass es eine hohe Dunkelziffer gibt, was die Fälle von Kindeswohlgefährdung betrifft, davon geht Albert-Wirsching aber nicht aus. Allerdings, solche Fälle, könne es trotzdem geben. 2020 hat das Jugendamt der Stadt Schweinfurt 22 Kinder und Jugendliche aus ihren Familien genommen. 20 Prozent mehr als noch 2019. Nur leicht gestiegen, aber auf hohem Niveau war 2020 die Zahl der Meldungen wegen Kindeswohlgefährdung. 158 waren es 2020, fünf mehr als im Jahr davor.
Die Krise wird ihre Spuren hinterlassen
Die Krise wird bei Kindern und Jugendlichen ihre Spuren hinterlassen, das ist nach dem Gespräch mit Maria Albert-Wirsching deutlich. Ums mehr hofft sie darauf, dass die Coronazahlen weiter sinken, dass man bald wieder öffnen kann. Denn schon 2020 hat sich gezeigt: Bis Kinder wieder in der Normalität angekommen sind, dauert es lange.
Eltern und auch Kinder, die Hilfe suchen, können sich jederzeit an die Erziehungsberatungsstelle für Stadt und Landkreis wenden, Tel. (09721) 517888. Die Beratung ist telefonisch, als Videokonferenz und auch persönlich möglich. Die Berater unterliegen der Schweigepflicht.
Ob das der Psyche besser tut? Klar, besser als zu Hause Gewalt ausgesetzt zu sein. Aber das Gelbe vom Ei ist die Notbetreuung nicht.
Ich nehme an sie sind auch Kunde beim Kopp Verlag.
Vielleicht merkt der eine oder andere Teenager der viele Freunde hat was Einsamkeit bedeutet und geht auch mal auf andere zu die er vorher nicht beachtet hat obwohl er weiß das der betreffende keine Freunde hat.