Angefangen haben Sonia Mordenga und Guiseppe Tutino mit ihrem Unternehmen "Made in Sicily" ganz klein und ganz einfach. Auf Märkten im Umkreis, vor Geschäften in Schweinfurt, haben sie vergangenes Jahr angefangen, quasi aus ihrem Auto heraus vor allem Orangen aus ihrer Heimat Sizilien zu verkaufen. Sonia Mordenga schüttelt sich jetzt noch, wenn sie an die Kälte im Winter denkt, an den Schnee, an die klammen Finger und die kalten Füße. Das war schon ungewohnt. "Das einzige, was in Deutschland fehlt, ist die Sonne", sagt sie.
Orangenplantage in der Nähe des Ätna
Sonia Mordenga und Guiseppe Tutino haben es nicht bereut, ihre Heimat verlassen zu haben, um sich mit ihren zwei Kindern eine neue Existenz in Schweinfurt aufzubauen. Vor allem für ihre Kinder haben sie diesen Schritt getan, erzählen sie. Sie wollen ihnen eine bessere Zukunft bieten und sich etwas aufbauen.
Guiseppe Tutinos Familie hat in der Nähe von Catania eine Orangenplantage. Der Ätna sorgt für einen besonders fruchtbaren Boden. Tutino hört sich sehr traurig an, wenn er erzählt, wieviel investiert werden muss, bis eine Orange geerntet werden kann und wie wenig man dafür bekommt. "Wir haben sie so gut wie verschenkt", sagt er.
Sein Traum, seine Idee war, die Früchte selbst in Deutschland zu vermarkten. Das hat geklappt. "Die Leute sind begeistert." Tarocco rosso heißt die Orangensorte, sie hat tiefrotes Fleisch. Die Schale ist nicht gewachst, darauf legen beide Wert. So kann man auch die Schale verwenden, sagt Sonia Mordenga, die den Kundinnen und Kunden gerne auch mal Rezept-Tipps gibt. Neu für die zwei war übrigens, dass die Deutschen so gerne Orangensaft zum Frühstück trinken und sich den oft selbst pressen.
Kleiner Laden in der ehemaligen Bäckerei
Die beiden haben sich jetzt ein weiteres Stück von ihrem Traum erfüllt: ein kleines Geschäft. In der Segnitzstraße 28 am Hochfeld haben sie am 15. September "Made in Sicily" eröffnet. Mit den Marktständen wollen sie aber trotzdem weiter machen in einigen Wochen. Hier in der Segnitzstraße war früher eine Bäckerei, der Laden stand länger leer. "Schön, dass hier wieder was ist, wo man einkaufen kann", sagt eine Kundin am Eröffnungstag. "Es müssen ja nicht immer Handyläden sein." Eine andere Kundin meint: "Ein Laden mit Obst und Gemüse, das ist vor allem für die älteren Leute hier schön." Giuseppe und Sonia geben Tipps (auch auf ihrer facebookseite "Made in Sicily" , wie man was zubereitet , oder wie man am besten eine Kaktusfeige aufschneidet. "Ich probier' auch gerne mal was Neues aus", sagt eine Frau. Nur ein Junge ist nicht so begeistert, dass seine Mutter einen "Formaggio dolce", eine milde Käsesorte, mitnimmt. Er ist nämlich verrückt nach Gouda. "Du wirst sehen, der ist gut", meint Sonia Mordenga.
Wenn gerade keine Kunden im Laden sind, erzählen die beiden Sizilianer ein bisschen über ihren Weg. Nach Schweinfurt sind sie gekommen, weil sie ein paar Kontakte hier hatten, ein Verwandter hat hier gearbeitet. Wie haben ihre Familien reagiert, als sie erzählt haben, dass sie auswandern wollen? "Mein Vater hat gesagt, Du bist verrückt", erzählt Giuseppe Tutino. Ein Haus, die Arbeit im Familienbetrieb aufzugeben, in ein Land gehen, das man nicht kennt, dessen Sprache man noch nicht kann: das konnte seine Familie nicht gleich nachvollziehen. Sonia Mordengas Familie war etwas offener. "Die Deutschen sind doch so kühl", den Satz haben beide allerdings öfter in Sizilien gehört. Erlebt haben sie ihre neue Heimat nicht so. Im Gegenteil.
Klar, der Anfang war nicht einfach. Sprachkurse machen war schwierig unter Corona-Bedingungen. Die beiden haben das aber schon ziemlich gut gemeistert und sind fleißig am Lernen. Für die Kinder ist die neue Sprache kein Problem, sagen sie. In der Schule und im Kindergarten geht das flott. Die kleine Tochter zum Beispiel erklärt am Eröffnungstag in fließendem Deutsch, wie alles funktioniert und was es für Obst und Gemüse im Angebot gibt. Ein echtes Kommunikationstalent. Sie will auch sofort wissen, ob die Reporterin, die in der Nachbarschaft wohnt und sich freut, ein bisschen italienisch zu sprechen, Kinder hat. Wären ja Spielkameraden. Die Antwort "Nein, aber wir haben einen Hund" gefällt ihr nicht so.
Was die beiden schwer beeindruckt, ist wieviel netten Menschen sie in Schweinfurt begegnet sind, wieviel sie unterstützen, ihnen helfen. "Ich glaube an Gott", sagt Guiseppe Tutino. Er fühlt sich gesegnet und belohnt. Dass sich hier in Schweinfurt alles so gut fügt, sehen er und seine Familie mit großer Dankbarkeit. Die Schwierigkeiten am Anfang sind vergessen. Außerdem waren sie es wert, sagt er. Schließlich geht es ihnen um die Zukunft ihrer Kinder.