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Euerbach
Regenwasser im neuen Baugebiet in Euerbach: So wenig "wie ein Tropfen im Ozean"
Über einen bestehenden Regenwasserkanal im Altfeldweg in Euerbach soll das Oberflächenwasser im künftigen Baugebiet 'Am Steigholz' zum unterirdischen Rückhaltebecken (links des Weges) auf der Schäferswiese und dann weiter in die Euer geleitet werden.
Foto: Silvia Eidel | Über einen bestehenden Regenwasserkanal im Altfeldweg in Euerbach soll das Oberflächenwasser im künftigen Baugebiet "Am Steigholz" zum unterirdischen Rückhaltebecken (links des Weges) auf der Schäferswiese und dann ...
Silvia Eidel
 |  aktualisiert: 27.03.2025 02:38 Uhr

Baugebiete, die einfach zu erschließen sind, gibt es fast nicht mehr. Auch die geplanten Bauplätze oberhalb von Euerbach, "Am Steigholz", bereiten Schwierigkeiten hinsichtlich der Entwässerung. Zum beschlossenen unterirdischen Regenrückhaltebecken an der tiefsten Stelle des Dorfes, der Schäferswiese im Altort, hatten Anwohner ihre Bedenken bei der Gemeinde angemeldet. Bei einem Info-Abend sollten diese ausgeräumt werden.

Die Angst vor Wasser im eigenen Keller oder der Scheune trieb die etwa 30 Besucherinnen und Besucher im Rathaus um. Sie hatten sich daher mit vielen Fragen an die Gemeinde gewandt.

Noch einmal die geplante Entwässerung zu erklären und die Anwohner bei dieser Baumaßnahme mitzunehmen, war für Bürgermeisterin Simone Seufert nach eigener Aussage wichtig. Der Planer des Baugebiets, Matthias Kirchner, und der Betriebsleiter des Abwasserzweckverbands Obere Werntalgemeinden (AZV), Jürgen Seufert, stellten das Projekt deshalb noch einmal vor.

Denn die Bauleitplanung für das Baugebiet inklusive Bürgerbeteiligung ist bereits abgeschlossen, es besteht schon Baurecht. Allerdings wurde wegen der Einwände der Anwohner das Wasserrechtsverfahren noch nicht eingereicht, so Kirchner. Was das Baugebiet verzögert.

Getrennte Kanäle für Schmutz- und Regenwasser

Im Trennsystem, also getrennten Kanälen für Schmutz- und Regenwasser, müssen neue Baugebiete entwässert werden. Am "Steigholz" wird das Schmutzwasser über den bestehenden Mischwasserkanal im Altfeldweg abgeleitet. Das Regenwasser aus der Baugebietsfläche plus dem Außeneinzugsgebiet läuft schon jetzt über einen Regenwasserkanal im Altfeldweg, an den aber keine Gebäude angeschlossen sind, hinunter zur Euer.

Bevor künftig das Wasser aus dem Baugebiet in den Vorfluter "Euer" fließt, muss zu dessen Schutz ein Regenrückhaltebecken gebaut werden. Dieses steht normalerweise leer. Bei Regen wird das Wasser im Becken über eine Drosselklappe in kleinen Mengen dem Bach zugeführt.

Die unterirdische Beckenvariante soll im Bereich des Korbballfeldes an der Schäferswiese neben dem Bach liegen, mit verschweißten Kunststoffelementen, die wieder mit Erde überdeckt, bespielt und sogar befahrbar werden, sagte Kirchner. Ein Nutzvolumen von 363 Kubikmeter soll bereitgestellt werden, das Doppelte des Erforderlichen. Das Becken nehme keinen Retentionsraum weg, sondern schaffe zusätzlichen.

Im Baugebiet selbst ein Rückhaltebecken zu bauen, wie nachgefragt wurde, wäre angesichts der Größe von mindestens drei Bauplätzen und vor allem wegen des mangelnden Schutzes der Unterlieger nicht machbar.

Das Regenwasser wird nach bestimmten Kriterien bemessen. Aktuell liegt der natürliche Abfluss – aus den landwirtschaftlichen Flächen am Steigholz – im Regenwasserkanal bei 195 Liter pro Sekunde. Die Baufläche plus das halbe Außengebiet wird mit 281 Liter bemessen.

Die Differenz von 86 Liter habe keinerlei Auswirkung auf die Wasserspiegellinie bei Hochwasser, sagte der Planer, "wie ein Tropfen im Ozean".

Weniger Aufwand als die Pflege von offenen Erdbecken

Nachgefragt wurde, wie Absetzungen vor dem unterirdischen Becken verhindert würden. Absetzbecken in Schachtform müssten gebaut werden, sagte AZV-Betriebsleiter Jürgen Seufert. Zudem müssten die Blue-Boxen gespült werden. Was weniger Aufwand sei als die Pflege der offenen Erdbecken.

Bedenken, dass das Grundwasser durch die unterirdischen Behälter verdrängt werde und dann womöglich die Anliegerhäuser träfe, erteilte Matthias Kirchner eine Absage mit Verweis auf den gesättigten Lösslehm im Untergrund.

Das Becken ist derzeit in seinen Ausmaßen noch nicht geplant, erklärte er auf Nachfrage. Man könne dort aber wegen des Abflusses in die Euer nicht in die Tiefe, sondern müsse in die Fläche gehen.

Im neuen Baugebiet, das zunächst nur teilerschlossen wird und 13 Bauplätze bietet, gilt Zisternenpflicht mit neun Kubikmeter pro Grundstück, sagte der Planer. Was weiteres Wasser zurückhalte.

Woher und warum es überhaupt Hochwasser im Bereich der Schäferswiese und des Altortes gebe, wurde schließlich diskutiert und auch als Aufgabe für die Gemeinde thematisiert. Denn bei Starkregen laufe das Wasser vor allem aus den Bereichen Obbach, Kützberg und Sömmersdorf nach Euerbach hinein, erklärte die Bürgermeisterin.

Zum Schutz davor müssten bereits vor Obbach Flächen für Erdmulden oder Renaturierungen geschaffen werden, um das Wasser dort zu halten. Was aber bisher am Grunderwerb scheiterte. Einiges sei auch durch Renaturierungen an den Bächen vor Euerbach erreicht worden, wo sich der Biber breit mache.

Extreme Regenspitzen werde man nie in einen Kanal bringen, ergänzte Kirchner. Hochwasserschutz müsse um die Orte herum erfolgen.

Ein Hauptproblem bei Hochwasser in Euerbach machte Klaus Zirkel an der Brücke der B 303 über die Euer aus. Dort sei eine Engstelle, dort staue sich das Wasser zurück. Ein zweites Rohr unter der Straße hindurch könnte Abhilfe schaffen, meinte er. Die Gemeinde habe dort ein Dreieck-Grundstück, das eventuell als Retentionsfläche dienen könne, erwiderte die Bürgermeisterin.

 
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