zurück
SCHWEINFURT
Museum Otto Schäfer verändert sich
„Wir sind in der Lage, uns selbst eine ordentliche Zukunft zu schaffen.“ Jan Soldin, Leiter des  Museums Otto Schäfer in Schweinfurt, plant große Veränderungen.
Foto: Mathias Wiedemann | „Wir sind in der Lage, uns selbst eine ordentliche Zukunft zu schaffen.“ Jan Soldin, Leiter des Museums Otto Schäfer in Schweinfurt, plant große Veränderungen.
oli
 |  aktualisiert: 31.03.2025 02:33 Uhr

Das Gerücht war in Schweinfurt eine Weile im Umlauf, jetzt ist es bestätigt: Das Museum Otto Schäfer (MOS) wird seinen Sitz in der Judithstraße 16 aufgeben. „Im Grunde gibt es diese Überlegungen seit mehreren Jahren“, sagt Museumsleiter Jan Soldin. Denn das bisherige Haus, eine umgebaute Privatvilla, sei nie als Museum gedacht gewesen. Tatsächlich hieß das 1991 eröffnete Haus in den ersten Jahren „Bibliothek Otto Schäfer“ – ein Hinweis auf die erste Priorität des Namensgebers: Otto Schäfer (1912-2000) kam es vor allem auf Erhaltung und Erforschung seiner Sammlung an. 2017 übergab sein Sohn Otto G. Schäfer (1937-2017) das Gebäude samt Sammlung plus ein Geldvermögen im siebenstelligen Bereich an die Otto Schäfer Stiftung der Stadt.

Der Industrielle Otto Schäfer (FAG Kugelfischer), Halbbruder des Bildersammlers Georg Schäfer (1896-1975), hatte ein Leben lang illustrierte Bücher und Druckgrafik vom 15. bis 20. Jahrhundert zusammengetragen und so die bedeutendste Privatsammlung von Albrecht-Dürer-Blättern geschaffen. Die Sammlung illustrierter Bücher enthält knapp 1000 Titel, darunter über 500 Ausgaben aus dem 16. Jahrhundert und weit über 200 aus dem 15. Jahrhundert wie Blockbücher und Einblattdrucke. Etliche Drucke gelten als Unikat. Hinzu kommen Erstausgaben deutscher Literatur und eine umfassende Fachbibliothek.

Wasserschäden durch das Flachdach

Das Gebäude in der Judithstraße 16, das heute unter dem Namen „Kulturvilla Museum Otto Schäfer“ firmiert, wurde in den 1960er-Jahren als Wohnhaus für Otto G. Schäfer errichtet und 1990/91 zum Museum mit Depoträumen, Lesesaal und Verwaltungstrakt umgebaut. Nun ist die Villa in die Jahre gekommen. Das Flachdach verursacht Wasserschäden, Licht- und Klimatechnik sind veraltet. Außerdem entsprechen die Fluchtwege nicht den Vorschriften. Generalsanierung oder Umzug, lautete die Frage. Bei einer Generalsanierung hätte das Haus seinen Bestandsschutz verloren, so Soldin. Das hätte „einen Rattenschwanz“ (Soldin) weiterer Arbeiten nach sich gezogen, etwa beim Brandschutz. Also ging man auf die Suche nach einem geeigneten neuen Gebäude. Optionen in der Innenstadt habe man verwerfen müssen. Fündig wurde man auf dem Gelände der ehemaligen Ledward-Kaserne. Das Areal ist seit dem Abzug der US-Army ein Entwicklungsgebiet. Für viele Bauten haben sich neue Nutzungen gefunden, im Gebäude Ledward 212 bietet jetzt die Musikschule einen Teil ihrer Fächer an. Der äußerlich identische Bau 213 nebenan im Johann-Modler-Weg könnte der neue Sitz des Museums Otto Schäfer werden.

Der Bauzustand in der Judithstraße sei nur einer von vielen Gründen, die für einen Umzug sprechen, sagt Kunsthistoriker und Ausstellungsmacher Soldin. In der Villa gibt es kaum Wandfläche, um Bilder aufzuhängen. Die Exemplare der Dauerausstellung zur Druckkunst sind einzeln in Vitrinen präsentiert, die wiederum in die verglasten Bücherregale integriert sind. So ist es praktisch unmöglich, eine zusammenhängende Geschichte zu erzählen. Es gibt viel Fläche, aber wenig davon ist nutzbar, weil die Grundrisse unpraktisch sind. Es gibt keinen richtigen Vortragsraum, bei Veranstaltungen müssen die Stühle mühsam herangeschleppt werden.

Nachteile, die sich alle in einem Quasi-Neubau beheben ließen. Das Erdgeschoss von Bau 213, im Eigentum der Stadt Schweinfurt, könnte mit einer Grundfläche von rund 700 Quadratmetern nach den Vorstellungen des Museums umgebaut werden. Die massive Bauweise mit dicken Außenmauern und nur einer tragenden Wand in Inneren erlaube größtmögliche Flexibilität bei der Raumgestaltung, sagt Jan Soldin.

„Unsere Verantwortung ist es, die Sammlung zu erhalten, und nicht die Judithstraße ständig zu sanieren.“
Museumsleiter Jan Soldin

Dem Museumsleiter schweben offene Räume und eine Kombination aus Schau-Depot und Ausstellung vor: die Einbände der wertvollen Folianten als eindrucksvoller Hintergrund, dazu große Vitrinen, in denen sich mit unterschiedlichen Medien die Geschichte der Druckkunst erzählen ließe. „Natürlich bleiben wir immer ein Orchideenmuseum“, sagt Soldin. „Aber wir haben einiges zu bieten.“ Das zeige die Tatsache, dass die Dürer-Sammlung im Frankfurter Städel, im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg und in Südkorea zu Gast war. 2026 wird sie in voller Schönheit im Museum Georg Schäfer zu sehen sein.

Endgültig besiegelt sind Umbau und Umzug zwar noch nicht. „Die Stiftung hat aber beschlossen, das Gebäude konkret ins Auge zu fassen und auf Herz und Nieren zu prüfen“, so Soldin. Derzeit seien Architekten, Statiker, Sicherheits- und Brandexperten dabei, Machbarkeit und Kosten zu eruieren. Sollten die Prüfungen positiv ausfallen, werde sich „in den nächsten fünf Jahren“ etwas tun. Bezahlt werden soll der Umzug mit Fördermitteln und einem Griff ins Stiftungsvermögen, das sich schnell wieder erholen soll. Soldin rechnet mit einem Betrag „im niedrigen siebenstelligen Bereich“. Gleichzeitig werde ein Wertgutachten für die Judithstraße erstellt – ein Verkauf oder eine Vermietung könnte bei der Finanzierung des Umzugs helfen.

Jan Soldin weiß, dass es Schweinfurter gibt, die am alten Standort hängen. Die Familie Schäfer, vertreten im Kuratorium der Stiftung, habe aber keine Einwände gegen ein neues Kapitel für das Museum. „Otto Schäfer hat uns die Sammlung geschenkt. Unsere Verantwortung ist es, sie zu erhalten, und nicht die Judithstraße ständig zu sanieren.“ Der neue Standort eröffne nun die Chance, das Museum aus eigener Kraft und mit eigenen Mitteln weiterzubetreiben.

 
Themen & Autoren / Autorinnen
Schweinfurt
Bauweisen
FAG Kugelfischer
Fachbibliotheken
Museum Georg Schäfer
Museum Otto Schäfer
Museumsleiter
Stadt Schweinfurt
Stadtkultur Schweinfurt
Städel Museum
US-Armee
Wohnhäuser
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden Jetzt registrieren

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits von 50 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen
Kommentare
Aktuellste
Älteste
Top