
Passend zum beginnenden Frühling geht es in der neuen Ausstellung im Museum Otto Schäfer um die Natur, aber genauso deren Beeinflussung durch den Menschen. Die Münchner Künstlerin Stefanie Hofer präsentiert ihre teils sehr großformatigen Radierungen unter dem Titel „Schöne Aussichten!“. Ein vielfältiges Begleitprogramm von Kursen bis Konzerten begleitet die Schau. Das Museum lockt zur eintrittsfreien Ausstellungseröffnung am Sonntag, 6. April, um 18 Uhr mit einer Einführung durch den Museumsleiter Jan Soldin, musikalischer Begleitung und einem Weinempfang.
Stefanie Hofer, geboren 1974, interessieren die ästhetischen, soziologischen und ökologischen Aspekte gestalteter Landschaft. Diese erinnern teils an eine gezielt durch den Menschen geformte Umwelt, teils an „Lost-Places“, also Orte, die der Mensch einst formte und die die Natur langsam zurückgewinnt. Diese gegenseitigen Beeinflussungen bilden eine ganz eigene Ästhetik, die aber stets aufzeigt, wie eng Mensch und Natur verbunden sind – selbst bei der Darstellung alter Industriearchitekturen, deren ästhetische Qualitäten Stefanie Hofer dann erkennt, wenn dort längst keine Arbeiter mehr tätig sind.
Der Mensch beeinflusst die Natur und die Umwelt die Lebenswelt. Ähnlich mehrschichtig wie diese Beziehungen ist der Ausstellungstitel „Schöne Aussichten!“ zu lesen: Von der Freude über die vorgefundenen, höchst individuellen Landschaften bis hin zur Machtlosigkeit des Menschen, wenn die Natur ihren Platz zurückfordert und eine ganz neue Ästhetik formt.
Es geht Hofer dabei nicht ums fotografische Abbilden menschen- oder naturgeprägter Landschaftsformationen. Sie bringt sich selbst ein und komponiert ihre Bilder aus Skizzen von tatsächlichen örtlichen Gegebenheiten, fügt aber genauso Elemente hinzu oder lässt sie bewusst weg. Auch sie verwandelt die Landschaft und erhebt sich damit über fotografische Dokumentationen.
Gekonnter Realismus in den Radierungen
Dennoch liegen ihr Träumereien und überbordende Fantasien fern: Die Künstlerin greift nur ein, wo es sinnvoll erscheint. Viele Ausstellungsbesuchende fragen stets, wo denn die Orte seien, die sie darstellt, berichtet Hofer im Gespräch. Dann hüllt sie sich lieber in Schweigen, denn es geht ihr eben nicht um die reine Abbildung. Der große Realismus, den sich Hofer trotzdem beibehält, ist eine technische Meisterleistung. Die Münchnerin hat sich auf eine Technik spezialisiert, die treffend ins Museum für Grafik und Buchkunst passt: Die Radierung. Bis zu zwölf Farbschichten mit unterschiedlichen Grautönen sind nötig, um ihre teils sehr großformatigen Motive mit der entsprechenden Licht- und Schattenwirkung einzufangen. Ein eigener, kleiner Ausstellungsbereich zeigt im Museum Otto Schäfer deshalb auch, wie diese hochkomplexen Grafiken entstehen.
Vielleicht hilft Hofer bei ihrer geduldigen Arbeit mit der Natur auch ihre Ausbildung an der Berufsfachschule für das Holzbildhauerhandwerk München, die sie 1998 abschloss. 2009 folgte dann ihr Staatsexamen an der Akademie der Bildenden Künste München, wo sie bis 2015 noch ein Diplom mit Auszeichnung als Meisterschülerin von Karin Kneffel anschloss.
Zuletzt gewann sie mit ihrer Arbeit den Karl-Krug-Preis für Druckgrafik der Leipziger Grafikbörse und ist aktuell in den Gruppenausstellungen „Printed Matter“ (Galerie der Künstler München), „Eine Reise in den Garten“ (Museum Villa Rot) sowie der Einzelausstellung „Scene and Scenery“ im Kunstverein Junge Kunst Trier zu sehen. Die Ausstellung läuft bis Sonntag, 5. Oktober.
Mensch und Natur im Begleitprogramm
Tiefer in die Geschichte zurück geht der Kunsthistoriker Michael Bucher, der am Samstag, 12. April, um 14.30 Uhr seine Sonderführung zu „Kräutern und Pflanzen“ in historischen Drucken anbietet (Karten 8,50 Euro). Vergangenheit und Gegenwart verbinden die Künstlerin Ronni Zettner und der Museumsleiter Jan Soldin am Donnerstag, 8. und Freitag, 9. Mai, ab 18.30 Uhr: Der zweiteilige Kurs geht in Geschichte, Theorie und anschließend zeichnerischer Praxis auf die künstlerische Konstruktion von Landschaften ein. (Karten 16 Euro für beide Tage). In den Pfingstferien können dann die jüngeren Naturfreunde kreativ werden: Für 10-13-Jährige bietet Ronni Zettner am Dienstag, 17. und Mittwoch, 18. Juni, von 14 bis 17 Uhr das zweitägige Ferienprogramm „Meine geheime Welt – Lost Places“ an (Karten 12 Euro für beide Tage).
Vollständiges Begleitprogramm unter www.museumottoschaefer.de. Karten über den Online-Shop sowie an der Museumskasse zu den Öffnungszeiten Di. bis So., von 13 bis 17 Uhr. Postalische Bestellung unter info@museumottoschaefer.de oder Tel. (09721) 3870970, (Service- und Versandpauschale 2 Euro je Bestellung).