
Der Kulturverein Markt Stadtlauringen e. V. veranstaltete eine eindrucksvolle Theateraufführung im Schüttbau Stadtlauringen. Zu Gast war die Theatergruppe "Meine Leute" der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e. V. unter der Regie von Katharina Martin-Virolainen. Ziel des Stücks, das auch "Meine Leute" heißt, war es, Aufklärung zu leisten und einen tiefen Einblick in das bewegte Schicksal der Deutschen aus Russland zu geben.
Mit einer mitreißenden Mischung aus historischen Szenen und emotionalem Spiel spannte das Ensemble einen Bogen über mehrere Jahrhunderte. Das Stück begann im Jahr 1762, als Zarin Katharina die Große – selbst als Deutsche geboren – ihre berühmten Worte sprach "Lasst meine Leute zu mir kommen." Sie lud deutsche Siedler ins unbesiedelte Wolgaland ein. Doch was folgte, war für die ersten drei Generationen eine harte Zeit. Es hieß, die erste Generation erfuhr den Tod, die zweite die Not, die dritte erst Brot.
Nach dem Tod der Zarin nimmt das Stück einen berührenden Zeitsprung: 1942 kehrt sie als Engel auf die Erde zurück und findet ihre einstigen Siedler in einem von Elend, Hunger und Unterdrückung geprägten Leben wieder. Im Stalin-Regime galten Deutsche als Verräter – viele wurden in Lager verschleppt.
Der nächste Zeitsprung führt ins Jahr 1989, in die Sondersiedlung Kamenka. Obwohl die Rückkehr nach Deutschland möglich wurde, begann für viele eine neue Identitätskrise. Die junge Generation fühlte sich erneut fremd. Namen wie "Swetlana" wurden zur Zielscheibe von Vorurteilen. Akademische Abschlüsse wurden nicht anerkannt, Lehrerinnen wurden zu Putzfrauen, Ingenieure zu Fließbandarbeitern. Und doch: Alle Generationen zeichnet eines aus – Hoffnung und der Wille, für ihre Kinder eine bessere Zukunft zu schaffen.
Besonderer Gast des Abends war Olga Baluyev, Vorsitzende der LmDR Orts- und Kreisgruppe Schweinfurt. Sie zeigte sich sichtlich bewegt von der Aufführung und bedankte sich herzlich bei allen Beteiligten.
Von: Simone Schodorf (Schriftführerin, Kulturverein Markt Stadtlauringen e. V.)
