
Wenn eine Landesbehörde fränkischer Volksfrömmigkeit und Spiritualität ein Denkmal setzt, klingt das naturgemäß prosaisch. D-6-78-168-136 lautet die "weltliche" Nummerierung der Kützberger Lourdesgrotte, die mit Bescheid vom 25. Februar in die Denkmalliste eingetragen worden ist, als: "Tuffsteingrotte mit Marienfigur, 1894, daneben Gedenkinschrift `Maria hat geholfen´ (der Überlieferung nach für die aus Kriegsgefangenschaft zurückgekehrten Soldaten), 1954." Das bedeutet Fördermöglichkeiten und Veränderungssperre, aber auch Anregung für weitere Nachqualifizierungen im Kreis, nach der großen Denkmalerfassung der 70er.
Guido Spahn, Diplomtheologe, Kreisheimatpfleger und Kützberger, hat eine besondere Beziehung zum Kleinod auf dem Marienberg – gerade weil die Grotte nicht durch bischöfliche Urkunden oder sonstige kirchenrechtliche Anordnung hervorgehoben ist. Es sei einfach ein "locus sacer", findet Spahn, ein heiliger Ruheort für die Seele, an dem sich seit 130 Jahren Gläubige zur Andacht einfinden, Blumen oder Kerzen vorbeibringen: am nördlichen Ortsrand, von Wohnbebauung umgeben.
Aufgestellt wurde die Maria in Blau und Weiß im Königreich Bayern, als Pfarrer noch formal durch Prinzregent Luitpold ernannt worden sind. Zu dieser Zeit (1892 - 1897) war das Peter Mahlmeister, Ideengeber könnte Ludwig Ottenweller gewesen sein, der 1875 bis 1891 Ortsgeistlicher war. 1928 hat der Sulzthaler "Vergolder" Franz Benkert die Gipsfigur renoviert, im Auftrag eines ungenannten "Kützberger Burschen". Spahn erinnert daran, dass die Grotte zugleich Kriegerdenkmal ist. Im Jahr 1954, als das Thema "Heimkehr aus der Sowjetunion" in aller Munde war, ließ Ortslehrer Adolf Heinzel eine Gedenktafel anbringen, im Sinne der Überlebenden zweier Weltkriege: "Maria hat geholfen".

Im letzten Herbst hat Guido Spahn sich, zusammen mit anderen Ortsbürgern, an das Landesamt für Denkmalpflege gewandt, mit der Bitte um Denkmalschutz für den Andachtsort Richtung Poppenrothhöhe. Auch die Anerkennung ist eine Gemeinschaftsleistung. Als solche hatte 1974 Heimatforscher Michael May schon die Stiftung der Grotte bezeichnet.
"Franken war immer ein Zentrum der Marienverehrung", sagt Spahn. Dazu gesellte sich die Verehrung für den Wallfahrtsort Lourdes, wo 1858 das bitterarme okzitanische Bauernmädchen Bernadette Soubirous der Himmelskönigin begegnet sein wollte. In einer Grotte der Vorpyrenäen soll ihr eine "weiße Dame" erschienen sein und sich als "Maria Immaculata", die unbefleckte Muttergottes, offenbart haben. Bernadette wurde Ordensschwester und 1933 heiliggesprochen.
Ihre Visionen trafen ein Herzensanliegen der katholischen Kirche, die sich durch Aufklärung und Revolutionen herausgefordert sah. Vier Jahre zuvor hatte Papst Pius IX. das Dogma der unbefleckten Empfängnis Mariens verkündet: Die Muttergottes selbst sollte bereits ohne Erbsünde zur Welt gekommen sein, durch ihre Mutter Anna.

In der Zeit "unromantischer" Industrialisierung, der Verehrung von Wissenschaft, Fortschritt und Technik, durch neue, oft schon schwerreiche Eliten, bot die Maria von Lourdes Halt für das einfache Kirchenvolk auf dem Land. Erst 1883 hatte Stadtpfarrer Karl Link, unter dem Eindruck einer Wallfahrt nach Südfrankreich, seine berühmte Lourdesgrotte bei Zeil am Main errichtet. 1894 startete dort der Bau des Zeiler Käppele.
Zu dieser Zeit begannen auch die Kützberger, Ramsthaler Tuffstein auf ihre Anhöhe zu fahren, für die Grotte, was eine ziemliche (Glaubens-)Anstrengung war. Es ging anderthalb Stunden lang mit dem Gespann durch Feld und Flur, vermutet Spahn. Der Blick vom damals unbebauten Marienberg aus muss grandios gewesen sein. Die benachbarte "Weinbergstraße" erinnert zudem daran, dass in der Umgebung einmal Rebstöcke gestanden haben. Spätestens die um 1900 aus Amerika eingeschleppte Reblaus bereitete dem allfränkischen Weinbau ein Ende. Der fein lächelnden Kützberger Maria konnten die Stürme der Zeit wenig anhaben: "Sie hat schon Charme", sagt Heimatpfleger Spahn.