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Niederwerrn
Jüdische Spuren in Niederwerrn
Bearbeitet von Jochen Jörg
 |  aktualisiert: 04.04.2025 02:40 Uhr

Am 21. und 22. März richtete die Evangelische Kirchengemeinde Niederwerrn ein ganz besonderes Gemeindeprojekt aus: Unter dem Titel „Jüdische Spuren in Niederwerrn“ luden drei Veranstaltungen dazu ein, sich auf vielfältige Weise mit der jüdischen Geschichte des Ortes auseinanderzusetzen – und dabei auch die Gegenwart im Blick zu behalten, schreibt die Kirchengemeinde in einer Pressemitteilung.

Der Auftakt am Freitagabend stand ganz im Zeichen der Musik. Hannah Lichtinger und Franka Böhm brachten Klezmerklänge in die Kirche – jüdische Musik, gespielt von Christinnen, die gerade deshalb ihre Musik mit einer klaren Haltung gegen Antisemitismus und für gelebte Gemeinschaft zwischen jüdischen und christlichen Mitbürgern und Mitbürgerinnen verbinden. Neben den fröhlichen und tiefgehenden Melodien wurde gemeinsam gesungen. Die Botschaft des Abends war klar: Musik kann verbinden, Herzen öffnen und dabei helfen, Vorurteile zu überwinden. Es ging um Frieden, Lebensfreude und eine offene Haltung gegenüber der Welt – um ein fröhliches statt verbittertes Herz.

Am Samstagnachmittag folgte ein Vortrag zur jüdischen Geschichte Niederwerrns, gehalten von Pfarrer Dr. Oliver Gußmann vom BCJ Bayern (Begegnung von Christen und Juden). Viele Bürger kamen, um mehr über die reiche Geschichte des jüdischen Lebens in ihrem Ort zu erfahren. Mitgebracht wurde eine Auswahl an Literatur aus der Dorfbibliothek, die regen Anklang fand: Noch lange nach dem Vortrag wurde an den Büchertischen gelesen, diskutiert und nachgefragt. Gußmann sprach in seinem Vortrag auch über den Umgang mit der „Steinsituation“ – dem Zustand, dass jüdisches Leben heute nur noch in Gebäuden, nicht aber in gelebter Präsenz existiert – und machte Mut, diese Orte als lebendige Erinnerungsorte zu gestalten.

Den Abschluss bildete ein festlicher Gottesdienst, gehalten von Vikar Philipp Böhm, der auch die Projektleitung innehatte. In seiner Predigt stellte er eindrücklich dar, wie die heutigen Nutzungen der ehemaligen jüdischen Gebäude ein Zeichen von Wertschätzung und Verantwortung setzen: Die Ortsbibliothek, die heute in der ehemaligen Synagoge untergebracht ist, steht für Bildung, Gemeinschaft und Kultur – Werte, die im ursprünglichen Sinne einer Synagoge weiterleben. Und auch das Rathaus, das sich in der ehemaligen jüdischen Schule befindet, steht nun für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit – ein starkes Zeichen für die Zukunft.

Das Fazit der Kirchengemeinde: Das Projekt „Jüdische Spuren in Niederwerrn“ habe gezeigt, wie wichtig es ist, die Vergangenheit nicht nur zu erinnern, sondern sie bewusst in die Gegenwart zu tragen. Mit Musik, Wissen und geistlicher Tiefe wurde an diesem Wochenende ein lebendiger Beitrag gegen das Vergessen und für das Miteinander geleistet.

 
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