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Schweinfurt
Erfüllende Fleißarbeit bei den Fudderbägglibaggern
Fleißig am Packen: Ein Teil des Bägglibaggerstammtischs, bestehend aus Gabriele Hufnagel-Kneup, Christine Bardolf, Dieter Bauer, Erika Christ-Roth, Stefan Düring, Gabriele Gößmann, Sabine Hagen, Jennifer Heuß, Hubert Krämer, Karin Krämer, Katharina Kurzawski, Inge und Günther Mädler, Anja Müller, Petra Niklaus, Gerhard Popp, Karin Schmid, Jutta Schneider, Claudia Shaughnessy, Peter Stößel und Ralf Wiertelorz. Mit Eimer dabei: Florian Dittert als Chef der Wildparkfreunde.
Foto: Uwe Eichler | Fleißig am Packen: Ein Teil des Bägglibaggerstammtischs, bestehend aus Gabriele Hufnagel-Kneup, Christine Bardolf, Dieter Bauer, Erika Christ-Roth, Stefan Düring, Gabriele Gößmann, Sabine Hagen, Jennifer Heuß, Hubert ...
Uwe Eichler
 |  aktualisiert: 27.03.2025 02:38 Uhr

Sich der Natur nahe zu fühlen, ist einfach, am Stadtrand. Schon mit einem Euro ist man dabei, im Wildpark an den Eichen. Dann darf man sich als stolzer Besitzer einer verführerisch raschelnden Futterpackung fühlen, frisch aus dem Automaten. Der junge Damhirsch nebenan äugt misstrauisch, beim Selbstversuch des Reporters, merkt aber schnell, dass es Leckerli gibt. Der dankbare Wildtierblick ist Lohn genug, plus "Kuschelhormon" Oxytocin, das laut Wissenschaft beim Tierestreicheln aktiviert wird. Nett zu Vierbeinern zu sein, soll auch die sonstigen sozialen Bindungen stärken, vor allem, aber nicht nur bei Kindern.

Gemeinsam nett zu Tieren zu sein, das ist der Ansatz der "Fudderbägglibaggerbande". Der rührige Stammtisch hat sich an diesem Tag hinter dem Park-Bauernhof zusammengefunden, um Pellets in Schachteln zu füllen, jeweils etwa 90 bis 100 Gramm. Darüber kommt ein Klebestreifen, damit sich im Automat nichts verkantet. Einmal im Monat, zwischen 13 und 16 Uhr, bei Bedarf auch öfters, treffen sich die Packerinnen und Packer.

Arbeiter werden entlastet

Florian Dittert, Vorsitzender der Wildparkfreunde, schaut an diesem Tag vorbei, um Danke zu sagen, auch im Namen von Wildparkleiter Thomas Leier. Nach seiner Rechnung bringt es der Stammtisch bereits auf über tausend Helferstunden, inklusive Heimarbeit: "Jedes Jahr kommen an die 50.000 Euro Erlös für den Wildpark zusammen". Das ehrenamtliche Falten und Füllen trägt dazu bei, dass der Eintritt weiterhin frei ist und die Arbeiter entlastet werden. Nicht zuletzt gehe es darum, dass die Tiere nicht mit irgendwelchem Zeug gefüttert werden, das tödlich sein kann. Grüne Tafeln am Gehege bedeuten, sie dürfen das Päckchenfutter bekommen, bei roten Warnschildern muss es in den Schachteln bleiben. Der Oxytocinrausch, der offenbar manche Besucher beim "wilden" Füttern befällt, ist ein altes Problem: Am Eingang wird Brot gesammelt (bevor es bei den Vierbeinern landet), auch Nüsse für die Papageien sind ein "No-Go".

Gestartet wurde der Stammtisch in der Coronazeit. Im Sommer 2021 war der Ansturm auf den Wildpark derart groß, dass die Wildparkfreunde ihre Mitglieder zum außerordentlichen "Fudderbägglesbaggn" im August aufrufen mussten. Nach einer Woche war bereits das nächste Zusammentreffen nötig, ob der schieren Nachfrage.

Von Gabriele Hufnagel-Kneup, die mit ihrem Mann Dieter die Organisation übernommen hatte, kam die Idee, einen Stammtisch zu gründen. Zu den "Baggern" der ersten Stunde zählen Hubert Krämer, Christine Bardolf und Peter Stößel, als Beirat der Verbindungsmann zwischen Förderverein und Parkleitung. Bei den nachmittäglichen Treffen werden tausende Fudderbäggli hergestellt. Für die Menschen gibt es dazu Elchkekse und Kaffee. So um die 120.000 Schachteln wurden bislang in Heimarbeit gefaltet, weitere 30.000 an der langen Bank. Der Tagesrekord des Stammtischs liegt bei 5300 Päckchen, für den Kiosk und die Automaten.

Mais und Körnerfutter

Den Inhalt der Bäggli schieben sich insbesondere die Kleinziegen gerne in die Bäckli. Früher bekamen die Hörnerträgerinnen Mais und Körnerfutter, was mit Blähungen verbunden war: "Ziegen fressen und fressen", hat Hubert Krämer festgestellt. Der Rentner, Jahrgang 1946, packt kräftig mit an, bei den Kisten ebenso wie den schweren Pelletssäcken vom Großlieferanten.

"Wir haben uns alle durch die Wildparkfreunde kennengelernt", sagt Peter Stößel. Daraus ist ein Selbstläufer geworden, mit gemeinsamen Freizeitaktivitäten, etwa an Weihnachten. Es ist eine bunte Combo, die mit anpackt, nicht nur aus Schweinfurt, sondern auch aus Ortschaften wie Obertheres oder Untereuerheim. Zwei Neuzugänge werden an diesem Tag ebenfalls begrüßt. Die überwiegende Zahl der Tierfreunde sind Rentner, aber auch Kinder basteln gerne mit. Der Wille zur guten Tat ist ungebrochen: "Wir machen noch a weng", verspricht Gabriele Hufnagel-Kneup.

Einer, der seit Beginn mit (an)packt: Hubert Krämer.
Foto: Uwe Eichler | Einer, der seit Beginn mit (an)packt: Hubert Krämer.
Die treuesten Fans der Fudderbäggli: Gabriele Hufnagel-Kneup beim Testen der Futterpäckchen bei den Ziegen.
Foto: Uwe Eichler | Die treuesten Fans der Fudderbäggli: Gabriele Hufnagel-Kneup beim Testen der Futterpäckchen bei den Ziegen.
 
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