
Sind Batteriespeicher die Antwort auf die Herausforderungen der Energiewende? Mit dieser Frage hat sich das 2. Regionale Energietechnik-Symposium des Instituts für Energie- und Hochspannungstechnik (IEHT) an der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) beschäftigt. Gemeinsam mit Professorinnen, Professoren und Studierenden diskutierten Netzbetreiber, Stadtwerke, Kommunen und Schulen sowie ein Vertreter der Bundesnetzagentur. Die nachfolgenden Informationen sind einer Pressemitteilung der THWS entnommen.
Prof. Dr. Anatoli Wellhöfer präsentierte zum Auftakt aktuelle Grafiken zur Erzeugung aus erneuerbaren Energien: Während an sonnigen Tagen der vergangenen Wochen die Energieversorgung Deutschlands abschnittsweise fast komplett regenerativ funktionierte, gebe es an trüben oder windarmen Tagen nicht genug Strom aus regenerativen Quellen zur Deckung des Bedarfs. Konventionelle Energieträger müssten einspringen, um diesen Bedarf zu decken. Um wie geplant bis 2045 Klimaneutralität zu erreichen, sei daher Flexibilität im Elektroenergiesystem gefragt.
Nördlich des Umspannwerks Bergrheinfeld/West soll auf einer etwa zehn Hektar großen Fläche ein Batteriespeicher mit bis zu 2 Gigawatt Speicherkapazität entstehen. Anfang 2026 soll der Bau beginnen. Die Inbetriebnahme ist für Ende 2028 geplant.
Aktuell dominierten in Deutschland die kleineren, privat installierten Speicher mit einer Kapazität von bis zu 30 Kilowattstunden, informierte THWS-Professor Dr. Henning Lorrmann. Großspeicher spielten für den Strommix noch keine allzu große Rolle. Dr. Bernd Petermann, Jurist bei der Bundesnetzagentur und Leiter des Referats "Thermische Kraftwerke und Speicheranlagen", bestätigte allerdings das große Interesse, Großspeicher auszubauen.
Dabei gelte es die Frage zu klären: Ist man als Besitzer eines Batteriespeichers ein Erzeuger oder ein Verbraucher von Energie? Denn Netzbetreiber dürften keinen Energiehandel und damit auch keinen Batteriespeicher betreiben.
Kommunen fordern transparente Öffentlichkeitsarbeit
Vom Übertragungsnetzbetreiber Tennet kam die Anregung, die Wirtschaftlichkeit von Großspeichern zu beachten. Zwar reduzierten sie den künftigen Netzausbaubedarf, aber nicht jeder Speicher sei automatisch nützlich: Bei zu großer Netzauslastung müssten Speicher wieder vom Netz genommen werden, was auf Dauer unwirtschaftlich sei.
Der Bürgermeister der Gemeinde Bergrheinfeld, Ulrich Werner, forderte eine transparente Öffentlichkeitsarbeit bei allen Projekten. Ohne einen offenen Diskurs gebe es Protestbewegungen – besser wäre es für die Kommunen, die positiven Aspekte aufzuzeigen, wie erhöhte Gewerbesteuereinnahmen oder zusätzliche Pachteinnahmen. Im Gegenzug müsse die Gemeinde sicher sein können, dass Betreiber eine Betriebsstätte vor Ort anmelden, damit diese Gelder auch in der Gemeinde verbleiben, die die Flächen für den Speicher bereitstelle.
Projektentwickler Belectric GmbH gab einen Überblick über den Stand aktueller Projekte: Oft müssten Genehmigungsverfahren mehrfach durchlaufen werden, weil sich erst während dieses Prozesses herausstelle, wie viel Leistung und wie viel Fläche dafür nötig sein werden. Auch die Regularien änderten sich mitunter schnell, sodass Projekte neu überdacht werden müssten. Beides habe Mehraufwand und Mehrkosten zur Folge.
Der regionale Flächen-Netzbetreiber ÜZ Mainfranken legte dar, dass die ländlichen Verteilnetze bereits zu 100 Prozent mit regenerativer Energie abgedeckt seien. Auch wenn drei weitere Umspannwerke geplant seien, um das vorhandene Netz zu entlasten, seien Speicher wichtig, um die erneuerbaren Energien weiter ausbauen zu können. Da Großspeicher aber keinen Baukostenzuschuss vom Staat erhalten, würde sich dadurch der Strompreis verteuern. Um dies zu verhindern, könne der Speicher nur zur Netzentlastung eingesetzt werden – was aber wiederum die Wirtschaftlichkeit des Speichers verschlechtere. Hier seien neue Bestimmungen des Gesetzgebers gefragt.