"Wir müssen den Nebel zerreißen, dass alles als Corona-Krise abgetan wird", forderte Klaus Mischau, bei der einzigen Schweinfurter Kundgebung zum 1. Mai, zu dem die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) auf den Georg-Wichtermann-Platz eingeladen hatte. Der SKF-Gewerkschaftler sprach von einer erneuten Weltwirtschaftskrise, die sich seit bereits 2018 entwickelt habe. Nun habe man 400 000 neue Arbeitslose und 10 Millionen Kurzarbeiter. MLPD-Sprecher Manfred Setter kritisierte, dass der DGB alle Veranstaltungen zum 130 Jahre alten "Arbeiterkampftag" abgesagt habe. Rund 20 Zuhörer kamen und hielten Abstand, teilweise ("Unser Schutzschirm ist der gemeinsame Kampf") mit roter Nelke an der Schutzmaske. Setter bezweifelte, dass Merkel die Gesundheit das Wichtigste sei, angesichts der Zustände bei der Flüchtlings-Unterbringung, an den Arbeitsplätzen, beim Pflegenotstand oder infolge der fehlenden Pandemie-Vorsorge. Nun würden vor allem große Monopol-Firmen von den Finanzhilfen profitieren. Klaus Mischau kritisierte insbesondere die Arbeitsbedingungen der Autokonzerne, wo Zehntausende in einer Werkhalle arbeiten würden: "Die können gar nicht Abstand halten." Entsprechend sei, wie in Südkorea, eine zweite Krankheitswelle zu erwarten. Statt über eine neue Abwrackprämie müsse jetzt über Hilfe für Pflegekräfte gesprochen werden. Es brauche Solidarität der Kleinen gegen, nicht mit den Großen.
Horst Böhnlein forderte, 12-Stunden-Schichten in den Pflegeberufen zu verkürzen, sowie die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich. Der Gewerkschafter zitierte den Aufruf von Konstantin Wecker, Flüchtlinge aus "Hot Spots" wie Moria oder Lesbos zu holen – und sie in leeren bayerischen Luxushotels unterzubringen. Setter trug das Gedicht eines syrischen Flüchtlings vor, ebenso ein Statement des Schweinfurter Aktionsbündnisses gegen Atomkraft: das an 34 Jahre Tschernobyl-Katastrophe und die Waldbrände im radioaktiv verseuchten Gebiet erinnerte. Es gab auch spontane Beiträge: Eine Zuhörerin tadelte die Ablehnung eines Sozialplans im Stadtrat, und sah Corona als Chance für echten Wandel – statt sich von "Angst oder Gier" leiten zu lassen.