Das Kunstwerk, das es Planer Joachim Perleth besonders angetan hat, wird erhalten bleiben, beim Umbau des historischen Gebäudes zum Bürgerhaus. Der "Denkerstein", der momentan bei der Firma Steinmetz in Haßfurt restauriert wird, soll den versetzten Haupteingang zieren.
Kunsthistorisch betrachtet ist der Schlussstein eine Variante vom sagenhaften "Nürnberger Trichter": Die Steinfigur, die "Anno 1938" über dem Eingangs-Torbogen der Dorfschule angebracht worden ist, zeigt einen Schüler, der Zahlen und Buchstaben eingetrichtert bekommt, als Symbol für leichtes Lernen.
Architekt Hannes Pfister (1902 - 1980) hat seinerzeit den formschönen Vollziegelbau am Schleifweg geplant. Der spätere Oberbaurat studierte tatsächlich in Nürnberg, stammt aber aus einer regelrechten Architektendynastie in Schweinfurt. Zusammen mit Fred Angerer hat er 1954 den Neubau des städtischen Rathauses mitgestaltet, ebenso wie Stadthalle, Sparkasse, Ruderclub oder das Lichtspielhaus Luli.
"Bögen waren seine Spezialität", erinnert sich Enkel Jürgen Pfister. Tante Anneliese Hammer ist 94. In deren Wohnung in der Altstadt hängen noch Bilder des Hobby-Malers und -Fotografen Hannes Pfister. Die Angehörigen halten es für gut möglich, dass der Entwurf des "Denkers" von ihm stammt. Gefertigt haben könnte ihn der heimische Bildhauer Heinrich Söller, eventuell auch Richard Rother, die Pfister beide gekannt hat. Der "urfränkische" Kitzinger Heimatkünstler Rother ist vor einigen Jahren in die Kritik geraten, weil er sich dem NS-Regime mit linientreuen Werken angedient hat.
Durch Möchtegern-Baumeister Hitler wurde gerade von den Architekten Bauten erlangt, die den (Un-)Geist seiner Diktatur widerspiegeln sollten. Das Spannungsfeld zwischen "Zwang zum Broterwerb" und künstlerischer Freiheit ahnt man auch in Dittelbrunn. Dort wurde im Erdgeschoss, am Übergang zum neuen Feuerwehrtrakt, ein halbes Wandgemälde freigelegt, das den "Gau Mainfranken" zeigt, den 1938 frisch umbenannten Regierungsbezirk Unterfranken: mit Symbolbildern aus dessen westlicher Hälfte, einem geharnischten Florian Geyer bei Giebelstadt etwa oder einem (leicht subversiven?) "Reichsgeier" am Geiersberg.
"Das sieht ganz nach Opa aus", meint Jürgen Pfister zum Malstil des Freskos, das ebenfalls restauriert werden soll. Zumindest der verschmitzte Lausbub am Eingang, der seinen Kopf von "oben" vollgestopft bekommt, lässt sich schon als Distanzierung vom totalitären Kunst- und Erziehungsverständnis der Zeit deuten. "Er hat sein Denkvermögen keinesfalls ausgeschaltet", erinnert sich die Tochter an Hannes Pfister. Ein Onkel habe als Sozialdemokrat öfters Schwierigkeiten mit dem System bekommen. Anneliese Hammer, Jahrgang 1927, hat so einiges erlebt und überlebt: Wo heute ihr Haus steht, befand sich nach dem Krieg nur noch ein riesiger Krater.
Auch unweit der alten Schule Dittelbrunn sind Bomben gefallen, der "Denker" hat standgehalten. Ende Juli wurde nun der Spatenstich nachgeholt, am künftigen Bürgerhaus. Eigentlich wird schon seit letztem Jahr gebaut, am Projekt, dessen förderfähige Kosten zu 90 Prozent aus Mitteln der Städtebauförderung finanziert werden. Seit der Planung gab es Preissteigerungen, nun wird mit Gesamtkosten von 2,7 Millionen Euro gerechnet. Zugeschossen werden 1,89 Millionen Euro aus dem "Investitionspakt Soziale Integration im Quartier".
Bis Sommer 2022 soll der Neubau bezugsfertig sein: Der Jugendtreff zieht ins Untergeschoss, mit Gruppenraum, WC und Küche, im Erdgeschoss soll ein Multifunktionsraum entstehen. Aufzug und Behindertentoilette sorgen für Barrierefreiheit. Im Obergeschoss sind Räume für VHS, Musikschule und andere Nutzer geplant. "Ein Ort zum Zusammentreffen", soll das Bürgerhaus laut Rathauschef Warmuth werden. Der geräumige Dachboden bleibt ungenutzt und wird abgeschottet: der Brandschutz spielt nicht mit, wie bei den alten Holztreppen. Eine teilweise Glasfassade wird dem Altbau ein modernes Gesicht geben. Die Namen der Flüchtlinge, die mal im Haus untergebracht waren, stehen noch am Seiteneingang.
Karl-Heinz Hennig, Kreisheimatpfleger a.D., hat einige Dias in der Sammlung, aus den frühen Jahren der Schule. Der Pfister-Bau hatte ein Schulhaus aus dem Jahr 1876 ersetzt, das am Dorfbrunnen in der Ortsmitte stand. Distanzunterricht war im Deutschen Reich noch ein Fremdwort gewesen: "Sieben Klassen haben sich laut Dorfchronik ein Zimmer geteilt", sagt der Hambacher. Die älteste Schule wurde 1690 gebaut, an Stelle von Ur-Kirche und heutigem Kindergarten, mit barockem Krüppelwalmdach.
Ende der 1930er-Jahre gings dann an den Schleifweg, an den Ortsrand: ein unbefestigter Weg Richtung Acker, auf dem wohl mal die Pflugschleife der Bauern gezogen worden ist. Es ging ländlich zu, bei der Einweihung. Die "Hullafräla" versammelten sich ebenso wie Normalbürger, Uniformierte und Schüler. Sich ins Kopftuch zu hüllen gehörte für die Dorffrauen selbstverständlich dazu.
In den 1960er-Jahren wuchs oben auf der Anhöhe die neue Grund- und Hauptschule empor. Die alte Schule war zuletzt Rathaus, bis zur Einheitsgemeinde. Geschäftsleiterin Dagmar Aberle möchte einen Aufruf ins Amtsblatt setzen, und Zeitzeugen suchen.
Ex-Schüler Otmar Warmuth, Jahrgang 1935, kann sich noch gut an das Wandgemälde erinnern. Fünf Klassen habe es gegeben, im 600 Seelen-Dorf, die gemeinsam unterrichtet worden seien: "Die Großen haben den Kleinen geholfen." Bei Fliegerangriffen seien alle nach Hause gelaufen, in die Luftschutzkeller. Unten im Schulhaus war die Küche eingerichtet, für die BDM-Mädchen gab es dort offenbar Hauswirtschafts-Unterricht.
In der "Stunde Null" wurde das geräumige Schulhaus dann von den Amerikanern besetzt, die Kinder erhielten Notunterricht beim Pfarrer. Lehrerin Johanna Schmucker ist Otmar Warmuth noch aus der Nachkriegszeit in Erinnerung, ebenso die eiserne Hand von Frau Stahl. Oben wohnte Hauptlehrer Otto Müller, dem von seinen Zöglingen Holz hinaufgebracht werden musste. Fest steht für den Dittelbrunner: "Wir haben ein schönes Schulhaus gehabt."