
Nicht nur ober- und unterhalb von Euerbach hat der Biber alle Bachläufe besetzt. Jetzt macht er sich auch noch an der Euer im Dorf zu schaffen. Was die Gemeinde und ihren Bauhof auf den Plan ruft, der jetzt schon viel Zeit für die Biberkontrolle aufbringen muss.
Aktuell haben die Mitarbeiter des Gemeindebauhofs am Bach im Bereich der Grundschule auf etwa 300 Metern alle Junggehölze abgeschnitten. Diese braucht der streng geschützte Biber nämlich für den Bau seines Dammes und seiner Burg. Die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt hofft, dass sich der Nager verkrümelt, wenn er kein Baumaterial findet, erklärte Bürgermeisterin Simone Seufert in der jüngsten Gemeinderatssitzung.
Aktuell werden die zwei- bis dreijährigen Biber von den Eltern aus ihrem Revier gedrängt, damit Platz für den kommenden Nachwuchs ist. Weshalb sich die Jungtiere nicht scheuen, in den Ort zu kommen. In den Kleingärten an der Euer oberhalb des Sportheims ist aktuell ein Biber zugange und hat dort schnell mal einen kleinen Nadelbaum abgebissen. "Wir haben die anderen Bäume am Bach mit Einzelschutz versehen", sagt Bauhofleiter Werner Halbig und deutet auf den Maschendrahtzaun an etlichen Baumstämmen.
Höhle im Hang
Vom Bachbett aus ist auf Höhe der Grundschule auch eine Höhle im Hang, direkt unterhalb des Lehrerparkplatzes zu sehen. Ein Versuch des geschützten Tieres, sich einen Bau zu graben. "Der Biber war vor zwei Jahren schon einmal hier, etwas weiter unten am Sportheim", weiß Halbig. Dort versuchte er, die Euer mit einem Damm aufzustauen und damit diese Höhle unter Wasser zu setzen. Was dank der Aufmerksamkeit des Bauhofs nicht gelang.
Diese Aufmerksamkeit hat ihren Preis. Zweimal die Woche unternimmt ein Mitarbeiter eine drei- bis fünfstündige Kontrollfahrt zu den mehr als 20 Biberdämmen und einigen Biberburgen in der Euerbacher Gemarkung. "Bei extremen Fällen müssen wir außerdem mit Maschinen und Bagger anrücken, immer in Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde", sagt der Bauhofleiter. Stückweise dürfe Holz vom Biberdamm weggenommen werden, bis der alte Wasserstand erreicht ist.
Kein Geld als Entschädigung
Nicht nur die mindestens zehn Mann-Stunden pro Woche im Bauhof schlagen für die Gemeinde zu Buche. Auch größere Schäden, wie jüngst ein Einbruch auf dem Rad- und Wirtschaftsweg von Euerbach nach Obbach, gehen auf das Biber-Konto. Um die 10.000 Euro kostete der Wiederaufbau des Weges durch eine Firma.
Ein Antrag der Gemeinde auf Entschädigung aus dem Biber-Ausgleichsfonds des bayerischen Umweltministeriums wurde negativ beschieden, erklärte die Bürgermeisterin. "Das Geld ist nur für die Landwirtschaft und Privatpersonen da, nicht für die öffentliche Hand".
Angesichts des erheblichen Schadens und der Gefahr für den Wirtschaftsweg gab es von der Unteren Naturschutzbehörde eine Ausnahmegenehmigung für die "Entnahme" eines Tieres. Was auch geschah, wie der Bauhofleiter weiß. "Aber dort gibt es weiterhin Aktivitäten", sagt er. Und: Derzeit ist die Entnahmeerlaubnis wegen der Schonzeit des Bibers, der jetzt Junge bekommt, bis zum Herbst ausgesetzt.
Andere Tiere und Pflanzen als beabsichtigt
Richtige Seenlandschaften hat das Tier am Obbacher Mühlbach und am Kützberger Bach vor Euerbach sowie an der Euer am Radweg Richtung Geldersheim geschaffen. Die Gewässer waren mit hohem finanziellem Aufwand der Gemeinden Euerbach und Geldersheim renaturiert worden, als ökologische Wiesenflächen. Jetzt hat sich eine andere Pflanzen- und Tierwelt angesiedelt als ursprünglich beabsichtigt.
Bürgermeisterin Simone Seufert weiß, dass die rasante Vermehrung des geschützten Bibers auch anderen Gemeinden in der Region zu schaffen macht. Sie hofft, dass sich bald eine Lösung findet.