
An einem Winterabend trafen sich 1924 in der Heckenwirtschaft von Kilian Dülk zahlreiche Interessierte, die wenig später im Januar 1925 – organisiert von August Hedrich – den ersten Gesangverein Wipfelds aus der Taufe hoben.
So beginnt die lange Geschichte des Gesangvereins Liederkranz, der in diesem Jahr sein 100. Jubiläum feiert, wie die Vorsitzende Brigitte Pfriem zum Auftakt des Ehrenabends aus der Chronik berichtete.
Bis der Chorbetrieb 1939 eingestellt wurde, trafen sich 42 sangesfreudige Männer regelmäßig zu Proben in der Gaststätte Ernst Schneider. 1949 wurde der Chorbetrieb wiederbelebt mit Ernst Kestler an der Spitze. Da viele Frauen und Mädchen ebenfalls die Lust am Singen bekundeten, wurde schnell noch ein Gemischter Chor gegründet, geleitet vom Dirigenten Scheller. Gleichzeitig bildete sich aus dem Chor heraus auch eine Theatergruppe unter der künstlerischen Leitung von Josef Schneider. 1955 wurde die Fahnenweihe des Gesangvereins Liederkranz gebührend gefeiert. In den 1960er Jahren übernahm Hans Hornung das Dirigat im Männerchor.
Die Zehntgrafenspatzen und ein alter Tonfilm
Der Gesangverein – und hier besonders der ehemalige langjährige Chorleiter Otto Selzam, der für stolze 70 Jahre Vereinstreue geehrt wurde – organisierte Weinfeste, die Wahl zur Weinkönigin und einen jährlichen Festzug. Darüber wurde 1972 sogar ein Tonfilm gedreht, der am Jubiläumsabend neben einer ganzen Reihe von Fotos aus 100 bewegten musikalischen Jahren gezeigt wurde.
1970 erfolgte der Umzug der Chorprobe in die "Alte Schule"; dort findet sie heute noch statt. Anfang der 1990er Jahre wurde der Kinderchor "Zehntgrafenspatzen" gegründet. Der wurde zwar nach knapp zehn Jahren wieder aufgelöst, doch einige der einstigen Kinder blieben dem Gesangverein treu und wurden dafür am Ehrenabend ausgezeichnet, darunter der aktuelle Dirigent Constantin Köblitz.
1995 löste das Promenadenweinfest das ursprüngliche Zeltweinfest ab, wurde aber weiter vom Gesangverein ausgerichtet, 2019 übernahm dann die Närrische Vereinigung Wipfeld. Umso intensiver kann der Gesangverein, wie Brigitte Pfriem erläutert, nun an Konzerten und Liederabenden teilnehmen.

Als Highlights der Chorauftritte nannte Pfriem die konzertante Beteiligung an "Junger Wein und alte Lieder" 2002 in Wipfeld, die Bundesgartenschau in Würzburg, Wipfelds 1100-Jahrfeier – beide in 2018 – und das Kreuzberg-Singen 2022. Dazu gesellen sich natürlich diverse Auftritte in und um Wipfeld, die das gesellige Leben im Dorf musikalisch bereichern, wie Bürgermeister Tobias Blesch in seiner Rede feststellte und dabei gleichzeitig das Engagement und die Hingabe der Sängerinnen und Sänger bewunderte. Von der kulturellen Bereicherung und dem Verbindenden im Chorgesang schwärmte auch Heinz Vogt von der Sängergruppe Schweinfurt-Land, der gemeinsam mit der Vorsitzenden und dem Dirigenten die Ehrungen für die aktiven Sängerinnen und Sänger durchführte. Die ließen es sich natürlich nicht nehmen und präsentierten im Laufe des Festabends mehrere Kostproben ihres vielstimmigen Könnens.
Was der Verein im Jubiläumsjahr noch plant
Nach diversen Ehrungen, darunter die vereinsinterne Ehrenmitgliedschaft für die langjährige Sängerin und aktuelle Vorsitzende Brigitte Pfriem, die sich wohl demnächst aus dem Vorstand zurückziehen möchte, gab es zum Abschluss noch zwei humoristische Ausführungen zum Ablauf einer Chorprobe, die die zwei neuen Sängerinnen Susanne Mages und Regina Graf, letztere in wunderbarer Schwanfelder Mundart, zum Besten gaben.
Weitere Festaktivitäten im Jubiläumsjahr sind bereits geplant: Am Donnerstag, 1. Mai, findet um 10 Uhr ein Jubiläumsgottesdienst in der Pfarrkirche mit Chorauftritt statt mit anschließendem gemütlichen Beisammensein am Kirchplatz und einer Bilderausstellung. Im September ist ein Liederabend mit Gastchören im Sportheim geplant.