
Geht es jetzt auch noch bei den Benefizkonzerten für Demokratie, Freiheit und Vielfalt los? "Ich bin mehr ein Autokrat", gestand Musiklehrer und Organisator Jörg Schöner, in der randvollen Schweinfurter Disharmonie. Autokrat? "Da ist Out- die erste Vorsilbe", konterten die Bandmitglieder der "Rocktankstelle" aus Grettstadt.
Zum Glück drehte sich dieser Machtkampf nur um die Zahl der Zugaben. Klaus Schmitt, Peter Lommel und Oliver Goldfuß ließen basisdemokratisch abstimmen – auch wenn ihre Frauenquote nach eigenem Bekunden schlechter ist als im neuen Bundestag.
Spaß, Spaß. Anderswo haut der Rechtsruck gerade die Spaßbremse rein und lässt geistig schneller altern: ganz anders als bei der jung, frisch und vielfältig gebliebenen Konzertreihe. Die hat sommers 2024 in der ausverkauften Alten Kirche Schonungen begonnen und war Ende Oktober in der ausverkauften Kulturwerkstatt fortgesetzt worden. Nun gab es Konzert Nr. 3, im Frühling, auch wenn die Großwetterlage eher herbstlich anmutete, mit einem bleigrauen, kühlen und windigen März.
Der Entertainer Eberhard Fasel kam mit Tochter Franziska
"Stellen Sie sich vor, Sie sind auf dem Friedhof", setzte Eberhard Fasel noch eins drauf. Der Sänger und Entertainer aus Oberwerrn stand mit Tochter Franziska auf der Bühne, als Musicalexperte. In diesem Fall ging es um den Tanz der Vampire: Graf Krolock sehnt sich nach einem kleinen Biss(ch)en Liebe. Nur ist sein untotes Herz leider auf dem Stand von 1617 stehen geblieben (das Jahr vor Beginn des Dreißigjährigen Krieges).

Im Blutsauger brennt seither "Unstillbare Gier", was schon bei Bram Stokers Originalvamperl Dracula Chiffre für ungezügelten Kapitalismus und imperiales Machstreben war. Kaiserin Sisi tanzt im Singspiel ebenfalls mit dem Tod – nicht zu verwechseln mit der mildtätigen Heiligen Elisabeth und deren Musicalerkenntnis: "Liebe ist alles."
Apropos mildtätig: Das Benefizkonzert dient auch 2025 einem guten Zweck, "Schweinfurt hilft Schweinfurt". Hannes Helferich, ehemals Redakteur des "Schweinfurter Tagblatts", rührte die Werbetrommel für die Stiftung, die sich ab 1993 entwickelt hat, in der Krise der Schweinfurter Großindustrie.
Aus einem Bonnmarsch wurde eine Institution für Härtefälle
Mit einem Bonnmarsch war damals auf die Massenarbeitslosigkeit am Main aufmerksam gemacht worden. Daraus wurde eine Institution der Stadt, die bei sozialen Härtefällen Spenden sammelt. Einen Seitenhieb gegen Blaue und Braune hatte Helferich auch dabei, ebenso ein Kompliment für den Veranstalter: "Was du machst, das ist nicht nur schön – das ist Schöner."

Marietta Eder berichtete als Vorsitzende der Freunde von "Schweinfurt ist bunt" von Kundgebungen für Demokratie. Die Zeiten sind für Menschenfreunde nicht einfacher geworden, mit Blick auf den enorm gewachsenen Block der Bundestags-AfD, auf das Oval Office, den Ukrainekrieg und Gazastreifen oder Erdogans Türkei. Eder forderte Zusammenhalt statt Egoismus: "Abende wie heute geben wieder Kraft."
Die musikalische Spritztour reichte von Police bis Jan Delay
Kraftstoff gab es auf jeden Fall an der Rocktankstelle, mit einer Spritztour durch die Chartsgeschichte, von The Police bis Jan Delay. Schon ein Saxophon-Solo ist heutzutage ein smartes Statement: Pianist Thomas "Mad Bob" Bickel und Jazzvirtuose Fritz Wenzel sind schon seit längerem musikalisch verbandelt. Zusammen bretterten sie über die "Route 66", improvisierten frei über das "Concierto de Aranjuez" aus der Komödie "Brassed Off" oder feierten James Brown, "I feel good".
Der Abschluss gebührte dem poppig-rockigen "Boulevard Ensemble", alias Christine und Jörg Schöner, Fritz Wenzel und Manuel Grimm. Es ging zurück in die 80er, als "Smooth Operator" keinen Fruchtsaftmixer, sondern einen Manipulateur meinte. Die Muckibuden-Ballade "Physical" von Olivia Newton-John galt 1981 als zu sexy – kann das sein?
Am Ende besangen alle die Freundschaft, es folgte viel Applaus. 1140 Euro sind durch die Eintrittsgelder hereingekommen, als Komplettspende für "Schweinfurt hilft Schweinfurt".