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Zollhäuser in Willmars: Nichts tun, ist auch keine Lösung
Der Umbau der ehemaligen Schule war das größte Projekt in Willmars. Im Mai soll die Einweihung gefeiert werden.
Foto: Eckhard Heise | Der Umbau der ehemaligen Schule war das größte Projekt in Willmars. Im Mai soll die Einweihung gefeiert werden.
Eckhard Heise
 |  aktualisiert: 31.03.2025 13:51 Uhr

Überschaubar war die Zahl der Teilnehmer an der Bürgerversammlung in Willmars. Vielleicht lag das auch an einem Vorfall im Vorjahr, als es zu einer massiven Auseinandersetzung zwischen einem Teilnehmer und einem Gemeinderat gekommen ist. Bürgermeister Reimund Voß warnte angesichts der damaligen Eskalation, dass er ähnliches nicht mehr dulden werde und wisse, wie einzuschreiten ist. Die Worte zeigten Wirkung, denn die Versammlung verlief in einer absolut entspannten Atmosphäre.

Dabei gärt das Thema der beiden Zollhäuser nach wie vor in der Bevölkerung. Voß griff die Geschichte der gemeindlichen Immobilie gleich am Anfang seiner Ausführungen auf und informierte über den aktuellen Stand nachdem er die Vorgänge um die Anwesen Revue passieren ließ. Danach war nach dem Bürgerbegehren 2023 der Nichtverkauf zunächst beschlossen worden. Im Februar 2025 war das Thema erneut im Gemeinderat und die verschiedenen Optionen diskutiert worden.

Sanierung für eine halbe Million Euro?

Bei der Zusammenkunft sah der Gemeinderat eine Sanierung, die wohl deutlich über eine halbe Million kosten würde, sehr kritisch. Die Alternative, den aktuellen Zustand der acht Wohnungen zu belassen und nichts zu unternehmen, wurde ebenso skeptisch betrachtet, da Handlungsbedarf dringend angezeigt sei.

Als dritte Möglichkeit favorisierte das Gremium schließlich den Verkauf der Immobilie. Als Bedingung bei einer Veräußerung verlangt der Gemeinderat ein Mitspracherecht und die Vorlage eines Nutzungskonzepts, die eine Sicherstellung des Wohnraums beinhaltet. Michael Emmert regte an, den Verkaufswert der Immobilie durch den Landkreis ermitteln zu lassen. Darüber hinaus soll der Erlös in einen Sonderfonds fließen, der dem Bereich Dorfentwicklung zugeordnet ist.

Das Thema soll ohnehin stärker in den Mittelpunkt rücken etwa durch eine Einführung von Bürgertreffen. Bei diesen Zusammenkünften sollen Initiativen herausgearbeitet werden, wie sich der Ort weiterentwickeln und attraktiver werden kann. Ein guter Ansatz war erst in jüngster Zeit die Ausweisung der Dorfrunde.

Ein Viertel weniger Einwohner innerhalb von 20 Jahren

Ein Handlungsbedarf resultiere auch aus der Bevölkerungsstatistik, die für den Ortsteil Willmars innerhalb von zwei Jahrzehnten den Verlust eines Viertels der Einwohner ausweist. Außerdem wird vor allem in Willmars eine deutliche Zunahme des Leerstands registriert. Michael Emmert wies außerdem auf die drohende Überalterung hin, die sich nicht nur finanziell auf sinkende Steuereinnahmen niederschlägt, sondern in den verschiedensten Lebensbereichen ihre Spuren hinterlässt und daher künftig deutlich stärker berücksichtigt werden muss.

Der Ansatz kollidiert allerdings mit der geringen Finanzkraft der Gemeinde, ging aus den Haushaltszahlen hervor. Danach ist die Verschuldung nach wie vor mit etwa 1200 Euro je Einwohner weit über dem Landesdurchschnitt. Voß hofft, dass die Gemeinde in diesem Jahr aber wieder in den Genuss einer Stabilisierungshilfe gelangt. Immerhin wurde der Umbau der alten Schule zur Kindertagesstätte abgeschlossen. Die Einweihung soll im Mai stattfinden.

Der Gemeindesäckel wird jedoch verstärkt von staatlichen Auflagen und politischen Zwängen belastet, ergänzte Voß,  während Gemeinderat Werner Palancares Hoyer ein Beispiel lieferte. So wies der Mandatsträger darauf hin, dass die Gemeinde den Bedarf an Straßensanierungsvorhaben ermitteln musste, "die Erhebung liegt jetzt vor, aber wir haben kein Geld, um zu handeln".

Sanierung des Wasser- und Abwassernetzes in Filke

Ähnliches gelte für das Kanalnetz, fuhr Voß fort, der aber schon einmal verschiedene Vorhaben ankündigte, die auch den Geldbeutel der Bürger belasten werden. So sollten die Bürger in absehbarer Zeit mit Beiträgen für die Sanierung des Wasser- und Abwassernetzes in Filke rechnen.

Voß informierte schließlich noch über die Einrichtung des "Callheinz"-Angebots. Dazu sind mehrere Haltestellen in den Ortsteilen eingerichtet worden. Reinhold Herbst regte an, dass Bewohner aus der Gemeinde vorrangig beim Holzverkauf berücksichtigt werden sollten. Derzeit werde Holz verstärkt von Unternehmen von außerhalb aufgekauft, während Ortsbewohner leer ausgehen.

Ohne längere Diskussionen sind auch die Bürgerversammlungen zuvor in Völkershausen und Filke verlaufen, schilderte Voß gegenüber dieser Redaktion. Sein Vortrag sei identisch mit dem in Willmars gewesen. In Filke sei es noch etwas ausführlicher um den Bau der Wasserleitung gegangen. In Völkershausen wurde ein verstopfter Mönch in einem Teich beanstandet.

 
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Kommentare
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  • Gunter Scheidl
    Warum heißen die Häuser eigentlich Zollhäuser, wo doch die Bayerische Grenzpolizei dort stationiert war?
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  • Gunter Scheidl
    Dublette.
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